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Preußen: „Erholung vor der Üppigkeit“

Ein klassischer dreiwöchigen Urlaub? Das kommt für Helmut Sendlmeier nicht in Frage. Der umtriebige Werbeboss muss sich anders entspannen – und findet „Erholung von der Üppigkeit“ in den Schlössern Brandenburgs. Am Wasser, bei den Enten. Im Dreiteiler, mit Krawatte.

von Uli Schulte-Döinghaus
Das Schloss Sanssouci, Anziehungspunkt für Touristen - und auch für Manager. Foto: dpa Quelle: dpa
Das Schloss Sanssouci, Anziehungspunkt für Touristen - und auch für Manager. Foto: dpa Quelle: dpa

DÜSSELDORF. Potsdamer Enten ist es vermutlich egal, ob sie von Leuten gefüttert werden, die auf „Casual Wear“ stehen, oder von Krawattenträgern wie Helmut Sendlmeier. Gleichgültig ziehen sie ihre Kreise, wenn der Werbeboss Mikrourlaub auf dem schmalen Steg macht, der vor dem Garten seiner Wohnung in den „Heiligen See“ hineinragt.

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Auch dort sitzt er dann oft so, wie ihn Geschäftspartner und Wettbewerber kennen, seine Mitarbeiter sowie Gott und die Welt: im korrekten dreiteiligen Anzug, die Krawatte eng um den Hals geknotet. Nur dass sein Blick – statt gespannt auf Zahlenkolonnen oder Kampagnenmotive – entspannt aufs Wasser gerichtet ist, vielleicht zu den Nachbargrundstücken, zum jenseitigen Ufer, zu den gleichgültig kreisenden Enten oder auch nur hinein in sich selbst.

Das korrekte Outfit ist ihm auch dann ein wichtiges Requisit, wenn es nicht ums Repräsentieren oder Führen geht. Er trägt dergleichen auch daheim, erstens, weil er diesen Habit Zeit seines erwachsenen Lebens so stilisiert hat, und zweitens, um für sich – vielleicht nur unbewusst – irgendeine willkürliche Trennlinie zwischen privat und Beruf nicht zuzulassen. Diese Sphären gehen für ihn ineinander über und heben sich dadurch zugleich auf für ihn, den Urlaubsmuffel Sendlmeier.

Der fühlt sich selbst dann wohl in der schwarzblauen Zweithaut des Spitzenmanagers, wenn er gemeinsam mit seiner Frau spätabends in irgendeiner Sofaecke vor dem Fernseher hockt. Auch das ist eine dieser Sendlmeierschen Variationen des Kurzurlaubens, die mal aus Städtetrips in Madrid bestehen können oder aus Ausflügen in die Mark Brandenburg oder auch nur ein paar ausgeruhten Momenten in und um Schloss Sanssouci, auf dem Pfingstberg oder dem Belvedere. Die Beschäftigung mit der fernen Vergangenheit, mal schauend und mal lesend, ist zur Naherholung für den Spitzenmanager geworden, dessen Berufsalltag darin besteht, aus der Gegenwart das Maximum herauszuholen – und zwar besser und schneller als die Konkurrenten. „Im Wettbewerb“, sagt der Unternehmenschef stolz, „sind wir der härteste Brocken.“ Mit Sendlmeier als stetem, vielleicht nicht immer geschätztem Vorbild. Er, der offiziell knapp 200 Tage Resturlaub vor sich herschiebt, mag es nicht sehr, wenn Mitarbeiter sich allzu oft auf Urlaubs- oder Freizeitansprüche berufen.

Für den Unternehmensboss Sendlmeier buchstabieren sich recht knapp Ferien, Erholung, Freizeit, Entspannung und was es da sonst an Vokabular gibt, mit dem wir uns für gewöhnlich den Unterschied zwischen Arbeit und Leben, Work und Life, Druck und Entlastung schönreden. „Urlaub“, sagt er, „wird überschätzt.“ Ironischerweise behauptet das einer, der so etwas von Berufs wegen eigentlich nicht sagen darf.

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