Doch das Halbzeit-Ranking der aktuellen Hauptversammlungssaison hält noch mehr Überraschungen bereit. Nachdem die ersten 15 Chefs der 30 größten deutschen Unternehmen ihren Auftritt vor den Aktionären hatten, lautet das Fazit von Wissenschaftler Frank Brettschneider: „Im Schnitt haben wir insgesamt bessere Reden als im Vorjahr erlebt.“ Der Verständlichkeitsgrad insgesamt steigerte sich von 3,8 Punkten auf 5,1 und somit auf ein mittleres Niveau.
Dazu trug unter anderem Peter Terium bei. Auf Anhieb gelang es dem neuen RWE-Chef, sich in Sachen Verständlichkeit hinter Bock auf Platz zwei zu etablieren. Mit seinen 6,9 Punkten in der A-Note ließ Terium auch seinen Vorgänger, den poltrigen Atom-Dino Jürgen Großmann, deutlich hinter sich.
Großmann erzielte 2012 mit seiner Abschiedsrede 5,7 Punkte. Gewandt legte der Niederländer, der akzentfrei Deutsch spricht, vor den Anteilseignern in der Essener Gruga-Halle Rechenschaft über Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe und Stellenabbau ab. Zudem reagierte Terium souverän auf einen Störversuch von Umweltaktivisten. Er ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen, blieb höflich und verwies die Demonstranten auf die spätere Aussprache.
Mit diesem Auftritt platzierte sich Terium vor Daimler-Spitzenmanager Dieter Zetsche, der sich von Platz vier in 2012 mit diesmal insgesamt 6,6 Punkten in der A-Note auf Rang drei vorarbeitete. Auch wenn eines der vier längsten Worte der ersten Halbzeit – „Brennstoffzellen-Antrieb-Strang“ – von ihm stammt: Zetsches Vortrag enthielt insgesamt deutlich weniger Worthülsen, Monster-Sätze oder Fach-Chinesisch als im Jahr zuvor, als er 5,8 Punkte erreichte. Zusammen mit unveränderten 65 Punkten für seinen Vortragsstil könnte es für den Chef des Stuttgarter Automobilkonzerns trotzdem noch eng werden, seinen bisherigen dritten Platz zu verteidigen. Denn in der zweiten Halbzeit treten noch ernstzunehmende Gegner wie Norbert Reithofer von BMW - die Vorjahres Nummer zwei im Gesamtklassement – an.