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Klaus Trzeschan: Der Spion mit den vielen Gesichtern

Der Hauptangeklagte in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom zeigt zwei Gesichter. Der äußerlich unscheinbare Mann war offenbar zugleich dienstbeflissener Beamter und dreister Betrüger. Im Prozess will er nun reden – womöglich ist er nicht mehr bereit, die Schuld allein auf sich zu laden.

Klaus Trzeschan ist der Hauptangeklagte in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom. Quelle: APN
Klaus Trzeschan ist der Hauptangeklagte in der Spitzelaffäre der Deutschen Telekom. Quelle: APN

DÜSSELDORF. Klaus Trzeschan sieht nicht so aus, wie man sich einen Spion vorstellt. Die dicke, randlose Brille lässt seine Augen hervortreten, die blonden Haare liegen wie ein weicher Flaum auf dem Kopf. Er trägt am liebsten Jeans und Polohemd und trinkt Apfelschorle.

Dieser unscheinbare Mann steht im Zentrum eines der größten Wirtschaftsskandale. Als Abteilungsleiter Konzernsicherheit der Deutschen Telekom hat er nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft in den Jahren 2005 und 2006 Telefongespräche von zig Journalisten und Aufsichtsräten ausspioniert.

Sein Auftrag war, diejenigen im Unternehmen zu finden, die vertrauliche Informationen an die Presse weiterleiteten. Seine Auftraggeber: der damalige Vorstandschef Kai-Uwe Ricke und Ex-Aufsichtsratchef Klaus Zumwinkel. Unklar ist, ob sie von den illegalen Methoden wussten, die Trzeschan anwendete. Die beiden Manager bestreiten das.

Trzeschan hat dazu bislang geschwiegen. In dem Prozess, der heute beginnt, will er reden. Wer ist der Mann, an dessen Aussagen die Schicksale der früheren Telekom-Spitze hängen könnten?

Er war davon überzeugt, dem Konzern helfen zu müssen

Trzeschan hat viele Gesichter. Auf der einen Seite ist er der loyale Beamte, Fernmeldeoberamtsrat, und seit über 40 Jahren bei Post und Telekom beschäftigt.

Ricke habe er verehrt, heißt es aus dem Trzeschan-Umfeld. Als der damalige Telekom-Chef ihm den Auftrag erteilt, undichte Stellen zu finden, legt der Sicherheitsmann los – voller Überzeugung, den Konzern vor Schaden schützen zu müssen.

Trzeschan gilt als Mann für heikle Fälle und hat sich oft bewährt. Allerdings provozierte sein mitunter eigenmächtiges Handeln auch Ärger. Sein damaliger Vorgesetzter mahnt ihn im Juni 2006 ab, weil er trotz Ausgabensperre eine Detektei engagiert.

Das andere Gesicht des Klaus Trzeschan ist das des mutmaßlichen Betrügers. 180 000 Euro will er einem Maulwurf gezahlt haben, den er in die Redaktion des Nachrichtenmagazins „Capital“ eingeschleust habe. Bis heute ist unklar, ob es diesen Spitzel je gab. Das Geld aber ist verschwunden, ebenso wie weitere 175 000 Euro Firmengelder, von denen die Staatsanwaltschaft glaubt, Trzeschan habe sie ebenfalls für sich abgezweigt. „Das trifft nicht zu“, sagt indes Trzeschans Verteidiger.

Wegen des Untreue-Vorwurfs saß der heute 60-jährige Trzeschan bereits vier Monate in Haft. Über die Telefondaten geredet hat er trotzdem nicht. „Der kann extrem stur sein“, sagt ein ehemaliger Kollege.

Direkter Draht zu Zumwinkel

Gleichzeitig sei er auch ein Angeber und eine Plaudertasche. So hat er während der Schnüffelaktion offenbar vor seinen Kollegen damit geprahlt, wenn er einen Termin beim obersten Chef, Zumwinkel, hatte.

Der direkte Draht zahlt sich aus. Als die Spitzelei ans Licht kommt, drängt Zumwinkel den neuen Konzernchef René Obermann, Trzeschan nicht allzu hart anzupacken. Das Disziplinarverfahren gegen den Ermittler endet mit der mildesten Strafe, einem Verweis.

Dass der janusköpfige Beamte nun doch aussagen will, liegt nach Einschätzung von Ermittlern daran, dass das Gericht den Untreuevorwurf in gleich drei Fällen zugelassen hat. Die Ankläger werten auch Rechnungen über 680 000 Euro, die Trzeschan einem Dienstleister für die Auswertung der Telefondaten zahlte, als veruntreute Gelder, weil der Auftrag rechtswidrig und damit nichtig gewesen sei. Trzeschan drohen damit mehrere Jahre Haft. Deshalb sei er womöglich nicht mehr bereit, die Schuld allein auf sich zu laden, heißt es.