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Profil: Ein junger Veteran

Klaus Hommels hat bislang ein gutes Gespür für Internet-Trends bewiesen. Jetzt bringt der 39-Jährige Xing an die Börse, die Kontaktplattform für Manager.

LONDON. Viele Jugendliche wollen mal Fußballstar werden, andere Automechaniker und manche sogar Journalisten. Aber für Klaus Hommels kamen solche Berufswünsche überhaupt nicht in Frage: „Ich wollte immer Equity-Investor werden“, sagt er. Schon mit 14 Jahren gab ihm seine Oma Geld, damit er es in Aktien anlegte. Längst hat er eine deutlich lukrativere Anlageform entdeckt: Venture Capital, also Risikokapital. Der 39-jährige Deutsche darf sich sogar „Unternehmerischer Privatinvestor 2006“ in Europa nennen. Dazu hat ihn eine Jury aus Vertretern von Elite-Unis und Banken gewählt.

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Den Titel hat er sich verdient, weil er seinen Glauben an das bewahrt hat, was um die Jahrtausendwende E-Commerce oder B2C hieß. In den Jahren zwischen dem Platzen der Internet-Blase und der neuen Euphorie um das „Web 2.0“ hat er als Privatmann unbeirrt weiter investiert und das richtige Gespür bewiesen: Sein Volltreffer war die Internet-Telefonfirma Skype, die das Auktionshaus eBay Ende vergangenen Jahres für bis zu vier Milliarden Dollar kaufte.

Nun steht seine Beteiligung OpenBC, die in Xing umgetaufte Kontakt-Plattform für Manager, vor dem Börsengang. Heute wird die Preisspanne für die Aktien bekannt gegeben. Am Dienstag soll der Verkauf beginnen. Und frühestens am Donnerstag ist das Börsendebüt im stark regulierten Prime Standard der Frankfurter Börse geplant.

Die Erfolge bei seinen privaten Investments haben Klaus Hommels, der privat mit seiner schwedischen Frau und vier Kindern in der Schweiz wohnt, seinerzeit beruflich nach London gebracht. Die US-Wagniskapitalfirma Benchmark Capital warb ihn als Partner für das Europa-Team, nachdem er ihnen bei mehreren Deals über den Weg gelaufen war. Benchmark ist im internationalen Venture-Capital-Geschäft so etwas wie eine Orientierungsmarke. Bei AOL, eBay, Handspring und vielen anderen IT- und Internetfirmen war die Gesellschaft als Geldgeber dabei.

Nun sitzt Hommels in seinem schlicht-modernen Büro in London, nur ein paar Schritte vom Konsumtempel Selfridge’s an der Oxford Street entfernt. Hier knüpft er ebenso an seinem Beziehungsnetz, um lukrative Unternehmen zu entdecken, wie auf seinen vielen Reisen in Europa. Außerdem liest er regelmäßig Blogs über die Internet-Szene und verfolgt in Statistiken, wie sich der Internet-Verkehr bewegt.

Der Mann mit den blauen Augen hinter rundlicher Brille und widerspenstigem, welligem Haar ist kein dauerbegeisterter E-Commerce-Prediger. Zwar leger gekleidet, ist er doch eher ein nüchterner, analytischer Typ. Er hört zu und macht im Gespräch auch schon mal eine Denkpause. Und er gibt wenig über sein Privatleben preis.

Etwa fünf Unternehmen betreut er für Benchmark über die Laufzeit eines Fonds hinweg. Also ein Tag je Woche je Firma, grob gerechnet. „Wir sind so etwas wie ein outgesourcter Dienstleister für Geschäftsentwicklung“, beschreibt er seine Aufgabe. Es geht eben nicht nur um das Geld – das gibt es für die richtig guten Gründerteams auch woanders. Es geht um die Verbindungen. „Klaus war immer sehr engagiert, und er hat mir in den frühen Jahren als Gründer und Chief Executive Officer sehr geholfen“, sagt Niklas Zennstrom, der mit Skype reich geworden ist.

„Er bringt einen Reichtum an Erfahrung mit und die Verbindungen, die Internet-Erfolgsgeschichten der Zukunft zu finden und aufzubauen“, sagt Johan Brenner, General Partner bei Benchmark. Hommels gefällt die Arbeitsweise bei der Firma mit Wurzeln im Silicon Valley: „Wir haben hier quasi eine sozialistische Struktur, alle haben die gleichen Anreize. Das fördert die Teamarbeit.“ Aber nur wenn alle von einer Idee überzeugt sind, investieren die Partner.

In der Szene hat sich Hommels schon als Manager bei Bertelsmann, AOL und Freenet einen Namen gemacht. „Er ist einer der Veteranen der deutschen Internet-Szene und hat auch in den schweren Jahren an die Möglichkeiten des Mediums geglaubt“, sagt Frank Böhnke, General Partner beim renommierten Münchener Venture-Capital-Haus Wellington Partners. „Hommels ist eine Ausnahmefigur, einer, der immer vorausdenkt“, lobt er den Konkurrenten, mit dem er als Investor bei Open BC/Xing zusammenarbeitet.

Und Vorausdenker Hommels, der von Europas Wagniskapital-Zentrum London aus agiert, sieht viele neue Internet-Trends aus Asien kommen. „Asiatische Internet-Firmen werden hier in fünf Jahren als Firmenkäufer auftreten“, prognostiziert Hommels. Er hat sich bereits vor drei Jahren nach China aufgemacht, um dort Kontakte zu jungen Unternehmern zu knüpfen. „Ich war da der Quoten-Europäer“, merkt er mit einem Grinsen an.

Doch es sei gar nicht so schwer gewesen, an die richtigen Leute heranzukommen. „Chinesische Unternehmer machen noch im Zweifel einen Termin, auch wenn sie einen nicht kennen – sie wissen noch nicht, wie wichtig sie sind“, sagt er. In China seien Internet-Plattformen für den Endkonsumenten besonders interessant. Die schiere Größe des Marktes mache sie auch dann lukrativ, wenn sie nur einen kleinen Umsatz pro Kunden einbrächten.

Auch Osteuropa ist seiner Meinung nach bisher von den Investoren vernachlässigt. Dort sei eine Reihe guter Teams zu Zehn-Mann-Firmen herangewachsen. Doch auch hier mangele es oft an der Kombination von technischer Expertise und unternehmerischem Denken. Die sieht er in Europa am stärksten in Skandinavien realisiert – da ist es wohl kein Zufall, dass Klaus Hommels dort am meisten investiert.

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