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Jérôme Kerviel: Wahnsinniger, Terrorist, Genie?

Der französische Börsenhändler Jérôme Kerviel muss sich für milliardenhohe Spekulationsverluste verantworten. Er sieht sich als Opfer eines durchgedrehten Systems. Bislang geht jedoch seine Strategie vor Gericht, der Bank die Verantwortung zuzuschieben, nicht ganz auf.

Jérôme Kerviel: Der Ex-Börsenhändler steht seit Anfang dieser Woche vor Gericht . Quelle: ap
Jérôme Kerviel: Der Ex-Börsenhändler steht seit Anfang dieser Woche vor Gericht . Quelle: ap

PARIS. Jérôme Kerviel senkt den Blick auf den Boden. Mit gefalteten Händen steht er in seinem eleganten hellgrauen Anzug nur gut einen Meter vor der mächtigen Holzbalustrade, auf der Richter Dominique Pauthe thront und ihm die Klagepunkte vorliest. "Untreue, Fälschung und Eindringen in ein Computersystem", listet Pauthe auf. Kerviel steht da wie ein Schuljunge, der von seinem Lehrer eine Standpauke bekommt.

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Kerviel antwortet mit leiser Stimme, als ob er seine Antworten verstecken will. "Ich arbeite derzeit im Bereich Informatik", flüstert er ins Mikrofon. "Lauter, das ist hier ein öffentlicher Prozess", mault ein Journalist von der Zuschauerbank. Er wischt sich mit der Hand den Schweiß von der Stirn.

Seit Anfang der Woche steht der 33-jährige Ex-Trader Jérôme Kerviel vor Gericht. Er hatte mit unerlaubten Aktienwetten der Société Générale vor zwei Jahren einen Verlust von 4,9 Mrd. Euro eingebracht. Wie war das möglich? Ist Kerviel alleine verantwortlich, oder trägt die Bank Mitschuld, wie er behauptet? Doch zu Prozessauftakt stand eine andere Frage im Mittelpunkt: "Wer sind Sie, Monsieur Kerviel?" fragte Richter Pauthe.

Aufgewachsen in behüteten Verhältnissen

Ein Wahnsinniger? Ein "Terrorist", wie ihn Ex-Bank-Chef Daniel Bouton einmal bezeichnete? "Ein Genie", wie sein Anwalt meint? "Absolut nicht", antwortet Kerviel mit fester Stimme auf diese Frage. Der Prozessauftakt lässt den Schluss zu, dass der Sohn einer bretonischen Friseursalon-Besitzerin ein ehrgeiziger Aufsteiger ist, der seinem Umfeld und sich selbst etwas beweisen wollte - und irgendwann die Kurve nicht mehr bekam. Jérôme Kerviel hatte sich seinen Platz im Handelssaal der Société Générale mühsam erarbeitet. "Ich habe mich schon immer für Wirtschaft interessiert", erzählt er dem Gericht. Aufgewachsen ist er in behüteten, bürgerlichen Verhältnissen in der bretonischen Provinz, im Dorf Pont-l?Abbé, einer 8000- Seelen-Gemeinde.

Jérôme war ein guter Schüler und der beste in Mathe in seiner Klasse. Er studierte Wirtschaft an der Uni in Quimper und machte einen Abschluss in Finanzen in Lyon im Jahr 2000. Nach zwei Praktika - eines bei BNP Arbitrage, eines bei der Société Générale - stellt ihn Letztere direkt nach dem Abschluss ein. "Die Bank hat sich stets bei den Besten eines Jahrgangs bedient", erklärt Kerviel dem Richter trocken. Er wird aber nicht sofort Trader, sondern arbeitet zunächst im Middle-Office, das die Händler bei ihrer Arbeit unterstützt.

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