
DÜSSELDORF. Er hätte wissen müssen, was für Folgen seine Worte haben können, aber er sprach sie trotzdem aus. Jetzt muss der Unternehmer Eginhard Vietz den Preis für seine Offenheit zahlen. Die Staatsanwaltschaft Hannover durchsuchte gestern mit 18 Beamten seine Firma, drei weitere Kollegen sein Privathaus. Ihr Auftrag: Beweise für jahrelange Schmiergeldzahlungen von Vietz an ausländische Auftraggeber finden. Ihr Tippgeber: Vietz selbst.
Zehn Tage ist es her, dass Eginhard Vietz sich in einer Art und Weise ins Visier der Staatsanwaltschaft drängte, wie es in der Geschichte der deutschen Wirtschaft wohl einmalig ist. Offen und ohne jede Zurückhaltung erklärte der Mittelständler in einem Handelsblatt-Interview, dass es "nun einmal Länder gibt, in denen es nicht anders geht", als seine Auftraggeber, meist Staatsfirmen, zu schmieren. Dann schilderte er sein Vorgehen im Detail: "Das läuft in der Regel ganz ordentlich. Da kommt dann eine Rechnung, auf der steht: Vermittlungsprovision. Und dann ist da ein Konto in der Schweiz angegeben, und dahin wird das Geld überwiesen."
Umgehend nach Erscheinen des Interviews beantragte die Staatsanwaltschaft einen Durchsuchungsbefehl beim Amtsgericht. Zusätzliche Überzeugungsarbeit beim Richter war überflüssig, die Beamten erhielten umgehend grünes Licht. Gestern kam der Bürobetrieb bei Vietz durch die Durchsuchung zum Erliegen. Die Beamten nahmen kartonweise Akten mit.
Der massive Aufmarsch der Staatsgewalt traf den gestandenen Unternehmer gestern Morgen tief. "Das Vorgehen der Staatsanwaltschaft ist ein Skandal. Ich fühle mich, als wäre ich ein Verbrecher. Ich bin komplett am Boden", sagte der 69-Jährige dem Handelsblatt.
Vietz verfügt über beste Beziehungen
Der Fall Vietz könnte hohe Wellen schlagen. Denn der Niedersachse ist nicht irgendein Unternehmer in Deutschland. Der Rohrleitungsspezialist verfügt über beste Verbindungen bis in die höchsten Spitzen der deutschen Politik. Erst im Februar begleitete er den damaligen niedersächsischen Ministerpräsidenten und heutigen Bundespräsidenten Christian Wulff bei einer Delegationsreise in die Vereinigten Arabischen Emirate, und 2009 war Vietz mit dem damaligen Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg in Abu Dhabi und Saudi-Arabien unterwegs. Fotos aus demselben Jahr zeigen ihn zudem in angeregtem Gesprächen mit dem damaligen Außenminister Frank-Walter Steinmeier und Bundesfinanzminister Peer Steinbrück. Und 2006 ließ sich Bundeskanzlerin Angela Merkel strahlend mit ihm auf der Hannover-Messe fotografieren.
Auch dies mag erklären, warum es trotz der spektakulären Korruptionsbekenntnisse von Vietz kaum öffentliche Reaktionen gab. Verbände wie Transparency International äußerten zwar Kritik, offizielle Abmahnungen jedoch gab es nicht. Vietz selbst sagt, er habe sowohl von Unternehmern als auch Politikern Zustimmung erfahren. Alle wüssten, dass man schmieren muss, um in Ländern wie Nigeria oder Russland an Aufträge zu kommen. Auch gegenüber dem Handelsblatt äußerten Manager diese Meinung, zitieren lassen wollte sich jedoch niemand. Offizielle Stellen wie der Deutsche Industrie- und Handelskammertag und das Auswärtige Amt reagierten auf konkrete Fragen zum Fall Vietz nur mit pauschalen Aussagen zum Kampf gegen Korruption und zur Ausarbeitung von Verhaltenskodexen.
Eginhard Vietz selbst hat sich schon am Nachmittag nach der Durchsuchung wieder gefangen und kündigt an, noch stärker für seine Position einzutreten. "Die Ungerechtigkeit, die mir hier widerfährt, ärgert mich maßlos. Wir haben vor allem amerikanische Unternehmen als Konkurrenz, und die Amerikaner schmieren weltweit wie die Teufel. Da kann ich nicht als Saubermann agieren. Das ist die Wahrheit, die keiner hören will."
