_

Prozessauftakt: Bernard Madoff: Im Licht des Büßers

Es ist der spektakulärste Betrugsprozess aller Zeiten. Allein schon deshalb, weil es um solche Summen noch nie gegangen ist bei einem einzelnen „Guru“. Bernhard Madoff hat gleich zu Beginn der Gerichtsverhandlung seine Schuld eingestanden und sich entschuldigt. Die Richter blieben dennoch hart.

von Rolf Benders und Christine Mattauch
Bernard Madoff bei seinen letzten Schritten in Freiheit (Foto: Reuters) Quelle: Reuters
Bernard Madoff bei seinen letzten Schritten in Freiheit (Foto: Reuters) Quelle: Reuters

NEW YORK. Deborah Schwartz gehört zu den Ersten, die auf den Gierigsten unter den Gierigen warten. Es ist kurz nach sechs Uhr in der Früh, noch hüllt die Dämmerung das Gerichtsgebäude in der Pearl Street von Manhattan ein. Vier Stunden sind es noch bis zum Prozessbeginn, aber Schwartz, eine Dame in gesetztem Alter mit dünnrandiger Brille, will den Moment der Abrechnung um nichts in der Welt verpassen. "Ich wollte nicht am nächsten Morgen aufwachen und die Geschichten aus zweiter Hand hören", sagt sie.

Anzeige

Der Tag wird ein historischer werden, einer, an dem die Gerechtigkeit an der Wall Street Einzug hält. Endlich. Bernard Madoff ist dran.

Zwei Drittel ihrer Ersparnisse hat Deborah Schwartz verloren, weil sie im Februar 2008 bei Madoff investiert hatte. Die Lady ist voller Zorn, sie fordert Vergeltung. "Er sollte alles verlieren, wie seine Kunden. Man sollte ihn wegsperren bis ans Lebensende. Nur einfache Kleidung und Essen soll er kriegen." Das bringe ihr zwar ihr Geld nicht zurück, sei aber nur gerecht.

Ein silberfarbener Geländewagen fährt vor, Madoff steigt aus. Er ist so akkurat wie immer gekleidet: grauer Anzug, passende Krawatte. Die grauen Haare sind zurückgekämmt und kräuseln sich im Nacken. Ein Wall-Street-Star vom Scheitel bis zur Sohle. Madoffs Gesicht ist wie betoniert, die Augen blicken starr geradeaus. Zwei Leibwächter flankieren den 70-Jährigen auf dem kurzen Weg zum Gerichtsgebäude. Es sind die letzten Schritte Bernard Madoffs in Freiheit.

Als drinnen im Saal vor Richter Denny Chin die Abrechnung beginnt, geht alles ganz schnell. Der Mega-Betrüger bekennt sich schuldig. Wertpapierbetrug, Urkundenfälschung, Computerbetrug, drei Fälle von Geldwäsche, Meineid, insgesamt elf verschiedene Straftaten. "Mir ist schmerzlich bewusst, dass ich viele Menschen tief verletzt habe", sagt Madoff mit leiser Stimme im Gerichtssaal. Er habe immer gewusst, dass er die Gesetze breche. "Es tut mir sehr leid. Ich schäme mich."

Das Wörtchen "schuldig" spricht Madoffs Mund gleich elfmal aus. Richter Chin akzeptiert das Geständnis. Am 16. Juni will er die Strafe bekanntgeben - bis zu 150 Jahre Gefängnis könnten es sein.

Fast 65 Milliarden Dollar hat Madoff veruntreut, mit dem größten Schneeballsystem der Finanzgeschichte. Die Opfer, von denen manche vor dem persönlichen Bankrott stehen, formulieren diesen Superlativ mit Wut und Abscheu. Sie hassen den Mann, dem sie einst vertrauten; sie freuen sich, dass er nun bestraft wird.

Doch in diesem Gerichtssaal in Manhattan geht es um mehr als um eine Opfer-Täter-Beziehung. Für viele Amerikaner ist Madoff der Inbegriff von Verantwortungslosigkeit und Gier - jenen Charakterzüge, die nach Ansicht vieler zur Finanz- und Wirtschaftskrise führten. Jene Täter sind größtenteils gesichtslos, anonyme Investmentbanker oder Immobilienverkäufer, die so lange immer riskantere Geschäfte machten, bis Amerikas Bankensystem - und mit ihm das der ganzen Welt - in den Abgrund blickte.

  • Die aktuellen Top-Themen
Logistikspezialist: Rollen, die die Welt bewegen

Rollen, die die Welt bewegen

Im Schatten des Internethandels ist der Fördertechnikhersteller Interroll zum weltweit gefragten Anbieter geworden. Seine Stärke sind robuste und feingesteuerte Systeme - mittlerweile auch jenseits der Versandbranche.

Solarenergie: Sonne liefert Deutschland so viel Strom wie 20 AKWs

Sonne liefert Deutschland so viel Strom wie 20 AKWs

Energiewende und sommerliches Wetter machen es möglich: Deutschland hat eine neue Spitzenleistung bei der Sonnenenergie erreicht. Die Solaranlagen im Bundesgebiet produzierten am Freitagmittag rund 20.000 Megawatt Strom.

Übersee-Stahlwerke: Thyssen-Krupps US-Tochter schwächelt

Thyssen-Krupps US-Tochter schwächelt

Thyssen-Krupps US-Stahltochter schreibt rote Zahlen - und das scheint sich auch in Zukunft nicht zu ändern. Vorstandschef Heisinger glaubt kaum an Besserung, die Entwicklung hänge vor allem von den Stahlpreisen ab.

  • Video

Global 3000 Die Fischer von Limbé

Für die Fischer an Kameruns Küsten werden die Aussichten immer schlechter. Es gibt immer weniger Fische, ausländische Trawler haben die Gewässer fast leer gefischt. Auch die kleine Stadt Limbé leidet unter der Krise.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläen – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR FIRMENVERKÄUFE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.