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Ex-Banker: Notheis geht unter die Mittelstands-Investoren

Wegen der EnBW-Affäre trat Dirk Notheis als Deutschland-Chef von Morgan Stanley zurück. Nun ist er wieder da, als Geschäftsführer eines Fonds, der Mittelständler mit Kapital versorgt. Dabei hat er prominente Mitstreiter.

Ex-Bank Dirk Notheis: Hilfe für Mittelständler. Quelle: dapd
Ex-Bank Dirk Notheis: Hilfe für Mittelständler. Quelle: dapd

Frankfurt am MainDer in der EnBW-Affäre zurückgetretene Investmentbanker Dirk Notheis will künftig deutschen Mittelständlern finanziell unter die Arme greifen. Der ehemalige Deutschland-Chef von Morgan Stanley ist seit 1. Februar Geschäftsführer von Rantum Capital, einem von zwölf Unternehmern und Managern ins Leben gerufenen Fonds, der kleinen und mittleren Unternehmen Kapital zur Verfügung stellen will. Mit von der Partie sind nach Angaben vom Montag unter anderem der ehemalige Voith-Chef und frühere BDI-Präsident Michael Rogowski, Air-Berlin -Gründer Joachim Hunold und sowie der frühere Metro-Chef Hans-Joachim Körber.

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Die Idee sei vor knapp einem halben Jahr bei einem Treffen in Rantum auf der Ferieninsel Sylt entstanden, sagte Rogowski der Nachrichtenagentur Reuters. „Gerade die erfolgreichen Mittelständler tun sich schwer, Finanzmittel für die Expansion zu gewinnen.“ Banken fielen als Eigenkapitalgeber weitgehend aus, doch sei die Kapitaldecke vieler Unternehmen noch immer dünn. „Mezzanine-Finanzierungen sind so gut wie tot, das gilt auch für den Verbriefungsmarkt“, sagte Rogowski. Doch müssten bis Ende 2014 rund 2,3 Milliarden Euro an Verbriefungen abgelöst werden. Hier soll der Fonds in die Bresche springen. Rantum Capital wolle Nachrangkapital „zu marktüblichen Zinsen“ geben, das zwar als Eigenkapital anerkannt werde, aber die Investoren nicht zu Eigentümern macht.

Mittelstand

Das Geld soll von den Initiatoren selbst, aber vor allem von Versicherern und den Kapitalanlage-Pools reicher Familien kommen. Insgesamt soll der Fonds ein kleines dreistelliges Millionen-Volumen einsammeln. Erste Zusagen gebe es schon. Pro Firma wolle der Fonds zwischen zwei und 20 Millionen Euro vergeben. „Unsere Zielgruppe sind Unternehmen mit 25 Millionen bis 500 Millionen Euro Umsatz“, sagte Rogowski.

Unternehmer bleiben Herr im Haus

Um den deutschen Mittelstand buhlen Private-Equity-Geber aus dem In- und Ausland seit Jahren zumeist vergeblich. Die Rantum-Initiatoren glauben den Grund zu kennen: „Wir bieten anders als Finanzinvestoren Eigenkapital, ohne Miteigentümer werden zu wollen. Dadurch müssen die Unternehmen nicht fürchten, am Ende nicht mehr Herr im eigenen Haus zu sein oder an die Börse gehen zu müssen“, sagte Rogowski.

Der EnBW-Skandal in der Chronologie

  • 19. Januar 2000

    Das Land verkauft 25,01 Prozent der EnBW an den französischen Stromkonzern EDF und erhält dafür 4,7 Milliarden Mark (2,4 Mrd Euro). Mit einem Großteil des Geldes wird die gemeinnützige Landesstiftung gegründet. Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) kündigt sinkende Strompreise an.

  • 6. Dezember 2010

    Wenige Monate vor der Landtagswahl kauft das Land überraschend die EnBW wieder von der EDF zurück. Der Kaufpreis für einen 45-Prozent-Anteil: 4,67 Milliarden Euro. Finanzminister Willi Stächele (CDU) wendet das Notbewilligungsrecht an; so müsse der Landtag vorab nicht zustimmen.

  • 15. Dezember 2010

    Der Landtag stimmt mit der CDU/FDP-Mehrheit dem Wiedereinstieg des Landes bei der EnBW zu.

  • 17. Januar 2011

    Die Opposition aus SPD und Grünen kündigt eine Klage gegen den EnBW-Aktiendeal vor dem Staatsgerichtshof an. Man sieht das Haushaltsrechts des Landtags, das „Königsrecht“, verletzt.

  • 6. Oktober 2011

    Der Staatsgerichtshof Baden-Württemberg erklärt den EnBW-Deal für verfassungswidrig. Die Richter geben Grünen und SPD, die inzwischen die Regierung stellen, recht: Die Regierung von Ex-Ministerpräsident Stefan Mappus hätte das Geschäft nicht am Landtag vorbei abwickeln dürfen.

  • 12. Dezember 2011

    Die Grünen wollen den EnBW-Deal des Landes in einem Untersuchungsausschuss aufarbeiten.

  • 21. Dezember 2011

    Erste Sitzung des Untersuchungsausschusses.

  • 26. Januar 2012

    Ein Bericht der Landesregierung wird bekannt. Er legt nahe, dass sich Mappus wohl über den Rat seiner juristischen Berater, die vor einem Umgehen des Parlaments gewarnt haben sollen, hinweggesetzt hat.

  • 9. März 2012

    Mappus und sein damaliger Berater, der Deutschlandchef der Investmentbank Morgan Stanley, Dirk Notheis, treten vor dem Ausschuss auf. Mappus räumt ein, dass er den Deal so nicht nochmals abschließen würde, hält ihn aber insgesamt „nach wie vor für richtig“.

  • 25. Mai 2012

    Es wird bekannt, dass die grün-rote Regierung beim Schiedsgerichtshof klagt, um den französischen Versorger EDF zur Rückzahlung von zwei Milliarden Euro des Kaufpreises zu bewegen.

  • 25. Juni 2012

    Wegen seiner Rolle beim EnBW-Deal zieht sich Notheis aus dem operativen Geschäft von Morgan Stanley zurück.

  • 26. Juni 2012

    Der Rechnungshof rügt das Vorgehen der früheren Landesregierung in Sachen EnBW scharf. Die Prüfung ergab, „dass das Verfahren im Vorfeld des Vertragsabschlusses in wesentlichen Teilen nicht den Anforderungen genügt, die aus der Landesverfassung und der Landeshaushaltsordnung folgen“.

  • 11. Juli 2012

    Die Staatsanwaltschaft Stuttgart nimmt gegen Mappus Ermittlungen wegen Verdachts der Untreue auf und durchsucht Wohnungen und Büros. Gegen Notheis wird wegen Beihilfe ermittelt.

Notheis war als Deutschland-Chef von Morgan Stanley im Sommer gegangen. Der in Politik und Wirtschaft gut vernetzte Banker war über seine Rolle bei der Rückverstaatlichung des Karlsruher Energiekonzerns EnBW gestolpert. Er hatte dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Stefan Mappus schriftliche Anweisungen gegeben, wie er sich in den Verhandlungen verhalten solle. Mappus hatte den Stuttgarter Landtag bei den Milliarden-Geschäft übergangen.

Weitere Geschäftsführer von Rantum Capital sind Marc Pahlow, ein ehemaliger Manager des Finanzinvestors Carlyle, und Fritz Koop, der bei der ehemaligen Landesbank WestLB Fonds für den Mittelstand geleitet hatte.

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