Nach Angaben der Staatsanwaltschaft drohen Vietz nun bis zu fünf Jahre Haft pro Bestechungsfall. Dazu Vietz: "Ich habe mir nichts vorzuwerfen. Wenn es sein muss, gehe ich eben ins Gefängnis."
in einer idealen Welt gibt es keine Korruption und keine Vebrecher.
in der realen Welt ist es mir lieber, wenn Deutsche Arbeit haben, weil sie Schmiergeld bezahlen, als das Amerikaner arbeiten, weil die Deutschen nicht zahlen.
Es ist übrigens bezeichnend, das sich die Staatsanwaltschaft auf den Unternehmer konzentriert - und nicht auf die geschmierten Firmen.
Unglaublich wie primitiv hier argumentiert wird und Straftaten gut geheissen werden. Das Hauptargument scheint auf "du verstehst nicht was in der Welt los ist" begrenzt.
Es wurde doch gar nicht bezweifelt, dass Schmiergeldzahlungen alltaeglich seien. Darauf eine Argumentation aufzubauen ist etwas laecherlich.
Das Problem liegt daran, ob man sich darauf einlaesst. Wenn in der Geschichte der Menschheit jeder nach dem Motto "das ist halt so" gedacht haette, wuedern wir heute noch in Hoehlen wohnen.
Fuer eine richtige Moral einzustehen scheint unter den Moechtergerns hier nicht viel Wert zu haben. ich glaube, dass genau diese Einstellung verdaechtig ernstinnig deutsch ist und eben diese Leute ein bisschen weltoffener und weitsichtiger denken sollten.
ich lebe in China und habe noch nie bestochen. Trotzdem zahlen ich vermutlich monatlich mehr Steuern als das Herr Vietz im Jahr verdient. Es geht also auch ohne und jeder der glaubt, dass Schmiergelder notwendig waeren tut mir leid.
@No.7 ich versuchs nochmal:
Und ich geb dir sogar Recht! Auch mir als Arbeitnehmer paßt vieles nicht, was Arbeitgeber da mit ihren Angestellten anstellen. Auch ich kenne die ich nenns mal "Auspressmethoden", wenn ich auch nicht persönlich drunter leiden mußte (die Lebensgefährtin dagegen schon). Auch ich kann sehen, was shareholder value anrichtet: Vergiftete Hirne mit auschließlicher Ausrichtung auf Profit, kein Gedanke mehr an Qualität (der Produkte, des Arbeitsplatzes usw.), von Moral will ich hier gar nicht reden....
Aber das alles ist hier nicht Thema, Mr. Seven!
Das passiert in Foren immer: Da wird plötzlich philosophiert und vom Thema abgeschweift, daß sich die balken biegen.
Fakt ist: Wir wissen nicht, wie der Unternehmer Vietz sich seinen Angestellten gegenüber verhält. ist er fair oder ein Ausquetscher? Keine Ahnung! Und zwar ich nicht und du auch nicht! Also muß man das dann ausklammern bei der Diskussion über die Frage ob er in den Knast gehört oder nicht.
Fakt ist außerdem, daß er eine Situation beschreibt, die in einigen Ländern nicht als Korruption negativ beurteilt wird, sondern zum Geschäftsleben dazugehört. Wenn er dort Geschäfte machen will (und ich mach jetzt hier nicht die Schleife auf: "...damit er seine Arbeiter besser bezahlen kann oder sich den 4. Porsche vor die Tür stellen kann), muß er das "Spiel" mitspielen. Von Politikseite bzw. Staatsanwaltschaft dann so zu tun, als ob das Unrecht wäre oder gar eine Überraschung, ist dämlich! Hauptsache die Exportstatistik stimmt, aber ach, mit solchen Methoden, nein das wolln wir natürlich nicht. DOCH!! Das wollen wir schon! Als Land, welches viel exportieren muß, müssen wir auch blech in den Ellenbogen haben, damit wir unseren Teil vom Kuchen abkriegen.
Und ich stimme dir nochmal zu, N0.7, die ganze Haz nach dem Geld ist eklig. Aber du bist für Gleichmacherei, oder? Alle sollen mit wenig Geld zufrieden sein und ansonsten den lieben Gott 'n guten Mann sein lassen. Wär vielleicht nicht schlecht, aber die Menschen und ihre Motivationen sind nun mal unterschiedlich und das ist auch gut so.
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