
LONDON. Tony Blair polarisiert. Auch drei Jahre nach seinem Rücktritt spaltet der ehemalige Labour-Premierminister die britische Öffentlichkeit, und das sogar, wenn er Gutes tun will. Morgen veröffentlicht Blair seine mit Spannung erwarteten Memoiren unter dem Titel „Die Reise“, und der Ex-Premier will nicht nur den üppigen Vorschuss von fünf Millionen Pfund, sondern sämtliche Einnahmen dem britischen Soldatenhilfswerk spenden.
Doch was als versöhnliche Geste gemeint war, heizt den Streit über Tony Blair nur weiter an. Seine Gegner werten die Millionenspende als Schuldgeständnis für den „illegalen Krieg“ im Irak, Wohlmeinendere sehen in der Aktion dagegen ein mutiges Bekenntnis Blairs zu seiner Politik.
Die Kommentatoren der britischen Medien konnte der Politiker auf jeden Fall nicht überzeugen. Der „Daily Telegraph“, die Leib- und Magenzeitung der Konservativen, wollte erst einmal wissen, ob Blair denn seine Spende von der Steuer abzusetzen gedenke.
Dieser Verdacht richtet sich gegen den Privatmann und umtriebigen Unternehmer, der seit seinem Rücktritt ein kleines Firmenimperium aufgebaut hat, mit dem er die Marke Tony Blair verwertet. Wie viel Geld der Labour-Politiker tatsächlich verdient, darüber liegen die Schätzungen weit auseinander. Irgendwo zwischen 20 und 60 Mio. Pfund liegt die Wahrheit über das Blair’sche Vermögen.
Genauere Berechnungen sind schwierig, weil der ehemalige Labour-Führer ein komplexes Netz von Firmen aufgebaut hat, das es ihm erlaubt, nur einen kleinen Teil seines Einkommens offenlegen zu müssen. Die beiden einzigen Unternehmen, die ihre Bilanzen veröffentlichen, setzten im vergangenen Geschäftsjahr knapp zwölf Mio. Pfund um und lieferten ihre Einnahmen bei Tony Blair Associates ab, der wichtigsten Firma Blairs, über die der Ex-Premier ausländische Regierungen und Unternehmen berät.
Ein lukratives Geschäft, Experten schätzen, dass allein die beiden Beraterverträge mit der amerikanischen Investmentbank JP Morgan und dem Versicherungskonzern Zurich Financial rund 2,5 Mio. Pfund im Jahr einbringen. Vor kurzem hat Blair auch noch eine eigene Investmentfirma gegründet und dafür einige renommierte Banker angeheuert.

So sind sie nun mal. Nicht nur deutsche Sozialdemokraten nehmen von den Armen die Stimmen und von den Reichen das Geld (wie bismarck treffend formulierte), sondern auch Laboursozialisten handeln ebenso. Also wozu die ganze Aufregung?
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