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Hochschulräte: Die unkontrollierte Macht der Manager an den Unis

Die neuen Hochschulräte, in denen auch viele Manager und Unternehmenschefs sitzen, sind hoch umstritten. Der Stifterverband verlangt nun eine Kontrolle der Kontrolleure und mehr Transparenz. Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer fordert jetzt sogar ein Verbot von Managern in den Räten.

Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Der Hochschulrat muss neutral sein." Quelle: dpa
Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer: "Der Hochschulrat muss neutral sein." Quelle: dpa

BERLIN. Seit einigen Jahren kontrollieren fast überall unabhängige Hochschulräte deutsche Hochschulen. Mit dabei ist die Elite der Deutschen Wirtschaft - Manager und Unternehmer stellen ein Drittel der Räte und die Mehrheit der Vorsitzenden. Dazu zählen etwa Daimler-Chef Dieter Zetsche (Uni Karlsruhe), Siemens-Chef Peter Löscher, BMW-Chef Norbert Reithofer, Quandt-Erbin Susanne Klatten (beide TU München) und Deutsche-Bank-Vorstand Hermann-Josef Lamberti (Uni Köln).

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Ex-Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer jedoch findet das Engagement zumindest der Topmanager alles andere als ideal: "Wenn ich noch Aufsichtsratchef wäre, würde ich den Vorständen die Mitgliedschaft in Hochschulräten verbieten". Sie hätten schlicht nicht die Zeit dazu. Breuer selbst führt den Hochschulrat der Goethe-Uni Frankfurt - und widmet diesem Amt "rund drei Monate Arbeitszeit im Jahr".

Als Beleg könnte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger gelten: Zumindest den Studenten der FU Berlin ist unangenehm aufgefallen, dass dieser Hochschulrat nicht an jeder Sitzung teilnimmt.

Doch die Arbeitsbelastung ist nur ein Aspekt der heftigen Diskussion. Die große Macht der Hochschulräte, die in vielen Ländern über die Strategie der Hochschule entscheiden und vielfach auch Präsidenten berufen und kontrollieren - hat vielerorts zu großem Unmut und Misstrauen geführt. So wetterte die neue NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) im Wahlkampf gegen die "Privatisierung der Hochschulen".

Um die Praxis und so auch den Ruf der Räte zu verbessern hat das Centrum für Hochschulforschung im Auftrag von Stifterverband und die Heinz Nixdorf-Stiftung ein Handbuch vorgelegt: Unverzichtbar ist danach - analog zu Aufsichtsräten - eine "Kontrolle der Kontrolleure" durch mehr Transparenz und eine Rechenschaftspflicht, sagte Autor Frank Ziegele bei der Vorstellung. Das verlangt bisher kein einziges Hochschul-Landesgesetz.

Auch müssten Hochschulräte im Zweifel auch abgesetzt werden können - was etwa in NRW gar nicht vorgesehen ist. "Hier geht die Autonomie zu weit", meint die Berliner Ex-Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD), die den Hochschulrat in Bielefeld führt.

Hochschulräte dürften auch nicht wie vielfach in den USA als Fundraising-Clubs agieren, warnt der Generalsekretär des Stifterverbandes, Andreas Schlüter. Bei der Auswahl der Räte müssen man sich "an Habermas und nicht an Harvard orientieren". Wenn etwa die TU München von BMW und Siemens zweistellige Millionenbeträge bekommt, müsse das über das Fundraising abgewickelt werden, "der Hochschulrat muss neutral sein", meint Breuer.

  • 13.09.2010, 23:31 UhrKai

    Da weiß der Herr nicht, von wem er entlastet werden soll, wenn die Hochschule autonom bleiben will...
    Schon mal an die Mitglieder der Hochschulen gedacht?
    Aber von demokratischen Hochschulen wollen diese "Lenker" nichts Wissen. Diese neuen Strukturen stinken zum Himmel - und das fällt nun endlich auch mal den Hochschulräten selber auf. Nur ziehen sie nicht die richtigen Schlüsse!

  • 10.09.2010, 16:56 UhrMariana Mayer

    Und nicht zu vergessen ist: Diese Manager sind alle selber Absolventen von Hochschulen und dort ausgebildet worden.

    Sie repräsentieren somit gleichfalls die Ausbildung. Ein System in sich selbst geschlossen.

  • 10.09.2010, 14:26 Uhrcsp

    Der Artikel ist ja ganz interessant, aber gibt es beim Handelsblatt niemanden, der vor der Veröffentlichung zumindest einmal gegenliest? in einem professionellen Artikel habe ich selten so viele Rechtschreibfehler gesehen, die zumindest mich teilweise vom inhalt ablenkten. Schade eigentlich...

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