
DÜSSELDORF. So uninformiert will Ulrich Hartmann sicher nicht noch einmal erscheinen. Es ist ein Tag im Mai, und Hartmann sagt als Ex-Aufsichtsratschef der gescheiterten Mittelstandsbank IKB aus. Für seine Antworten nimmt er sich Zeit. Aber auch das verbessert das Bild nicht, das die Richterin über seine Leistung als Kontrolleur der Bank erhält. Hartmann berichtet von der Aufsichtsratssitzung einen Monat vor dem Beinahe-Crash der Bank im Juli 2007. Verbriefte US-Hypothekenkredite beunruhigen die Finanzbranche. Aber Bankchef Stefan Ortseifen habe auf die Fragen des Aufsichtsrats nur "nichtssagende Antworten gegeben". Und doch, so Hartmann: "Wir waren alle beruhigt."
Die Vorsitzende Richterin Brigitte Koppenhöfer schüttelt zwei Monate später bei der Urteilsverkündung noch einmal den Kopf über den Chefkontrolleur Hartmann, der bis zur Pleite der Düsseldorfer Skandalbank IKB noch nicht einmal wusste, was überhaupt in den milliardenschweren Verbriefungsgesellschaften an Krediten steckte.
So ein Debakel darf Hartmann nicht mehr passieren. Deshalb erwarten Beobachter, dass er als Aufsichtsratschef der mächtigen RAG-Stiftung beim Streit über die Geschäftspraktiken von Vorstandschef Wilhelm Bonse-Geuking jetzt genau hinschaut - und notfalls durchgreift. Bonse-Geuking wird vorgeworfen, beim Verkauf des 25-Prozent-Anteils am Mischkonzern Evonik dem britischen Finanzinvestor CVC Sonderrechte eingeräumt und darüber die Kuratoren falsch oder unzureichend informiert zu haben.
Hartmann will jetzt offenbar für Klarheit sorgen bei der mächtigen Kohlestiftung, die über ein Milliardenvermögen verfügt und Mehrheitseigner von Evonik ist. Spätestens Anfang September will er das Kuratorium nach Handelsblatt-Informationen zur außerordentlichen Sitzung einberufen. Dann geht es auch um seine eigene Rolle beim Verkauf an CVC und sein Renommee als Kontrolleur.
Hartman ist eigentlich niemand, der vor großen Entscheidungen zurückscheut. Der Mann mit den interessierten und fordernden Augen bewies in seiner Karriere immer wieder Mut. So war er von 1995 an etwa zehn Jahre lang der Gestalter der deutschen Energiewirtschaft. Damals trieb er als Vorstandschef des Düsseldorfer Veba-Konzerns die Fusion mit der Münchener Viag zum Eon-Konzern voran.
Alles wäre okay, wenn nicht überall Gelder der Allgemeinheit verplempert würden.
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