Köpfe

Bürdenträger ohne Macht

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Im Conti-Aufsichtsrat gab sich Georg gegenüber den störrischen Kontrolleuren noch Ende Januar forsch. „Wir wollen keinen Streit. Aber wir kommen auch nicht als Bittsteller“, sagt er laut Sitzungsteilnehmern. Einen Tag später wird bekannt, dass der Konzern um Staatshilfe ersucht. Laut Arbeitnehmervertretern droht der Schaeffler-Gruppe ohne Stütze die Insolvenz. Das Erbe wäre verspielt. Ein Schaeffler-Sprecher widerspricht dem „Insolvenzszenario“.

Der Junior hat ein schweres Erbe angetreten. Als Firmengründer Georg Schaeffler Mitte 1996 im Alter von 79 Jahren starb, trauerte in Franken eine ganze Region mit der Witwe Maria-Elisabeth und ihrem Sohn. Dem war die Bürde durchaus bewusst. Sein Vater habe sein Leben dem Unternehmen gewidmet, sagte Georg Schaeffler bei der Trauerfeier für seinen Vater. „Und dies erforderte von ihm und auch von anderen große persönliche Opfer. Dies allein gebietet, mit seinem Lebenswerk vorsichtig und bewusst umzugehen.“ Der einzige lebende Sohn – ein Bruder war bei einem tragischen Unfall ums Leben gekommen – war da noch zu jung und unerfahren, um die Führung des Konzerns zu übernehmen. Georg junior hatte nach dem Wirtschaftsstudium in St. Gallen von 1990 bis 1996 in verschiedenen Funktionen im Familienkonzern gearbeitet. Dann schob er ein Jura-Studium in North Carolina nach und arbeitete als Wirtschaftsanwalt in den USA.

Aus der Ferne spielte der Mann, der sein Privatleben abschirmt, bei der Führung des Konzerns eine untergeordnete Rolle. Bei seinen Gastauftritten in Herzogenaurach sei er anfangs großspurig aufgetreten und habe neoliberale Thesen vertreten, da habe die amerikanische Schule durchgeschlagen, sagt einer, der ihn oft beobachtet hat. Schaeffler habe sich aber stark entwickelt. „Er ist inzwischen selbstbewusster und strahlt eine ruhigere, überlegtere Art aus.“

Doch ganz ernst genommen als strategischer Weichensteller wird Schaeffler in Herzogenaurach nicht. So registrierte mancher Conti-Aufsichtsrat mit Erstaunen, wie Maria-Elisabeth Schaeffler und ihr Vertrauter Rolf Koerfer dem Nachwuchs im Kontrollgremium mehrmals über den Mund fuhren. Die Mutter, Koerfer und Vorstandschef Jürgen Geißinger gelten als die Pole der Macht.

Dennoch ist Georg Schaeffler in den letzten Monaten oft aus den USA zu Krisensitzungen eingeflogen. Es geht darum, wem der Traditionskonzern in Zukunft gehört: Wenn sie wollen, könnten die Banken ihre Kredite schon bald in Eigenkapital umwandeln. Derzeit durchforsten laut Branchenkreisen vier verschiedene Wirtschaftsprüfer die Bücher. Zunächst bestimmt aber der Staat über das Schicksal des Konzerns.

Bei der Debatte über die Rettung spielt auch der Wohnsitz Georg Schaefflers eine Rolle. Seine Anteile an der Gruppe hält er über ein Geflecht von US-Firmen. Seine Steuerstrategie richtet sich maßgeblich nach US-Gesetzen. Wenn das Autozuliefergeschäft von Schaeffler in die Conti AG eingebracht würde, müsste er US-Steuern zahlen, ohne Einnahmen zu erhalten. Als das Thema während der Aufsichtsratssitzung am 24. Januar bei Conti zur Sprache kommt, stöhnt Georg Schaeffler einmal mehr über mögliche US-Steuern, heißt es in Kreisen des Gremiums.

Auch politisch ist das Konstrukt heikel. Finanzminister Steinbrück müsste einem Konzern deutsches Steuergeld geben, dessen Haupteigner vor allem in den USA Steuern zahlt, sagt ein Branchenkenner.

Georg F.W. Schaeffler

1964 Er wird am 19. Oktober geboren. Nach dem Schulabschluss in Herzogenaurach arbeitet Georg F.W. Schaeffler zwei Jahre bei der Bundeswehr als Reserveoffizier der Luftwaffe.

1986 Er startet ein Wirtschaftsstudium an der Universität St. Gallen in der Schweiz, das er 1990 abschließt.

1990 Georg F. W. Schaeffler arbeitet in verschiedenen Funktionen in der Schaeffler-Gruppe in Deutschland und den USA.

1996 Er beginnt ein Jurastudium an der Duke University School of Law in Durham, North Carolina/USA. Er beendet es später mit dem kombinierten Abschluss Juris Doctor (cum laude) und dem Master of Laws in internationalem und vergleichendem Recht.

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2000 Er startet als Wirtschaftsanwalt in den USA. Schaeffler arbeitet heute in einer der größten Kanzleien im Südwesten der USA. Er hält als Gesellschafter 80 Prozent der Schaeffler-Gruppe in Herzogenaurach.

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