
FRANKFURT. Es geht für ihn um nichts weniger als um sein Lebenswerk. Vor 27 Jahren hat Ulrich Marseille die gleichnamige Klinikkette gegründet und seitdem zu einem führenden Pflegeanbieter in Deutschland ausgebaut. 2002 übergab er die Führung des börsennotierten Unternehmens an Axel Hölzer. Doch im vergangenen Jahr kam es zum Zerwürfnis, als sich Marseille-Kliniken nach einem wirtschaftlich schwierigen Jahr von der Reha-Sparte trennte: Hölzer legte sein Amt als Vorstandschef und Finanzvorstand am 5. März nieder - offiziell aus Krankheitsgründen. Und kam wohl nur dem Rauswurf durch Aufsichtsratschef Marseille zuvor, der seitdem das Unternehmen wieder operativ führt. Die heutige Hauptversammlung will der Großaktionär nun nutzen, um öffentlichkeitswirksam Hölzer die Entlastung zu verweigern. Marseille hält zusammen mit seiner Frau knapp 60 Prozent der Anteile.
Für den 55-jährigen Marseille ist die Nichtentlastung aber auch ein wichtiger Schritt, will er Schadensersatzforderungen an Hölzer beziehungsweise dessen Haftpflichtversicherung stellen. Dabei geht es um eine Summe von insgesamt 12,5 Millionen Euro - viel Geld für einen Konzern, der mit einem hohen Schuldenberg zu kämpfen hat und das vergangene Geschäftsjahr mit einem negativen Cash-Flow abschloss. "Herr Hölzer hat eine Reihe von Alleingängen gemacht, worüber der Aufsichtsrat erst spät oder falsch informiert worden ist", begründet Marseille seinen Schritt gegenüber dem Handelsblatt.
Marseille - gepflegte Erscheinung, im Gespräch hanseatisch-charmant - ist ein streitbarer Mensch. Davon zeugen nicht nur diverse Gerichtsverfahren. Das sagen auch Menschen, die mit ihm in unterschiedlichen Bereichen zusammengearbeitet haben. Und er ist umstritten: 2001 trat er der rechtspopulistischen Schill-Partei bei und war deren Spitzenkandidat bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt 2002. Vor eineinhalb Jahren wurde Marseille zudem vom Landgericht Halle wegen des Versuchs der Anstiftung zur Falschaussage zu einer Bewährungsstrafe und der Zahlung von sechs Millionen Euro verurteilt. Er soll versucht haben, mit einem Drohbrief das Aussageverhalten eines Zeugen in einem Schadensersatzprozess zu beeinflussen.
Jetzt geht Marseille gegen seinen ehemaligen Vorstandschef vor. Einen Fehler habe der beispielsweise beim Verkauf der Reha-Kliniken 2009/2010 gemacht, wirft Marseille ihm vor: Die ursprünglich interessierte Firma Waterland soll Marseille-Kliniken nach dem geplatzten Deal Kosten in Rechnung gestellt haben, weil "Herr Hölzer bestimmte Kennzahlen falsch dargestellt hatte", sagt Marseille. Der Schaden betrage 600 000 Euro.
bei einigen Unternehmen kann man sich angesichts des Verhaltens der Mehrheitseigentümer / Vorstandsmitglieder nur Fragen warum sie die Rechtsform der AG gewählt haben und an der börse notiert sein wollen?
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