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Clemens Börsig: Deutsche Bank: Börsig steht vor Scherbenhaufen

Deutsche-Bank-Aufsichtsratschef Clemens Börsig ist grandios gescheitert. Seine Suche nach einem Nachfolger für Josef Ackermann blieb erfolglos, seinen eigenen Sprung an die Spitze der Bank verhinderten die Arbeitnehmervertreter. Nun findet sich der 60-Jährige plötzlich in einer heiklen Situation wieder.

Sah sich für einige Stunden selbst im Chefsessel: Clemens Börsig, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Quelle: dpa
Sah sich für einige Stunden selbst im Chefsessel: Clemens Börsig, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Deutschen Bank. Quelle: dpa

FRANKFURT. Auch die eigentlich Redseligeren fassen sich an den Kopf, wenn sie auf jene sich wie Kaugummi hinziehenden Stunden angesprochen werden, die sie in den vergangenen Tagen im Aufsichtsrat der Deutschen Bank zugebracht haben. "Sehr unglücklich" sei die Situation gewesen, sagt einer. "Schwierig, und noch nicht ausgestanden", räumt ein anderer mit Blick auf Clemens Börsig ein, den Vorsitzenden des Gremiums. Schließlich habe man sich gezwungen gesehen, eine Ehrenerklärung für ihn abzugeben, um den Eklat zu vermeiden: "Der Aufsichtsrat der Deutschen Bank hat unverändert volles Vertrauen in seinen Vorsitzenden und steht einhellig hinter ihm", ließen die Räte mitteilen. Entspannt hat sich die Lage dennoch nicht.

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Seit vergangener Woche ist klar, dass der 60-jährige Börsig, Mann der Zahlen und "kühler Rechner", an seiner wichtigsten Aufgabe grandios gescheitert ist. Er hat nicht nur keinen Nachfolger für Chef Josef Ackermann gefunden, er hat auch, als dieser ihn zeitlich unter Druck setzte, eine empfindliche Niederlage erlitten. Für einige Stunden nämlich sah sich Börsig bereits selbst im Sessel des Vorstandsvorsitzenden. Für eine Weile sah es so aus, als wenn Börsig über seinen Schatten springen und ins Rampenlicht eintauchen wollte. Bis ihm vor allem die Arbeitnehmervertreter einen Strich durch diese Rechnung machten. Der ins Scheinwerferlicht preschende Börsig war nicht mehrheitsfähig, zumindest nicht als Vorstand der Deutschen Bank. Dass er als Aufsichtsratschef weiter mehrheitsfähig sein soll, klingt nach einer Verlegenheitslösung. Er dürfte nur mehr Vorsitzender auf Abruf sein, bis sich ein Neuer findet. Ein Neuer, der ein Gegengewicht zum Machtzentrum bilden kann, das Ackermann um sich versammelt hat.

"Die meiste Zeit verliert man damit, dass die Dinge nicht zu Ende gedacht werden", lautet ein Satz vom Übervater der Bank, Alfred Herrhausen. Börsig erklärt mit Herrhausen gern, warum es ihn nicht stört, wenn er als der nüchterne, der spaßfreie rationale Mann an der Spitze beschrieben wird. Als "Mr. Cool" im klassisch dunklen Bankergewand mit dezenter dunkelroter Krawatte. Es brauchte wohl einen vom Schlage Ackermanns, der ihn dieses Leitmotiv aus den Augen verlieren ließ. Das Ergebnis: ein Scherbenhaufen, wie er ihn in seiner Karriere noch selten zusammenkehren musste.

Seinem Münchner Nachbarn Leo Kirch hat es Börsig zu verdanken, dass er vor drei Jahren an die Aufsichtsrats-Spitze gelangte. Kirch hatte Börsigs Vorgänger Rolf-E. Breuer in einen Rechtsstreit verwickelt, der Breuer zwang, abzudanken. Im für einen Chefaufseher jungen Alter von 57 Jahren wechselte Börsig darauf vom Posten des Finanzchefs an die Spitze des Kontrollgremiums. Wer seither von ihm etwas erfahren wollte, dem wurde beschieden: "Das Unternehmen wird vom Vorstand geleitet, nicht vom Aufsichtsrat. Deshalb spricht Josef Ackermann über die Strategie der Bank und nicht ich." Also hielten sich alle an Ackermann. Der hatte Börsigs Berufung damals kommentiert: "Die bei weitem beste Lösung". Das klingt aus heutiger Sicht zweideutig. Es könnte sein, dass Ackermann schon damals die für sich einfachste Lösung gemeint hatte.

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