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Middelhoff-Prozess: Die Demontage des Beklagten Thomas M.

Sieben Stunden verbrachte Thomas Middelhoff am Donnerstag im Gerichtssaal in Essen. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von Arcandor muss sich gegen den Vorwurf wehren, er habe durch Falschinformation über die Lage des Konzerns einen Aktionär geschädigt. Ausgerechnet sein eigener Sprecher sagte gegen ihn aus.

Middelhoff während des Prozesses in Essen. Quelle: DAPD
Middelhoff während des Prozesses in Essen. Quelle: DAPD

ESSEN. Wie versteinert saß Thomas Middelhoff am späten Donnerstagnachmittag auf seinem Stuhl in Saal 201 des Landgerichts Essen und starrte auf den Zeugen, den er selbst gerufen hatte. Jahrelang musste Jörg Howe sagen, was der ehemalige Arcandor-Chef Middelhoff ihn sagen lassen wollte. Doch jetzt, keine zwei Meter von ihm entfernt, saß sein damaliger Sprecher und legte ein Beweisstück nach dem anderen vor, das Middelhoff schwer belastete.

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Der ehemalige Arcandor-Chef war nach Essen gekommen, um seinen Ruf zu verteidigen. Ein Aktionär hatte ihm vorgeworfen, in den bewegten Septembertagen des Jahres 2008 wissentlich die Unwahrheit verbreitet zu haben. Arcandor kämpfte damals um seine Refinanzierung, die Zeichen standen auf Untergang. Doch Middelhoff sagte in einem Interview am 22. September 2008, der Konzern werde die Krise meistern – und zwar ohne die Kapitalerhöhung, über die seit Tagen spekuliert worden war.

„Das ist völliger Quatsch. Eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant“, sagte Middelhoff in dem Interview. Sein Sprecher Jörg Howe wiederholte zwischen dem 22. und 24. September immer wieder, die Ertragsperle Thomas Cook bleibe bei Arcandor. Wörtlich: „Thomas Cook ist nach wie vor Teil des Konzerns und wird es auch bleiben. Wir verkaufen Cook nicht.“

Beide Aussagen waren klare Signale für den Aktienkurs. Ohne Kapitalerhöhung würde die Aktie nicht verwässert, ohne Verkauf von Thomas Cook bliebe Arcandor wesentlich werthaltiger.

Der Aktionär, Jan-Eric Peters, der damals die Axel Springer Akademie leitete und heute Chefredakteur der Welt-Gruppe ist, kaufte am 22. und 23. September für 220 000 Euro Arcandor-Aktien. Am Abend des 24. September aber gab Arcandor eine Börsenmitteilung heraus, in dem der Verkauf von Thomas Cook plötzlich doch als Option genannt wurde. Fünf Tage später gab es auch noch eine Kapitalerhöhung. Die Arcandor-Aktie stürzte ab, Peters machte einen Verlust von mehr als 50 000 Euro. Dafür macht er nun die Öffentlichkeitsarbeit von Middelhoff verantwortlich. In seiner Klageschrift ist von „vorsätzlicher sittenwidriger Schädigung“ die Rede.

Der Arcandor-Chef freilich will von alledem nichts wissen. „Alles, was ich gesagt habe, war richtig“, sagte Middelhoff dem Gericht. Die Kapitalerhöhung, die am 29. September durchgeführt wurde, sei erst einen Tag zuvor erstmals besprochen worden. Es habe sich im übrigen auch um gar keine „richtige“ Kapitalerhöhung gehandelt, sondern um eine Kapitalerhöhung mit nur einem Beteiligten – nämlich der Bank Sal. Oppenheim. Und dass sein Sprecher Howe wenige Stunden vor der gegenteiligen Börsenmitteilung noch behauptete, Thomas Cook werde nicht verkauft, sei nicht abgesprochen gewesen. Middelhoff: „Das hat mich überrascht.“

  • 10.03.2011, 10:21 UhrAnonymer Benutzer: malumba

    Der Herr Middelhoff muss noch etwas mehr Gel auftragen und einen sympatischen,offenen Gesichtsausdruck üben!
    Was der Herr bis jetzt gezeigt hat, ist ja nicht schlecht,
    kann aber doch nicht ganz einige "Unebenheiten" des Herrn verdecken. Nix für ungut,gell?

  • 21.01.2011, 13:50 UhrAnonymer Benutzer: Müller-Koppelberg

    Wann schafft es endlich mal ein deutsches Gericht, einen der schlechtesten Manager deutscher Wirtschaftsunternehmen für seine "Wundertaten" zur Rechenschaft zu ziehen. Es ist ja nicht nur die bewusst falsche Darstellung zur wirtschaftlichen Situation des Arcandor-Konzerns; es gibt da ja immer noch der ungeklärte Verbleib der "Vermittlungsprovision" in Höhe von 2 Mio. Euro für den immobilienverkauf an einen englischen Hedgefonds -nur da hört man leider auch nicht mehr von-. Es ist eine Schande für die deutsche Wirtschaft, daß es solche Typen wie Herr Middelhoff es bis in die Vorstände deutscher DAX-Unternehmen schaffen. Der Einzige, der "die Qualitäten" von Herrn Middelhoff wohl richtig erkannt hat, war wohl Herr Mohn von bertelsmann, der ihn fristlos entlassen hat; aber das hat beim ehemaligen, altehrwürdigen bankhaus Oppenheim wohl niemanden gestört -und ihn zum Vostandsvorsitzenden bei Frau Schickedanz zu machen- mit den nunmehr bekannten Folgen.
    W. Müller-Koppelberg
    W. Müller-Koppelberg

  • 10.01.2011, 15:56 UhrAnonymer Benutzer: von Stillfried

    biG T hat leider niemals ein Unrechtsbewusstsein
    entwickelt, er wurde für seine 'Dienste' überall
    fürstlich entlohnt. Es wäre ein Novum und für unsere
    Rechtskultur sehr förderlich, wenn dieser eitle Dampfplauderer, ein ohne eigenes Risiko und immer zu Lasten anderer agrierende Emporkömmling, verurteilt würde. ich fürchte aber, daß er auch diesmal wieder davon kommt, da sich eine Schadensersatzklage gegen den Ausfsichtsrat oder
    SalOppenheim richten müsste.

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