Köpfe

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Arques-Chef Martin Vorderwülbecke: Gegrillt, saniert, verkauft

Am Anfang, in Berlin, da stand ein Toaster. Den haben die beiden Herren, die später so viel ausbaldowern sollten, zum Grillen ihrer Aldi-Bouletten missbraucht. So etwas schweißt auch Männer zusammen. Man schreibt das Jahr 1989, Martin Vorderwülbecke und Peter Löw, damals Rechtsreferendare in Berlin, schwören einander, gemeinsam etwas anzustellen. Vier Jahre später ist es so weit.

MÜNCHEN. Am Donnerstag hat Vorderwülbecke ohne seinen Mittoaster und Mentor vor der Hauptversammlung der Arques AG geredet – als neuer Vorstandsvorsitzender. Sein Partner Löw, eigentlich der geistige Vater der ganzen Veranstaltung und Unternehmensgründer, saß oben auf der Empore, als Kleinaktionär. Er hat Arques verlassen und fast alle seine Aktien verkauft – und dabei alles in allem weit über 100 Millionen Euro verdient. Kein schlechter Abgang.

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„Er war Löws rechte Hand und muss nun beweisen, dass es ohne die Führungsfigur weitergeht“, sagt einer, der mit Vorderwülbecke zusammengearbeitet hat. Tatsächlich sind Löw und sein Nachfolger entscheidende Strecken ihres Weges gemeinsam gegangen, eines Weges, der meist nur eine Richtung nahm: aufwärts. „Der Vorteil unseres Geschäftsmodells ist, dass es skalierbar ist“, sagt Vorderwülbecke.

Das ist erklärungsbedürftig, wie so vieles bei der Arques AG. Das Unternehmen aus Starnberg kauft Unternehmen wie normale Menschen Tomaten. Die Tomaten von Arques aber, um im Bild zu bleiben, haben Druckstellen – mindestens. Löw und Vorderwülbecke nennen ihr Geschäft „börsennotierter Turn-around-Spezialist“. Die Unternehmen, die Arques kauft, verbindet in der Regel nur eins: dass es ihnen nicht gut geht und sie billig zu haben sind.

Gut 40 Sanierungsfälle hat Arques in nur dreieinhalb Jahren übernommen, 2006 waren es Firmen mit mehr als 800 Millionen Euro Jahresumsatz, der Konzerngewinn hat sich 2006 auf 110 Millionen Euro mehr als verdoppelt. Zu den Übernahmen gehören der inzwischen verkaufte Kinderwagenbauer Teutonia, die Nachrichtenagentur DDP oder die Ex-Degussa-Tochter SKW Metallurgie, die er an die Börse brachte.

Arques, das ist Sanierung aus dem Baukasten. Vorderwülbecke kauft billig, dann kommt die Task-Force aus Starnberg. Diese Truppe ist auf 70 Mitarbeiter angewachsen, sie soll das übernommene Unternehmen so schnell wie möglich sanieren. Am Ende steht der Verkauf mit Gewinn. „Kaltblütig und entschlossen“ seien seine Leute, sagt Vorderwülbecke vor den Aktionären, der Vertreter der oft kritischen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz ringt darob um Worte: „Wunderbar“ seien Aktienkurs und Dividende, Arques, das sei die Raupe, die zu einem bildschönen Schmetterling geworden sei.

Manch einer in den betroffenen Unternehmen denkt bei Arques dennoch an Insektenplage. „Ich sag lieber nichts“, sagt einer, der es erlebt hat. Dennoch, nimmt man Aktienkurs oder Analystenempfehlungen, dann funktioniert Arques hervorragend. Das liegt auch an der zur Schau getragenen Sparsamkeit. Laut Geschäftsbericht hat Vorderwülbecke im vorigen Jahr 179 441 Euro verdient – da lachen echte Heuschrecken.

Einem breiteren Publikum ist er 2005 bekannt geworden. Da gab es Stress mit der Bilanzpolizei, die falsche Buchführung in mehreren Punkten im Arques-Jahresabschluss 2004 monierte – worauf Vorderwülbecke, damals Finanzchef, schweres Geschütz auffuhr. Die Auseinandersetzung sei ausgestanden, sagt er heute, Er hat neue Wirtschaftsprüfer engagiert und den Streit mit den Bilanzierungswächtern beendet.

Zu offiziellen Anlässen trägt der neue Chef gern teures Tuch. Im Büro darf es auch der Janker sein. Trotzdem wirkt der gebürtige Westfale sehr hochdeutsch. Die Arques-Zentrale in Starnberg hat dabei etwas Vorläufiges, Karges. Ein lateinischer Spruch an der Wand prägt das Vorstandsbüro, Psalm 130: „Aus der Tiefe rufe ich zu Dir Herr, erhöre mein Flehen.“ Löw und Vorderwülbecke sind das, was man gut katholisch nennt, der Gründer ist Mitglied päpstlicher Ritter-Orden. Sein Nachfolger hat es zum Kassierer des Altherrenbundes in der katholischen Studentenvereinigung Rheno-Palatia gebracht. Löw und Vorderwülbecke haben so manche Firmengeschichte gemacht, sie selbst betrachten sich als Managerelite. Konkret wurde es 1993 nach einem Bierabend in München. Da wurden sich der McKinsey-Berater Löw und der Rechtsanwalt Vorderwülbecke einig, dass es Zeit sei, reich zu werden. „N+S Bürocenter“ hieß die Firma, die sie 1993 in der niedersächsischen Provinz für sieben Millionen D-Mark kauften. „Das war genauso viel wie der Jahresumsatz und damit der teuerste Kauf meiner Laufbahn“, erinnert sich Vorderwülbecke. Das Geschäft finanzierte die Bank, der Deal wäre beinahe schlecht ausgegangen. Die Konsequenzen lauteten: keine schuldenfinanzierte Übernahme mehr, nie wieder fremdes Spitzenpersonal und schärfste Kostenkontrolle.

Womit die Geschäftsidee von Arques 1995 quasi geboren war. Die Firma hieß „Certina AG“ und sammelte einen Konzernumsatz von 130 Millionen D-Mark ein, dann ging Peter Löw zum ersten Mal, nahm sich ein Jahr Auszeit, gründete Arques. Inzwischen investiert Arques auch in Österreich und Spanien. Italien, Frankreich und die USA sollen folgen. Was ist das Erfolgsgeheimnis? „Gute Unternehmensführung ist vor allem gesunder Menschenverstand“, sagt Vorderwülbecke trocken.

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