
DÜSSELDORF. Auf der Beerdigung seines Vaters hatte Christoph Mohn seinen letzten großen Auftritt. Von einem anthrazitfarbenen Rednerpult und umrahmt von Zypressen blickte er in der Gütersloher Stadthalle auf die tausendköpfige Trauergemeinde hinab. Er sprach in dieser schweren Stunde mit fester Stimme und ließ erahnen, dass er die Familientradition fortsetzen will: "Die Identifikation mit dem Unternehmen war immer Teil seines Lebens und damit unserer Familie."
Zehn Monate nach dem Tod seines Vaters und Bertelsmann-Patriarchen lässt Christoph Mohn jetzt Taten sprechen: Er steigt zum alleinigen Vorstand der Reinhard-Mohn-Stiftung auf. Der einstige Internetunternehmer arbeitet damit an seinem Comeback als Unternehmer und macht sich bereit, in die Fußstapfen seines Vaters als Stifter zu treten. Der gründete die Bertelsmann-Stiftung, nachdem er aus dem Buchverlag Europas größten Medienkonzern aufgebaut hatte.
Die neue Reinhard-Mohn-Stiftung, die Christoph Mohn jetzt führt, soll in wenigen Wochen ihre Arbeit aufnehmen. Derzeit heißt sie offiziell noch RM-Stiftung. Doch die Stiftungsaufsicht hat die Zustimmung zur Umbenennung der RM-Stiftung in Reinhard-Mohn-Stiftung signalisiert. Eine notwendige Satzungsänderung sei bereits in Vorbereitung, heißt es in Gütersloh.
Die ursprünglich schon vor vier Jahren von Reinhard Mohn gegründete Stiftung wird künftig vor allem Projekte in Ostwestfalen, der Heimatregion der Mohns, fördern. Ein erstes Projekt von Christoph Mohn soll demnächst starten, hieß es gestern bei Bertelsmann. Der Etat zu Beginn der neuen Konzernstiftung wird bei rund einer halben Million Euro liegen. Laut Gunter Thielen, Bertelsmann-Aufsichtsratschef und Vorstand der Bertelsmann Stiftung, lasse die Satzung der Reinhard-Mohn-Stiftung ein "breites Tätigkeitsspektrum" zu. Sie soll sich um die Bereiche Bildung, Kultur und Völkerverständigung kümmern sowie soziale Einrichtungen fördern.
Im Bertelsmann-Management kennen die meisten Christoph Mohn bisher nur als Internetpionier. Als Gründer und Vorstandschef von Lycos Europe fehlte ihm die nötige Fortune. Der schwarze Labrador, das Firmenmaskottchen, hatte ihm kein Glück gebracht. Seit dem Börsengang im Jahr 2000 hat seine Firma über eine halbe Milliarde Euro verloren. 500 Mitarbeiter mussten gehen. Im November 2008 beendete Lycos Europe die Geschäftstätigkeit.
Die Voraussetzungen für sein Comeback wurden bei Bertelsmann in aller Stille und mit Hilfe des konzerneigenen Experten Erkan Uysal geschaffen, der ein enger Vertrauter der Familie und intimer Kenner der verschachtelten Struktur des Bertelsmann-Konzerns von Holdings, Verwaltungsgesellschaften und Beteiligungsfirmen ist. Der promovierte Jurist ist Leiter des Bertelsmann-Aufsichtsratsbüros und fungiert jetzt als Stellvertreter von Christoph Mohn.
Laut einem Auszug aus dem Handelsregister des Amtsgerichts Gütersloh, der dem Handelsblatt vorliegt, ist Christoph Mohns Schwester Brigitte Mohn am 28. Juni aus der "RM-St-Holding KG" ausgeschieden. Diese Abkürzung steht für Reinhard-Mohn-Stiftung. "Ihren Gesellschaftsanteil mit Komplementärfunktion" hat ihr Bruder Christoph Mohn kurz vor seinem 45. Geburtstag übernommen.