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Philipp Humm zu T-Mobile USA: Harte Hand fürs kriselnde Geschäft

Vor kaum zwei Jahren musste Philipp Humm im Zuge eines Datenskandals seinen Hut als Chef von T-Mobile nehmen. Umso überraschender, dass er nun der angeschlagenen US-Tochter der Telekom neue Wachstumsperspektiven aufzeigen soll. Der Konzern schätzt nach wie vor seine kompromisslose Art - und braucht gerade die dringend jenseits des Atlantiks.

Philipp Humm, Ex-Chef von T-Mobile, wird neue Spitze der US-Tochter der Telekom. Quelle: dpa
Philipp Humm, Ex-Chef von T-Mobile, wird neue Spitze der US-Tochter der Telekom. Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Wenn er sich nicht gerade für die Deutsche Telekom in Schale wirft, sieht Philipp Humm mit seinen breiten Schultern, den lockigen Haaren und meist braun gebrannt mehr wie ein Sportlehrer als ein Manager aus. Turnschuhe, Jeans und Pullover sind sein Markenzeichen. Ist er allein unterwegs, steckt er sich Kopfhörer mit seiner Lieblingsmusik in die Ohren.

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Mit diesem unprätentiösen privaten Stil passt er gut in seine neue Heimat: Der 50-Jährige leitet ab Februar kommenden Jahres die wichtigste Auslandstochter der Telekom, T USA. -Mobile Sie liefert rund ein Viertel zum Konzernumsatz und-gewinn und kämpft gegen sinkendes Wachstum an. Humm wird damit zu einem der mächtigsten Männer bei der Telekom.

Ob die US-Mitarbeiter mit ihm als Chef genauso gut klarkommen wie mit seinem Outfit, ist jedoch fraglich. In Deutschland hat sich Humm mit seinem harten Führungsstil viele Feinde gemacht. Er gilt als extrem zahlenorientiert. Wer die Ziele nicht erfüllt, kann gehen. "Er hat einige Leute massiv abserviert", heißt es in der Führungsriege der Telekom. Der ehemalige McKinsey-Berater sei kein Typ, der Strategie-Papierchen entwerfe, sondern einer, der seinen Plan durchziehe.

Genau das schätzt die Telekom an ihm. Er liefere Ergebnisse, heißt es. Und die hat T USA-Mobile bitter nötig. Die Aussichten jenseits des Atlantiks verschlechterten sich im vergangenen Jahr derart, dass die Telekom ihre Gewinnprognose senkte. Schuld daran waren aber nicht nur die USA, sondern auch Probleme in Großbritannien, wo der Konzern inzwischen eine Lösung gefunden hat: Die Telekom brachte T UK-Mobile in ein Joint Venture mit der französischen Orange ein. Den Deal, der in der Branche viel Anerkennung erntet, hat der Mann eingefädelt, der nun auch den Retter für die US-Tochter geben soll: Humm.

Er geht bereits im Juli in die USA, wird aber bis Anfang kommenden Jahres vom bisherigen US-Chef, dem Amerikaner Robert Dotson, eingearbeitet.

Humms Berufung ist erstaunlich. Vor fünf Jahren als Chef von T Deutschland-Mobile eingestellt, musste er diesen Posten Ende 2008 aufgeben, um die Verantwortung für den Diebstahl von 17 Mio. Mobilfunk-Kundendaten in Deutschland zu übernehmen. Die Telekom betont, sie werfe Humm kein Fehlverhalten vor, er habe als Chef der Sparte nur die politische Verantwortung übernommen.

Viele, die Humm gut kennen, rechneten damit, dass er sich eine solche Behandlung nicht bieten lassen und den Konzern verlassen würde. Finanziell sei er so gut abgesichert, dass er nicht arbeiten müsse, verraten Vertraute. Zudem sei er ohnehin zu eigenwillig, gar kein Typ für einen Großkonzern.

Doch es kam anders. Die Telekom warf Humm nicht raus. Er behielt seinen Job als Vertriebs- und Servicechef des Konzerns und tauschte die Deutschland-Stelle gegen den Posten des Chief Regional Officers, der die fünf europäischen Mobilfunktöchter leitet.

Und das, obwohl Humm sich Presseberichten zufolge in einen zweiten Datenskandal verstrickte. Wie die "Wirtschaftswoche" im Frühjahr berichtete, soll Humm 2007 einem Dienstleister gegen den Rat der eigenen Datenschutzexperten Zugriff auf alle Kundendaten von T-Mobile erteilt haben. Die Telekom erklärt, die interne Revision habe die Vorgänge geprüft und kein Verschulden Humms festgestellt.

  • 26.05.2010, 23:30 Uhrknopfauge

    Für mich ist das eine Witzfigur welche einfach keine anderen Meinungen akzeptiert, und wenn das nur hinter vorgehaltener Hand. Die Leute welche die Meinung sagen (auch wenn sie 1000x richtig war) werden dann abserviert. Das passt ganz gut zum aktuellen Chef der Deutschen Post. Was hatte er noch bei Amtsantritt gesagt? Nein, Outsourcing in billigere Gesellschaften, so wie es eine der vielen ideen bei McKinsey ist wird hier nicht kommen. UND NUN: Jetzt arbeiten schon einige Postmitarbeiter in blauer Kutte für nur noch die Hälfte. Viele Auszubildende sind angestellt in der Untergesellschaft, bekommen diesen niedrigen Lohn und zum Lernen dürfen sie sich dann ganz zur Deutschen Post gezogen fühlen - jedenfalls dann bekommen diese gelbe Dienstkleidung, dürfen immer noch soviel lernen wie früher, dürfen immer noch soviel arbeiten wie früher (vlt. noch mehr) bekommen aber weniger Lohn.

    HEE!!! Also...ganz ehrlich...um solche Dinge zu entscheiden braucht man weder Führungserfahrung, noch Menschenkenntnis - und ein Studium gleich garnicht. Was man dazu braucht ist Grundlagenunterricht Wirtschaft/Recht (max. Gymnasialstufe - Realschule reicht auch denke ich) und eine clevere Rechtskanzlei.

  • 26.05.2010, 21:33 UhrMark Eting

    Was in der Vita dieses doch sehr beeindruckenden Herrn oft weggelassen wird, ist, dass er kurz vor Ende seines Studiums auch noch Deutschlands größte studentische Marketinginitiative MTV e.V. in Saarbrücken gegründet hat. Diese umfasst mittlerweile 16 Geschäftsstellen an den größten Unis Deutschlands mit ungefähr 1000 aktiven Studenten und nochmals sovielen im Alumni Netzwerk.

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