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Mitteilung per Todesanzeige: Aldi-Erbe Berthold Albrecht gestorben

Einer der Erben des Discount-Imperiums Aldi ist verstorben. Berthold Albrecht, Sohn des bereits 2010 gestorbenen Mitgründers Theo Albrecht, wurde 58 Jahre alt.

In Todesanzeigen teilten Aldi und die Familie Albrecht den Tod im Dezember mit. Die Beerdigung hatte bereits im November stattgefunden.
In Todesanzeigen teilten Aldi und die Familie Albrecht den Tod im Dezember mit. Die Beerdigung hatte bereits im November stattgefunden.

BerlinDen Essener Discounter Aldi Nord trifft erneut ein Todesfall in der Gründerfamilie. Nachdem am 24. Juli 2010 Firmenpatriarch Theo Albrecht im Alter von 88 Jahren gestorben war, betrauert die Familie nun auch dessen Sohn Berthold. Schon im November fand seine Beerdigung, wie jetzt bekannt wurde, im engsten Freundes- und Familienkreis statt.

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Der 58-Jährige war neben seinem drei Jahre älteren Bruder Theo junior Mitglied im fünfköpfigen Verwaltungsrat, dem operativen Führungsgremium des Lebensmittelhändlers. Zudem weist ihn die Todesanzeige als Vorsitzenden der Familienstiftung Markus aus – die Eigentümerin von Aldi Nord ist. Nach dem Tod des Vaters hatte dort zunächst Witwe Cäcilia Albrecht, 84, die Leitung übernommen.

Wie Aldi groß wurde

  • Die Idee

    Wer hatte eigentlich die Idee Aldi so zu gründen, wie wir es heute kennen? Es wird wohl nie endgültig zu klären sein. Aber viele Indizien deuten darauf hin, dass es eher Karl Albrecht war als sein Bruder Theo. Das soll aber nicht schmälern, welch wichtigen Beitrag auch Letzterer beitrug.

  • Wiege im Hinterstübchen

    Der Krieg war aus. 1946 im zerbombten Essen-Schonnebeck begann die Erfolgsgeschichte zwischen Lebensmittelkartons und Krämerware. Das Brüderpaar Karl und Theo Albrecht erkannte die Chance, die die Phase der sozialen Umorientierung bot. Sie bauten den Tante-Emma-Laden der Eltern aus.

  • Es reicht nicht

    Karl und Theo Albrecht erkannten rasch, dass der Laden der Eltern ihnen beiden keine Zukunftsaussicht bot. Sie entdeckten die betriebswirtschaftliche Zauberformel der Zeit „Nachfrage versus Bedarfsdeckung“ für sich und schafften es, sie im Sinne des Kunden zu lösen.

  • Das geniale Gespann

    Karl und Theo Albrecht lebten  die Anforderungen der damaligen Zeit in perfekter Symbiose. Sie hatten weder äußerlich viel gemeinsam noch waren sie ähnlich gepolt. Theo überragte seinen Bruder um Kopfeslänge. Doch der „Kleinere“ war Vordenker und Impulsgeber. Ungeduldig, beredt, rastlos, bisweilen explosiv war Karl. Theo wirkte dagegen eher zurückhaltend, sogar zögerlich abwägend.

  • Die Aufgabenteilung

    Die beiden Brüder waren in ihrer uniformen Arbeitsauffassung füreinander ein Glücksfall. Von vornherein waren die Aufgaben geteilt: Karl versah den Innen-, Theo den Außendienst. Sprich: Karl kümmerte sich um die schwierige Einkaufspolitik. Es war nicht einfach, die richtige Ware preiswert und in ausreichende Menge zu erhalten. Theo betreute die Verkaufsstellen sowie die Verwaltung und Buchhaltung.

  • Der Aufstieg

    1946 begann es mit dem kleinen Laden der Eltern. 1950 nannten die beiden Brüder eine Kette von 13 Läden inklusive Bedienungen ihr Eigen. Nun strukturierten sie ihre Läden nach dem Discountprinzip um. 1961 trennten sie ihre Geschäfte in Aldi Nord und Aldi Süd.

  • Die Lebensweise der Brüder

    Zur moralischen Stabilität ihrer Konzerne trug maßgeblich die persönliche Lebensweise der Brüder bei. Beide waren im Auftreten zurückhaltend und lebten bescheiden. Sie waren nach alter Schule nach den Prinzipien Sparsamkeit und Kargheit erzogen.

