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Novartis-Chef: Goldener Handschlag für Vasella erzürnt die Schweiz

Fast 60 Millionen Euro in sechs Jahren für einen Beratervertrag – das bringt auch den ruhigsten Schweizer in Rage. Selbst Kirche und die wirtschaftsfreundliche Schweizer FDP zeigen sich schockiert. Der Deal gießt wenige Tage vor einer Volksabstimmung neues Feuer in die Diskussion um Manager-Gehälter. Auch in Deutschland ist die Debatte wieder in vollem Gang.

Daniel Vasella: Der lukrative Deal des Novartis-Chef kommt in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Quelle: Reuters
Daniel Vasella: Der lukrative Deal des Novartis-Chef kommt in der Öffentlichkeit gar nicht gut an. Quelle: Reuters

BernIn der Schweiz hat eine Millionen-Abfindung für den zurückgetreten Chef des Pharmakonzerns Novartis für Empörung gesorgt. Der 59-jährige Daniel Vasella soll 72 Millionen Franken (58,5 Millionen Euro) dafür bekommen, dass er sechs Jahre lang nicht für die Konkurrenz tätig wird, sondern Novartis berät.

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„Das geht über alle Dimensionen des Vernünftigen hinaus“, sagte Markus Büchel, Präsident der Schweizer Bischofskonferenz, am Samstag in einem Radio-Interview. Justizministerin Simonetta Sommaruga sagte im Fernsehen, es brodle in der Bevölkerung. Die Wut über maßlose Bonus-Zahlungen sei riesig. Und was über Vasella bekannt geworden sei, mache sie sprachlos. Der Präsident der wirtschaftsfreundlichen Partei FDP erklärte: „Herr Vasella führt die liberale Schweiz aufs Schafott.“

Vasella hatte am Freitagabend im Schweizer Fernsehen eingeräumt, dass er nach seinem Ausscheiden beim Pharma-Unternehmen Novartis in sechs Jahren bis zu zwölf Millionen Franken jährlich erhalten werde. „Man käme im Laufe von sechs Jahren auf maximal 72 Millionen Franken“, erklärte er. Er bestätigte damit einen Bericht der Online Plattform „Inside Paradeplatz“. Bedingung sei lediglich, dass er nicht für ein Konkurrenzunternehmen arbeite und Novartis berate.

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Der Deal gießt Wasser auf die Mühlen der Kritiker an überzogenen Manager-Vergütungen und gibt nach Einschätzung von Schweizer Medien Befürwortern einer gesetzlich Beschränkung derartiger Bezüge bis hin zur Androhung von Gefängnisstrafen bei Zuwiderhandlung erheblichen Auftrieb. Die Schweiz stimmt am 3. März bei einem Volksentscheid über einen entsprechenden Vorschlag ab. Die sogenannte „Abzocker-Initiative“ sieht vor, dass Aktionäre in Zukunft nicht nur konsultativ, sondern bindend über Managerlöhne abstimmen können. Für die Annahme dieses Vorstoßes sprachen sich bei Umfragen etwa 57 Prozent der Teilnehmer aus. Vor der Bekanntgabe der Millionen-Abfindung für den Novartis-Boss waren es nur etwas mehr als 50 Prozent gewesen. Politologen und andere Beobachter gehen nun nicht mehr davon aus, dass es den Gegnern unter Führung des Wirtschaftsverbandes gelingen wird, das Blatt zu wenden.

„Das ist ein enormer Schaden für den sozialen Zusammenhalt in unserem Land“, sagte Justizministerin Simonetta Sommaruga in einem Interview mit der Zeitung „SonntagsBlick“. Diese „Selbstbedienungsmentalität“ erschüttere das Vertrauen in die ganze Wirtschaft, sagte Sommaruga. „Wenn es nun zu einem Ja kommt am 3. März, dann sind allein jene Manager dafür verantwortlich, die jegliches Maß verloren haben.“

  • 17.02.2013, 18:35 Uhrkarstenberwanger

    Wieso nicht 60 Billionen? Bei der Pharma Mafia wäre das doch passender

  • 17.02.2013, 18:37 UhrGast

    Und wenn sie es nicht direkt bekommen, gibt es die Summe eben über ein, zwei Umwege.

  • 17.02.2013, 18:45 Uhrsohst

    Die Schweizer sollten das Verbot solcher Bonuszahlungen rückwirkend beschließen. Da es sich um zivilrechtliche Normen handelt, wäre das (zumindest in Deutschland) zulässig. Dann würde man schon diesem Herren etwas mehr Besinnung beibringen.

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