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Porträt: Der Weltenbürger Nicolas Berggruen

Der Mann ist Weltenbürger. „Berlin, Istanbul, Bombay - zu Hause bin ich überall“, sagt Nicolas Berggruen. Der Mann, der aus dem Nichts kam, um eine deutsche Kaufhaus-Ikone vor dem Aus zu retten.

Nicolas Berggruen hat den Zuschlag für Karstadt erhalten. Quelle: dpa
Nicolas Berggruen hat den Zuschlag für Karstadt erhalten. Quelle: dpa

FRANKFURT. Der Mann ist Weltenbürger. "Berlin, Istanbul, Bombay - zu Hause bin ich überall", sagt Nicolas Berggruen. Er ist der neue Investor bei Karstadt; der Mann, der aus dem Nichts kam, um eine deutsche Kaufhaus-Ikone vor dem Aus zu retten. "Karstadt ist ein Teil deutscher Geschichte", sagt Berggruen. Er spricht ein amerikanisch gefärbtes Deutsch, in dem er viele Redewendungen übersetzt, was dann ungewohnt klingt. Auch seine Familie ist ein Teil der deutschen Geschichte. In Berlin hat er ein Büro, in der Wilhelmstraße. Dort stand einmal die Reichskanzlei, der Ursprungsort jener Politik von Massenvernichtung und Judenverfolgung, die auch die Kaufmannsfamilie Berggruen einst aus Deutschland vertrieb.

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Heute steuert Nicolas Berggruen von hier aus seine Beteiligungen. Der Sohn des Kunstsammlers und Mäzens Heinz Berggruen, ist mit seiner Berggruen Holdings LTD unter die Investoren gegangen. Unter die langfristigen. Er sei keiner, erklärt er, der heute kauft und morgen verkauft. Das hat er vom Vater gelernt. Dessen Gespür für Investitionen in Kunst, die über Jahrzehnte an Wert gewinnen, ist legendär. "Wir werden niemals Geld ausgeben und dann nichts daraus machen", sagt der Junior.

Bei Karstadt wird er einiges vorschießen müssen, bis sich seine Investition irgendwann rechnet. Leisten kann sich das der 48jährige, er hat einen Stammplatz im Mittelfeld auf der Liste der Superreichen, die das Magazin "Forbes" alljährlich erstellt. was er jetzt vorhat, skizzierte Berggruen im Handelsblatt-Gespräch so: "Wir gehen mit unverstelltem Blick an die Aufgabe. Und wir wollen die Mitarbeiter von Karstadt hinter uns bringen. Zusammen können wir etwas neues aufbauen. Die Wahrheit ist doch, dass Arcandor Karstadt verdammt schlecht organisiert hatte."

Helfen soll ihm der US-Designer Max Azria. Ihm will Berggruen die operative Führung weitgehend übertragen. Azrias Modefirma BCBG Max Azria Group besitze die Kompetenz, die Warenhäuser mit neuem Leben zu erfüllen. Erst im März 2009 hatte das in Los Angeles gegründete Unternehmen den Sprung nach Deutschland gewagt und zehn Läden des insolventen belgischen Modefilialisten Donaldson übernommen. Der privat geführte Groß- und Einzelhändler setzte im vergangenen Geschäftsjahr 960 Mio. Dollar um. Gründer des Modelabels BCBG, das für "bon chic, bon genre" steht, ist der gebürtige Franzose Azria. Der Designer und Firmenchef, der 1981 in die USA auswanderte, bedient anspruchsvolle Kunden ebenso wie den Massengeschmack. Mit Modellen der Marke "Max Azria Atelier" ließ er Sharon Stone über den roten Teppich laufen. Doch auch bei Wal-Mart, dem weltgrößten Einzelhändler, ist Azria präsent. Unter dem Namen des Teeny-Stars Miley Cyrus bietet BCBG seit Herbst 2009 eine eigene Kollektion. Erfahrung als Warenhausbetreiber hat das US-Unternehmen nicht.

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