
DÜSSELDORF. Die Lebensleistung ist wahrlich beeindruckend: Bis ins hohe Alter von 104 Jahren leitet Paul Otto Schlueter die von ihm im feinen Düsseldorfer Stadtteil Oberkassel gegründeten Schlueterwerke, den Hersteller des weltbekannten Produkts Schlueter. Der Selfmade-Unternehmer erobert schon früh den japanischen Markt, was er anfasst, wird ein Erfolg - bis auf die Filmkarriere: Schlueters Hasenohren stören die Regisseure. Denn Schlueter ist ein knapp zwei Meter großer Hase.
Das ist natürlich hanebüchener Unsinn der höheren Art. Entsprungen ist der Hasen-Unternehmer der blühenden Fantasie von Jürgen Kluge, einem der einflussreichsten deutschen Manager, Berater der Kanzlerin, ehemaliger McKinsey-Deutschland-Chef, Leiter der milliardenschweren Familienholding Haniel, Aufsichtsratschef von Metro.
Nebenbei hat Kluge Zeit für historische Studien der abwegigen Richtung. Unter der Internetadresse schlueterwerke.com inszeniert er ein Unternehmen, das es nicht gibt, genauso wenig natürlich wie dessen hasenfüßigen Gründer. Die Unternehmerbiografie, die jeden Berater vor Ehrfurcht erbleichen lassen muss, strotzt von geschichtlichen Anspielungen: Schlueters Freundschaft mit der Schauspielerin Greta Garbo, die Schwärmerei für Mata Hari, die Firmengründung am Reichs-Feiertag Sedanstag.
Doch für Eingeweihte erkennbar: die Parallelen zu Kluges Biografie. So verbindet Schlueter und Kluge die Liebe zum Düsseldorfer Automobil- und Motorsportclub 05, gegründet im selben Jahr wie die Schlueterwerke. Hat Kluge also trotz seiner zahlreichen Aufgaben zu viel Zeit, dass er zu Schabernack im Netz neigt? Eher nicht: Seine Web-Site ist eine reine Liebeserklärung an das Automobil - oder besser: die Oldtimer. Im Internet präsentiert er unaufdringlich sein kostspieligstes Hobby. Dabei geht es ihm nicht darum, die Fahrzeuge anzupreisen oder gar zu verkaufen, sondern sie von den schönsten Seiten zu zeigen. Die fiktive Rennabteilung ist mit einem Mercedes 300 SL mit Flügeltüren aus dem Jahr 1955 unterwegs, mit einem Mercedes 300 SL Roadster und dem ersten Serienmodell aus dem Hause Porsche, dem 356A Carrera GS. Da finden sich dann Textpassagen wie diese: "Unser Mercedes Benz 300 SL verkörpert mit seinem zeitlosen, einzigartigen Design ewige automobile Jugend. Basierend auf dem im Rennsport überaus erfolgreichen 300 SL und dem 6-Zylinder-Motor des ,Adenauer-Mercedes?, verzichtet die Fahrmaschine auf Luxus und punktet durch ihre Extravaganz - sichtbar in den markanten Flügeltüren."