  • Der einzige Luxus

    Als einzigen „Luxus“ erlaubten sie sich ein eigenes Auto. Auf sein Golfschloss in Donaueschingen schickte Karl Albrecht seine Führungskräfte zum Entspannen. Die Brüder kannten keine Scheu vor ihrer kleinbürgerlichen Herkunft. Die Adresse Huestraße 89 in Essen-Schonnebeck wollten sie nie abstreifen. Sie waren stets praktizierende Katholiken und wollten in der Öffentlichkeit so wenig wie möglich wahrgenommen werden.

  • In dubio pro Theo

    Theo Albrecht hatte eine Marotte: Er wollte jede Filiale sehen, bevor die zentrale Schreinerei an die Fertigung der Regale und Einrichtungsteile ging. Dabei kümmerte den Hobbyarchitekten die Delegation von Aufgaben zur eigenverantwortlichen Erledigung nur bedingt. Es galt: In dubio pro Theo.

  • Strategische Grundsatzentscheidung

    Es gab durchaus Spannungen zwischen Theo und Karl Albrecht. Besonders deutlich wurde das beim ersten Schritt über die Grenzen Deutschlands. 1971 expandierte Aldi nach Österreich. Karl war es, der die Familie als erster international aufstellte. Heute firmiert Aldi Nord in Österreich übrigens unter dem Namen „Hofer“.

  • Die Aldi-Burka

    Verschwiegenheit war stets Trumpf im Hause Albrecht. Aldi lässt sich partout nicht in die Karten schauen. Die totale Verschleierung aller Kulissen ist institutionalisiert. So wenig undichte Stellen wie möglich, lautet die Devise.

  • Selbstverordnete Kasteiung

    Die Brüder gaben sich Maßregeln, die zu unverrückbaren internen Prinzipien wurden: Keine Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Keine Firmensprecher. Keine Interviews im Radio oder Fernsehen. Keinerlei mondäner Lifestyle. Keine Lobbyarbeit. Keine Firmenjubiläen. Lückenlose Rückgabe von Werbegeschenken.

  • Zurückhaltung aus gutem Grund

    Die Zurückhaltung hatte einen guten Grund: Abgucker und Schmarotzer sollte keine Gelegenheit  zur Einsicht in Interna haben. Die innovative Discount-Struktur war eine zarte Pflanze und schutzbedürftig. Das neue Konzept musste sich in Ruhe verfestigen. Erfahrungen waren Gold wert.

  • Der Verwaltungsrat

    Aldis Verwaltungsrat ist ein frei schwebendes Organ. Gesellschaftsrechtlich ist es nirgendwo in den Statuten eingebunden. Seine Mitglieder haben freiberuflichen Status, sind aber dennoch die „Macher“: Der Verwaltungsrat ist das zentrale Machtorgan des Konzerns. Aldi steht seit jeher zu seinem Führungssystem, dass sich mit dem Wort Durchgriffs-Management am besten umschreiben lässt. Der Verwaltungsrat hat den Alleinführungsanspruch.

  • Der Mustermitarbeiter

    Aldi stellte stets besondere Anforderungen an seine Mitarbeiter und richtet seine Personalsuche darauf ab. Vorstellungsgespräche sind exzessiv angelegt, manchmal über mehrere Sitzungen. Man lotet die charakterlichen und sozialen Hintergründe des Bewerbers genau aus. Personalvermittlungen kommen nicht zum Zug.

     

  • Das Aldianer Stellenprofil

    Natürlich variiert das Anforderungsprofil je nach Stelle, aber es gibt gewisse Grundvorstellungen: Der Bewerber sollte unauffällig und zurückhaltend im Auftreten sein, seine Bekleidung schlich und gediegen, seine Herkunft möglichst bodenständig, die Familienverhältnisse geordnet, Sparsamkeit wird sehr geschätzt wie auch Pflichtbewusstsein und Normalität hinsichtlich des Lebensprinzips.

  • Hauseigene Führungskräfte

    Das Warenumschlagssystem von Aldi mit seinen schematisierten Abläufen erfordert erfahrene Praktiker. Es wird nicht vorrangig Kopfarbeit am Schreibtisch verlangt. Wer richtig aufsteigen wollte, hatte bei den Albrechts eine Ochsentour vor sich. Ein Akademikerstatus ist entbehrlich.

  • Zeitmanagement und Prämien

    Für Aldi liegt das Geheimnis des langfristigen Erfolges im Zeitmanagement der Führungskräfte. Es gibt eine detaillierte Planungsphilosophie und strenge Normen nach dem Motto: Plan dich oder friss dich! Zudem hat Aldi ein umfangreiches Prämiengerüst. Bezirksleiter bekommen solche und vergeben wiederum welche an ihre Filialleiter. Einzig der Geschäftsführer bekommt keine Prämie.

