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Morgan-Stanley-Aufseher Raettig: Jetzt muss sich „Mister Finanzplatz“ einschalten

Lutz Raettig steht vor der schwierigsten Aufgabe seiner Karriere. Als Aufsichtsratsvorsitzender von Morgan Stanley muss er in der Affäre um den EnBW-Deal handeln. Bankchef Dirk Notheis dürfte kaum zu halten sein.

Ein Logo des Energieversorgers EnBW in Karlsruhe: 4,7 Mrd. Euro zahlte das Land Baden-Württemberg für ein Aktienpaket des Energieversorgers. Quelle: dapd
Ein Logo des Energieversorgers EnBW in Karlsruhe: 4,7 Mrd. Euro zahlte das Land Baden-Württemberg für ein Aktienpaket des Energieversorgers. Quelle: dapd

FrankfurtDie Bezeichnung „Mister Finanzplatz“ wurde in den vergangenen Jahren etwas inflationär gebraucht - aber er hat das Etikett verdient. Lutz Raettig steht für Jahrzehnte gelebtes Networking, seine Mandate lassen sich nicht an einer Hand abzählen. So ist er ehrenamtliches Mitglied des Magistrats der Stadt Frankfurt, Vorsitzender des Rats der Frankfurter Wertpapierbörse, Mitglied beim privaten Bankenverband BdB, Mitglied im Board of Directors der US-Handelskammer, und, und, und...

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Der gebürtige Berliner war bisher die heimliche Eminenz der Bankenszene der Mainmetropole. Doch jetzt scheinen diese ruhigen Zeiten vorbei. Raettig steht vor der schwierigsten Aufgabe seiner Karriere. Ein Mandat, das bisher bei den Aufzählungen eher am Rande erwähnt worden ist, hat auf einmal großes Gewicht bekommen: das des Aufsichtsratsvorsitzenden der Morgan Stanley Bank AG. Seit 2005 beaufsichtigt Raettig die Deutschland-Tochter der US-Investmentbank, und in diesen Tagen beherrscht ausgerechnet der operative Deutschland-Chef von Morgan Stanley, Dirk Notheis, die Schlagzeilen.

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Der Bankmanager steht im Zusammenhang mit dem Kauf der Aktien des Versorgers EnBW durch das Land Baden-Württemberg in der Kritik - und vor einem Untersuchungsausschuss. Durch brisante E-Mails ist der Eindruck entstanden, Notheis habe Stefan Mappus, den damaligen Ministerpräsidenten, unter Druck gesetzt, die EnBW-Aktien vom französischen Energiekonzern EDF zu kaufen, und zwar so schnell wie möglich und ohne andere Banken zu beteiligen. Am Ende wurde ein Preis von 4,7 Milliarden Euro gezahlt - überteuert, sagen die einen, angemessen, die anderen. Jetzt tobt eine politische Schlacht - und Notheis steckt mittendrin.

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Raettig will sich zu den Vorwürfen offiziell nicht äußern. Schriftliche Fragen des Handelsblatts zu seiner Rolle im Deal wollte er gestern nicht beantworten. Klar ist aber, dass Raettig es als seine vornehmste Aufgabe ansehen wird, einen Reputationsschaden von der Bank abzuwenden.

Die Frage, die sich zudem stellt: Hätte Raettig Notheis vorzeitig aus dem Deal nehmen müssen, um ihn vor sich selbst zu schützen? Offiziell hat sich Raettig nie dazu geäußert, nur gegenüber Vertrauten redete er offen über diesen Punkt. „Notheis hätte dieses Geschäft nicht persönlich durchführen sollen“, sagte er. Raettig ärgert sich vor allem selbst darüber, dass er Notheis nicht umgestimmt habe.

„Mister Finanzplatz“ Lutz Raettig (r.) mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsideten Roland Koch (l.) und der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU). Quelle: dpa
„Mister Finanzplatz“ Lutz Raettig (r.) mit dem ehemaligen hessischen Ministerpräsideten Roland Koch (l.) und der ehemalige Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (beide CDU). Quelle: dpa

In Frankfurt bezweifeln immer mehr Investmentbanker, dass Notheis noch zu halten ist. Sie sind entsetzt über den Rufschaden, der durch den EnBW-Deal entstanden ist. Es sehe so aus, als ob hier mit Notheis und Mappus zwei Leute einen Deal ausgeheckt haben, bei dem ihnen vor Begeisterung und Männerfreundschaft die Professionalität verlorengegangen sei, sagte ein Investmentbanker.

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Mails, in denen Notheis etwa Mappus rät, die Kanzlerin „Mutti“ bei der EnBW-Transaktion einzuspannen, um ein „Meeting mit Sarko“ - also dem früheren französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy - zu organisieren, können Konkurrenten kaum glauben. „Sensible Informationen tauscht man nicht via Mail aus“, sagt ein hochrangiger M&A-Manager von einer Großbank.

EnBW

Raettig braucht aber keinen Rat von Wettbewerbern, er hat schließlich Jahrzehnte bei Morgan Stanley, der Commerzbank und der WestLB Verantwortung getragen. Und wenn es um die Belange des Finanz- und Börsenplatzes Frankfurt ging, bildete Raettig mit dem Ex-Vorstandschef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, der Ex-Oberbürgermeisterin Petra Roth und dem früheren, inzwischen in die Privatwirtschaft gewechselten Ministerpräsidenten Roland Koch eine verlässliche Achse. Raettig war immer dabei, sprach klar und unaufgeregt, stellte sich aber nie in den Vordergrund.

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Die Vorwürfe gegen Notheis muss der Aufsichtsrat untersuchen und bewerten. Raettig muss aktiv werden. Denn Fakt ist auch: Als Aufsichtsratschef ist er dem Wohle des Unternehmens verpflichtet, und eine seiner wichtigsten Aufgaben ist es - im Falle eines Falles -, schnell einen Nachfolger präsentieren zu können, um weiteren Schaden von der Bank abzuwenden.

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  • 21.06.2012, 13:24 Uhrmarty

    Ich wundere mich sowieso über den ganzen ENBW Komplex. Erst verkauft Herr Teufel die ENBW nach Frankreich, aber er führt den Erlös nicht etwa dem Staatshaushalt zu, sondern einer privaten Stiftung, deren Ehrenvorsitzender er jetzt ist. Danach kauft Herr Mappus die Aktien wieder zuruck. Unterm Strich bleibt ein Transfer von viel Geld an eine private Stiftung. Ich nenne sowas Korruption. wo bleibt denn da der Staatsanwalt?

  • 20.06.2012, 17:13 Uhrsvebes

    Sie ( Banker )sind entsetzt über den Rufschaden, der durch den EnBW-Deal entstanden ist. Es sehe so aus, als ob hier mit Notheis und Mappus zwei Leute einen Deal ausgeheckt haben ... Das sieht nicht nur so aus, das ist Fakt. Dieser Raettig hätte dann jemand anderen beauftragen sollen? Warum? Damit alles ganz im Dunkel bleibt? Schadenshöhe ermitteln und bitte auch die gestiegenen Versorgungspreise includieren. Das ist ein Teil des Schadens der wiedermal dem kleinen Mann entstanden ist. Dann dieser Investmentbank und Mappus in die Tasche greifen. So gehts und lehrt auch mal diesen Schattengestalten Respekt. Die merken es immer erst wenns ans eigene Geld, ihre Macht und/oder Karriere geht.

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