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Interview mit dm-Chef Götz W. Werner: „Jeder ist ersetzbar“

Götz W. Werner ist Gründer der Drogeriekette dm. Zur Philosophie des von der Anthroposophie geprägten Autodidakten gehört es, seine Mitarbeiter als Unternehmer zu begreifen und ihr Bewusstsein dafür zu schärfen, im Sinne der gesamten Firma zu handeln. Mit dem Handeslblatt sprach er über den Vorteil, keinen Uni-Abschluss zu haben und wozu Fehler seiner Mitarbeiter nützlich sind.

von Marc Winkelmann
Ohne Abitur und ohne Uni-Abschluss hat Götz W. Werner dm aufgebaut. Heute lehrt er an der Uni Karlsruhe. Foto: AP Quelle: ap
Ohne Abitur und ohne Uni-Abschluss hat Götz W. Werner dm aufgebaut. Heute lehrt er an der Uni Karlsruhe. Foto: AP Quelle: ap

Herr Werner, Sie sind vor einem Monat von der Geschäftsführung in den Aufsichtsrat gewechselt. Freuen Sie sich über die gewonnene Freizeit?
Freuen wäre falsch ausgedrückt. Den Wechsel in den Aufsichtsrat habe ich lange geplant, damit die Kollegen zu einem passenden Zeitpunkt übernehmen können. Ich stand vorher ja schon nicht mehr an der vordersten Front, der 16. Mai war jetzt der formale Abschied. Auf den habe ich in den vergangenen fünf Jahren hingearbeitet.

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Vielen Unternehmern fällt der Rückzug schwer.
Ich habe immer die Meinung vertreten, dass jeder zu ersetzen ist. Die Umsetzung dieses Prinzips setzt aber eine große Transparenz im gesamten Unternehmen voraus. Jeder muss jederzeit wissen, was und warum etwas passiert. Der Einzelne muss im Sinne des Ganzen intelligent handeln können, darum geht es.

Ihre Transparenz geht recht weit: Die Manager legen ihre Gehälter in gemeinsamen Gesprächen fest.
Ja, ein geheimes Gehaltssystem hat es bei uns nie gegeben. Aber wissen Sie, viele Leute interessiert das gar nicht. Wenn etwas transparent ist, ist es oft gar kein so großes Thema.

Kennen die Kollegen auch Ihr Gehalt?
Ich weiß es nicht, gefragt hat mich noch niemand. Aber sie könnten es ohne Probleme rauskriegen.

Zu Ihrer Philosophie gehört es, den Mitarbeitern viel Vertrauen entgegenzubringen. Demnach müsste es für Sie ganz einfach gewesen sein, das Geschäft abzugeben.
Ja, das ist wahr. Aber ich habe mich ja nicht ganz zurückgezogen. Ich schaue jetzt aus einer leicht veränderten Perspektive. Ich bin nach wie vor Gründer und Gesellschafter desUnternehmens, ich werde ein waches Auge auf das Geschäft haben und vermehrt Filialen besuchen. Das macht richtig Spaß, und die Leute freuen sich. In welchem Unternehmen können Sie noch dem Gründer und Inhaber die Hand schütteln?

Es wird viel über Bildung diskutiert, über den Pisa-Test, über die Qualität von Unis. Sie haben weder Abitur noch einen Uni-Abschluss. Haben Sie sich deswegen je benachteiligt gefühlt?
Jeder Weg hat Vor- und Nachteile. Ich bin Autodidakt, meine Führerscheinprüfung war meine letzte Prüfung, und ich werde wahrscheinlich auch keine mehr ablegen. Das hat den großen Vorteil, dass ich durch nichts gefangen bin in meinen Vorstellungen. Dadurch bin ich ein offener Mensch. Wenn ich etwas Neues mache, schaue ich nicht auf das, was ich mal gelernt habe, sondern einzig, wie die Situation ist.

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