  • Die Handbücher

    Wer den Ansprüchen Aldis gerecht werden will, muss sie beherrschen: die Handbücher. Das gilt aber vor allem für die regionalen Geschäftsführer. Aldi Nord hat im Laufe der Jahre alles, was Firmeninterna angeht, in solchen Handbüchern fortgeschrieben. Da ist einiges Zusammengekommen – viel Lesestoff.

  • Wenig zu lachen

    Aldi-Mitarbeiter lachen wenig. Zu stark lastet der Druck auf allen. Er wird von der Spitze her aufgebaut und durchgereicht. Das einzige, was lacht, ist die Liquidität.

  • Der Autor

    Es ist auch für Journalisten vom Fach sehr schwierig, Details über die beiden Aldi-Konzerne herauszubekommen. Das Unternehmen ist nicht börsennotiert und somit nur zu bestimmten Veröffentlichungen verpflichtet. Umso wertvoller sind glaubwürdige und detaillierte Berichte, wie sie Eberhard Fedtke in seinem Buch nun geliefert hat. Er war viele Jahre lang Gesellschafter bei dem Konzern.

     

    Bibliografie:

    Eberhard Fedtke

    Aldi Geschichten. Ein Gesellschaftler erinnert sich

    NWB Verlag, Herne 2011

    296 Seiten

     

Anfragen zu den Todesumständen ließ das verschwiegene Essener Discountunternehmen, das zuletzt in 5250 Läden 25 Milliarden Euro umsetzte, unbeantwortet.

Berthold Albrecht, Vater von fünf Kindern und verheiratet mit der fünf Jahre jüngeren Ehefrau Babette, galt gemeinsam mit seinem Bruder Theo junior als einer der reichsten Manager Deutschlands. Über die 16 Milliarden Euro, die den Aldi-Nord-Erben laut „Manager-Magazin“ zugerechnet werden, können sie wegen des Stiftungsmodells allerdings nicht völlig frei entscheiden.

Berthold Albrecht ist im Alter von 58 Jahren verstorben. Foto: Aldi Nord Quelle: dpa
Berthold Albrecht ist im Alter von 58 Jahren verstorben. Foto: Aldi NordQuelle: dpa

Auch die oberste Führung des Familienkonzerns überlassen die Erben seit langem Fremdmanagern. Nach dem Rückzug des Gründers hatte jahrelang Hartmuth Wiesemann den Discounter geleitet, Anfang 2011 übernahm der 46-jährige Marc Heußinger den Spitzenjob – angeblich auf Empfehlung von Berthold Albrecht.

Weggefährten beschrieben den Verstorbenen gestern als liebenswürdigen und freundlichen Manager. Er habe sich vor allem um den amerikanischen Aldi-Ableger „Trader Joe's“ gekümmert.

Warum Aldi billig ist

  • Es ging ums Sattwerden

    Es ist eine Gretchenfrage: Wie viele Artikel biete ich meinen Kunden an? 1946 ging es um nichts mehr als ums Sattwerden. Die Aldi-Brüder schauten auf ihren Tages- und Wocheneinkauf. Erst im Laufe der Jahre kamen Non-Food-Artikel hinzu – anfangs waren sie verpönt.

  • Zahl der Artikel

    Mit der Zeit pendelte man sich bei 400 Artikeln ein. Inzwischen – in Zeiten der feiner werdenden Nuancen – ist die Zahl auf 900 Artikel gewachsen. Der Stellplatz in den Filialen hat natürliche Grenzen. Zudem ist Produktpflege ein aufwändiges Geschäft.

  • Das oberste Gebot

    Von Beginn an galt bei den Albrechts das Gebot der Warengleichheit: In allen Filialen sollten die Kunden dieselben Produkte finden. Schnell ging es soweit, dass sie es sogar an derselben Stelle fanden.

  • Die Revolution

    Eine echte Revolution war die Einführung von Kühlware in den 70er-Jahren. Sowohl bei Aldi Nord als auch bei Aldi Süd gingen Grundsatz-Diskussionen voraus. Entgegen der Behauptungen gab es darüber aber keinen brüderlichen Zwist. Allerdings musste der vorpreschende Karl Überzeugungsarbeit leisten beim abwägenden Theo. Doch die Kühltruhe kam, erst im Kleinformat, dann immer mehr.

