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Gefälschte Bilanzen: Satyam-Skandal erreicht Pricewaterhouse

Der Milliardenskandal um die gefälschten Bilanzen des indischen IT-Dienstleisters Satyam bringt nun auch die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Pricewaterhouse Coopers (PwC) in schwere Bedrängnis. Am Wochenende verhaftete die Polizei zwei Partner der indischen Tochter des US-Unternehmens wegen des Verdachts auf Beihilfe zu einer Straftat und Betrug.

von Helmut Hauschild

NEU-DELHI. Die beiden Pricewaterhouse-Partner Talluri Srinavas und S. Gopalakrishnan hatten die gefälschten Abschlüsse von Satyam testiert.

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Der indische PwC-Ableger Pricewaterhouse äußerte in einer schriftlichen Stellungnahme Unverständnis über die Verhaftung. Dem Unternehmen sei nicht bekannt, warum die beiden Partner verhaftet worden seien. Man sei schockiert über den Bilanzbetrug bei Satyam und habe in den vergangenen zwei Wochen voll mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet.

Der Betrugsskandal könnte für PwC, eine der vier großen internationalen Wirtschaftsprüfungsgesellschaften, auch in den USA strafrechtliche Folgen haben. Satyam ist an der New Yorker Börse gelistet. Die US-Börsenaufsicht SEC hat ebenfalls Ermittlungen wegen des Verdachts auf Betrug an den Aktionären aufgenommen. Vor sieben Jahren hatte der Bilanzbetrug bei dem US-Energiekonzern Enron zur Liquidation der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Arthur Andersen geführt.

Der Gründer und Chef von Satyam, Ramalinga Raju, hat Anfang Januar gestanden, die Bilanzen von Satyam jahrelang gefälscht zu haben. Unter anderem würden Bankguthaben in der Höhe von umgerechnet einer Mrd. Dollar nicht existieren. Raju, sein jüngerer Bruder und der Finanzchef des viertgrößten indischen IT-Dienstleisters mit Sitz in Hyderabad sind seitdem in Haft.

Pricewaterhouse hatte in den vergangenen sechs Jahren die Satyam-Abschlüsse überprüft und stets deren Richtigkeit testiert. Bereits vor einer Woche waren deshalb die Büros der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft durchsucht worden. Sie hat ihre Testate inzwischen zurückgezogen, zugleich aber erklärt, immer gesetzeskonform gehandelt zu haben.

Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft im indischen Bundesstaat Andhra Pradesh sind einige der Bankbelege über die Guthaben von Satyam gefälscht worden. Zudem seien 13 000 der angeblich 53 000 Mitarbeiter von Satyam nur vorgetäuscht worden, um illegal Geld aus dem Unternehmen abzuziehen. Die beiden verhafteten Bilanzprüfer wollen dies jahrelang nicht bemerkt haben. Sollten sie in den Betrug verwickelt sein, wäre dies der Super-Gau für Pricewaterhouse, die in Indien internationale Unternehmen wie Colgate-Palmolive und United Breweries prüfen.

Der von der indischen Regierung eingesetzte neue Verwaltungsrat von Satyam teilte am Wochenende mit, inzwischen genügend Kredite für die Auszahlung der Löhne erhalten zu haben. Das Unternehmen steckt seit Bekanntwerden des Betrugs in einer existenzbedrohenden Liquiditätsklemme. In dieser Woche will der Verwaltungsrat ein neues Management für Satyam berufen.

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