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Firmenkontrolleure: Die neue Generation von Aufsichtsräten

Noch herrschen Männer der alten Schule über Deutschlands Kontrollgremien. Die nachrückende neue Garde fällt vor allem durch starkes gesellschaftliches Engagement auf. Sie leben nicht mehr nur für das Mandat.

Paul Achleitner, Noch-Finanzvorstand der Allianz, wird bald auch Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bank. Quelle: dapd
Paul Achleitner, Noch-Finanzvorstand der Allianz, wird bald auch Aufsichtsratschef bei der Deutschen Bank. Quelle: dapd

DüsseldorfHenning Schulte-Noelle ist auf Vortragstour durch die Republik. Der sonst so verschwiegene Allianz-Chefaufseher hält eine bemerkenswerte Rede zur Lage der Corporate Governance. Beifall ist ihm sicher. Schulte-Noelle geißelt die gesetzliche Zwangspause beim Wechsel in den Aufsichtsrat, das Cooling-off, als „misstrauische Voreingenommenheit“ der Politik. Der Allianz-Vorstandsvorsitzende war 2003 direkt in den Chefsessel des Aufsichtsrats gewechselt. Das ist heute verboten.

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Doch die zweijährige Auszeit vor dem Einzug in den Aufsichtsrat des eigenen Unternehmens hat nicht nur Gegner. Henning Kagermann etwa hält Distanz zum eigenen Unternehmen durchaus für sinnvoll. Der Ex-Chef des Softwarekonzerns SAP räumt mit sympathischer Offenheit ein: „Da hängt bei mir zu viel Herzblut dran. Das kann ich nicht von einem auf den anderen Tag abstreifen.“

Kagermann ist kein Aufsichtsrat der SAP, Jürgen Hambrecht nicht bei seinem Ex-Arbeitgeber BASF. Trotzdem zählen beide zu den führenden Räten dieser Republik. Auch Paul Achleitner (Allianz) zählt zu der neuen Garde. Die braucht keine Posten bei ihren Unternehmen, um eine Karriere als Firmenkontrolleur zu starten.

Noch wird die Rangliste der mächtigsten Räte von Männern der alten Schule angeführt. Sowohl Gerhard Cromme als auch Clemens Börsig und Manfred Schneider sind Ex-Vorstände der Unternehmen, die sie heute unter anderem selbst kontrollieren. Sie wechselten zwar vor dem gesetzlichen Verbot, umstritten war das aber schon damals. Kritiker fürchten, dass zum Beispiel strategische Fehler von neuen Vorständen nicht korrigiert werden können, weil der „Alte“ ihnen als Aufsichtsrat auf die Finger sieht.

Jürgen Hambrecht „Offene und kritische Geister“

Jürgen Hambrecht war Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF. Jetzt zählt er zu den einflussreichsten Aufsichtsräten der Republik. Im Handelsblatt-Gespräch erklärt er, wie der ideale Aufsichtsrat aussehen muss.

Jürgen Hambrecht: „Offene und kritische Geister“

Die alte und die neue Aufseher-Generation unterscheidet noch etwas anderes. Mandate sind nicht ihr Leben. Kagermann und Hambrecht beispielsweise zeichnen sich durch hohes gesellschaftliches Engagement aus. Der Ex-SAP-Chef ist Acatech-Präsident und damit Regierungsbeauftragter für Technologie. Hambrecht ist mit großer Engagement für die Wissensfabrik unterwegs, einem bundesweiten Unternehmerverbund zur Förderung von Technik und Naturwissenschaft in den Schulen. Für Kagermann gibt es keine Alternative: „Wichtig für einen Aufsichtsrat ist es, auch andere Bereiche der Gesellschaft gesehen zu haben.“

Ganz in ihrem Beruf gehen Männer wie Manfred Schneider auf. Der ehemalige Bayer-Chef hält den Rekord mit drei Aufsichtsratsvorsitzen bei Bayer, Linde und RWE. Am gestrigen Mittwoch ist er 74 Jahre alt geworden. Kein Tag, um mit Gästen und Gratulanten seinen Rückzug zu diskutieren. Es ist aber sicher der Zeitpunkt für einen der mächtigsten Konzernkontrolleure der Republik, über den Generationswechsel nachzudenken.

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