  • Markenartikel? Nein, Danke!

    Seit Jahren macht andere Discounter wie Netto (vorher Plus) gute Geschäfte mit Markenartikeln. Aldi hat stets eine Aversion gegen sie gehabt. Auf der anderen Seite taten sich die Hersteller von Markenartikeln anfangs auch sehr schwer, bei einer Billigkette zu listen, als die Aldi galt.

  • Aldis Problem

    Vereinfacht gesagt besteht Aldis größtes Problem darin, die erforderlichen Liefermengen von mehreren Anbietern zu beziehen. Bei vergleichenden Qualitätsstandards heißt es immer wieder: Bedarfsdeckung versus Preis. Gerade zu Ostern und Weihnachten ist es eine Sisyphusarbeit in Planung und Organisation, für ausreichend Waren zu sorgen und sie auf die Filialen zu verteilen.

  • Harte Gespräche mit Lieferanten

    Die Preisfindung in diesem „Wettkampf“ ist das eigentliche Erfolgsrezept Aldis. Als Marktführer, ausgestattet mit dem Hebel der Mengemacht, hat man hier natürlich Vorteile. Dabei bündeln Aldi Nord und Aldi Süd ihre Einkaufsstrategie in vielen Sortimenten. Auf der anderen Seite hat Aldi auch kein Interesse, die Lieferanten so sehr zu schröpfen, dass sie in den Ruin gehen. 

  • Die große Verlockung

    Lieferanten unterliegen leicht der großen Verlockung, mit Aldi so zu verhandeln, dass die eigentlichen Kapazitätsgrenzen überschritten werden. Zwar kann man mit Aldi vermögend werden, aber das Risiko, sich zu sehr abhängig zu machen, ist groß. Denn Aldi streicht durchaus schnell einen Lieferanten. Fachleute raten dazu, maximal 50 Prozent seiner Produkte an Aldi zu verkaufen.

  • Das Preisdiktat

    Die Wettbewerber sind dem Preisdiktat ausgesetzt. In den vergangenen Jahres war gut zu beobachten, was passiert, wenn Aldi die Preise für Alltagsprodukte wie Milch senkte: Die Konkurrenz zog innerhalb weniger Stunden nach. Preisvergleich und Preispolitik sind Tagesaufgaben.

  • Wie preissensibel ist der Kunde

    Doch warum agieren die Discounter eigentlich so nah am „gerechten Preis“? Die Frage ist durchaus berechtigt, denn die Durchschnittskunde ist eigentlich sehr wenig mit den Preisen vertraut. Er stellt seinen Warenkorb den Bedürfnissen und Gepflogenheiten zusammen. Die meisten gehen nicht mit offenen Augen durch die Läden. Angebote werden auch bei Aldi sehr deutlich mit andersfarbigen Schildern gekennzeichnet, damit sie überhaupt auffallen. Umso wichtiger ist also, dauerhaft der Preisführer zu sein – und dieses Image zu pflegen.

Privates hielt der Firmenerbe, wie schon sein Vater, stets im Verborgenen. Bekannt wurde zuletzt allerdings, dass in der Garage ein Mercedes-Oldtimer aus den 30er-Jahren stand – mit prominentem Vorbesitzer: Der Achtzylinder gehörte einst Stahlbaron Alfried Krupp von Bohlen und Halbach.

 

  • 07.12.2012, 12:32 UhrRechner

    Von den Albrechts kann man vieles über die Führung erfolgreicher Firmen lernen.

    Und zwar ganz ohne Harvard- und McKinseybullshit.

    Genaue und gründliche Umsetzung einfacher und sinnvoller Konzepte - geht in jeder Industrie die nützliche Güter oder Dienstleistungen anbietet.

    Look after the pennies and the pounds will look after themselves.

  • 07.12.2012, 12:11 Uhrrealist

    .........wie kann es anders sein.....es wird viel kommentiert, im Guten wie im Schlechten. Nur so viel.....auch die Überweisung von 1 Milliarde Euro für 1 Sekunde mehr Leben ist nicht möglich. Ist es doch die wirklich einzige Gerechtigkeit auf Erden die dann zum Tragen kommt. Liegt es doch in Gottes Händen, was am Schluß getan wird, wie wunderbar. So soll es und so wird es für immer sein, daß die menschliche Gestalt nur noch hoffen kann, dass sie oben aufgenommen wird....nochmals gesagt wie wunderbar

  • 07.12.2012, 11:41 UhrVG-Wort

    Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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