Gespannt ist das Hauptversammlungspublikum natürlich auch, ob vielleicht noch ein weiterer der insgesamt acht neuen Vorstandsvorsitzenden im Dax sich als Rednertalent erweist und frischen Schwung in die oft zähen Veranstaltungen bringt. In der zweiten Hälfte der Hauptversammlungssaison haben dazu noch die Chance: Elmar Degenhart, der den niedersächsischen Reifenhersteller Continental in den Dax gehievt hat. Axel Heitmann, CEO des kürzlich in den Dax aufgestiegenen Spezialchemiekonzerns Lanxess, und Rice Powell, der beim Medizintechnik-Konzern Fresenius Medical Care in die Fußstapfen seines Landsmanns, des Amerikaners Ben J. Lipps, tritt. Erstmals wird zudem das zweite Chef-Duo des Dax, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, gemeinsam ein Aktionärstreffen der Deutschen Bank bestreiten. Ob und wie sich der Deutsche und der gebürtige Inder mit dem britischen Pass die Präsentation am 23. Mai in Frankfurt teilen, wird mit Spannung erwartet.
Ein Newcomer, der eindeutig einen Fehlstart hingelegt hat, ist Stefan Heidenreich. Am gleichen Tag wie Shooting-Star Peter Terium feierte er Premiere auf dem Beiersdorf-Aktionärstreffen im Hamburger Congress Centrum. Auch er überraschte sein Publikum – allerdings negativ: Mit einem Vortrag von nur 14 Minuten hielt er die kürzeste Hauptversammlungsrede aller Zeiten. Üblicherweise sprechen Vorstandsvorsitzende zwischen 45 und 60 Minuten.
„Die Aktionäre merkten zwar sofort, dass nach dem zögerlichen Thomas B. Quaas mit Heidenreich ein neuer Management-Stil an der Konzernspitze Einzug gehalten hat: Schnell und entschlossen will der neue Beiersdorf-Chef die angestaubte Kosmetikmarke global strategisch besser positionieren. Doch wie die einzelnen Maßnahmen dazu im Detail aussehen sollen, das ließ sich in gerade mal 1544 Worten nicht hinreichend klar und Überzeugend darlegen. „Mit einer Verständlichkeitsnote von 2,8 war Heidenreichs Rede schlecht“, urteilt Frank Brettschneider.
Zum Träger der roten Laterne avancierte Neuling Heidenreich dennoch nicht. Schlusslicht des Rhetorik-Rankings ist noch immer Wolfgang Reitzle. Seine Zuhörer malträtierte der Linde-Chef mit langatmigen Schachtelsätzen, gespickt mit Fachvokabular. Dafür gab es 2012 gerade mal einen einzigen Punkt. Und auch stilistisch reichte es gerade eben für ein „befriedigend“. Nur noch eine Nuance langatmiger und unfokussierter, dann hätte es geheißen „der Stil weist deutliche Mängel auf“. Man darf gespannt sein, ob der Diplom-Ingenieur sich vor seinem Abschied von der Unternehmensleitung in diesem Jahr noch verbessern kann. Versierte Nachhilfe könnte er ja durchaus einfach bekommen – von seiner Ehefrau, der Fernsehmoderatorin Nina Ruge.