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Gastkommentar: Warum der Druck auf Mitarbeiter steigt

Es gibt immer mehr Fälle von Stresskrankheiten wie Burnout. Viele Menschen erleben Druck durch kulturelle Entwurzelung in der globalen Gesellschaft.

Menschen stehen unter Druck. Mehr denn je, nach dem subjektiven Gefühl der meisten. Umfeld und Rahmenbedingungen sind herausfordernder geworden. Die alten Fertigkeiten, die gestern noch gut waren, reichen heute längst nicht mehr aus. Ganz gleich ob Jung oder Alt, Festangestellter oder Leiharbeiter, Mitarbeiter oder Führungskraft - unter Druck stehen dadurch alle gleichermaßen. Einer der Gründe: Mit fortschreitender Globalisierung findet eine Entwurzelung aus hergebrachten kulturellen Werten statt. Unser Denken, Fühlen und Handeln stimmt nicht mehr gänzlich mit der Wirklichkeit überein, die Schere zwischen Realität und persönlichem Empfinden geht immer weiter auseinander.

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Besonders in der globalisierten Arbeitswelt, in welcher viele Menschen in internationalen Teams arbeiten, sind sie dieser Wanderung zwischen mehreren Welten ständig ausgesetzt. Das Herausfordernde daran ist, dass jede dieser Welten über ihre eigenen kulturellen Werte verfügt, die tief im jeweiligen kollektiven Bewusstsein verankert sind. So liegen beispielsweise der amerikanischen Kultur Werte wie Unabhängigkeit, Individualismus und Freiheit zugrunde. Sie sind der Motor, der jeden amerikanischen Mitarbeiter motiviert, antreibt. Anders die deutsche Kultur: Sie hat ganz vorweg Sicherheit, Stabilität und Gruppenorientierung. Schon wenn diese beiden - sich doch durch gemeinsame westliche Prägung nahestehenden - unterschiedlichen Kulturen im Arbeitsleben aufeinanderprallen, schlagen die Wogen meist hoch. Umso mehr jedoch, wenn noch fremdere Kulturen, wie asiatische oder afrikanische, Einfluss auf uns ausüben.

Jede Veränderung enthält zunächst Unsicherheit. Ganz besonders, wenn dabei die eigenen Werte in Frage gestellt werden. Die zunehmende multikulturelle Vermischung von Wirtschaft und Gesellschaft führt derzeit dazu, dass viele Berufstätige sich entwurzelt fühlen - nicht nur internationale Mitarbeiter, sondern ganz besonders ihre deutschen Kollegen, da sich die tiefgreifenden Veränderungen schließlich in ihrem eigenen Land abspielen. Wenn aber im Arbeitsalltag - der für die meisten Menschen zehn, 14 oder gar 16 Stunden täglich in Anspruch nimmt - Werte nicht mehr gesättigt werden, gerät der Mensch in Panik. Er rennt im übertragenden Sinne. Er sucht nach Kompensation. Denn der Mensch kann weder Veränderungen aufhalten, noch die Veränderungsgeschwindigkeit beeinflussen.

Für das unternehmerische Wachstum ist es deshalb wichtig, die Unterschiede in internationalen Teams hinsichtlich Denken, Fühlen und Handeln transparent zu machen. Den Mitarbeitern Hilfestellung zu geben, aus der Vergleichs- und Bewertungsfalle aussteigen zu können. Die kulturellen Werte müssen für jeden Einzelnen irgendwo und irgendwann während des Arbeitstages einen Platz eingeräumt bekommen. Im USA-Deutschland-Fall wäre das ein bißchen Sicherheit, ein bißchen Veränderung. Ein bißchen Individualismus, ein bißchen Gemeinschaft. Dann werden die Mitarbeiter, und zwar alle, ihre Stärken gezielt einsetzen.

Für den einzelnen Mitarbeiter lohnen sich ganz perönlich die Fragen: Wo und wann kann ich meine kulturellen Werte stillen? Wo liegen meine Stärken? Wo habe ich den „Raum“,  meine zu jedem Veränderungs- beziehungsweise Loslassprozess gehörenden Gefühle, wie zum Beispiel Wut und Trauer, zu leben? Wo sind meine eigenen, inneren Grenzen und wie setze ich sie?

Es geht dabei um eine verinnerlichte, veränderte Haltung zu sich selbst und dem eigenen Lebensumfeld. Dies ist zweifelsohne der Grund, warum der Coachingmarkt boomt. Die Nachfrage nach Coaching ist weit mehr als ein Modetrend, soweit es verantwortlich und professionell betrieben wird. Coaching ist das Vehikel des 21. Jahrhunderts, da der Mensch zur Selbstreflexion hingeführt wird, durch die er sich neue Sichtweisen erarbeitet.

Sabine Mrazek

Internationaler Business Coach und Inhaberin von Sabeconsult Coaching

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