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Rhetorik-Ranking 2013: Zur Halbzeit ein neuer Spitzenredner

Die Hälfte der Dax-30-Chefs sind in dieser Saison auf der Hauptversammlung ihrer Aktionäre aufgetreten. Unser Rhetorik-Ranking zur Halbzeit präsentiert einen „Herbstmeister“, der den Vorjahressieger hinter sich lässt.

BASF-Vorstandschef Kurt Bock schwingt sich – zumindest in der Halbzeitauswertung – zum besten Dax-Redner auf. Quelle: dpa
BASF-Vorstandschef Kurt Bock schwingt sich – zumindest in der Halbzeitauswertung – zum besten Dax-Redner auf. Quelle: dpa

DüsseldorfDamit hatte niemand gerechnet: BASF-Chef Kurt Bock, im Vorjahr im exklusiven Rhetorik-Ranking des Handelsblatts und der Uni Hohenheim gerade mal auf Platz 18 unter den 30 Dax-Vorstandsvorsitzenden gelandet, überrundet in dieser Hauptversammlungssaison den bisherigen Spitzenredner René Obermann. Der studierte Betriebswirt Bock löst damit zur Halbzeit unserer Auswertung René Obermann, den scheidenden Vorstandschef der Deutschen Telekom, als redegewandtesten Top-Manager ab.

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„Bocks Rede war solide, gut strukturiert und inhaltlich reichhaltig. Vor allem aber wandte er sich in gut verständlichen Worten an ein breites Publikum, nicht nur an Finanz- oder Branchen-Experten, wie das viele Top-Manager auf Hauptversammlungen immer noch tun“, sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider von der Uni Hohenheim. Der gebürtige Ostwestfale Bock hat sich in diesem Jahr sehr viel besser auf sein Publikum eingestellt. „Er hat nur wenig Fachchinesisch verwendet, dafür aber lebendige Beispiele gebracht und die Zuhörer spüren lassen, dass die Veranstaltung für ihn kein lästiger Pflichttermin ist“, sagt Brettschneider.

Das Computerprogramm des Kommunikationswissenschaftlers ermittelt, wie verständlich eine Rede ist. Es analysiert Satzbau, Fremdwortanteil, Abstraktheitsgrad, Wort- und Satzlängen und bewertet dann jede Rede auf einer Verständlichkeitsskala. Sie reicht von Null - der Vortrag ist etwa so unverständlich für den Durchschnittsbürger wie eine Doktorarbeit -, bis 10, was dem besonders hohem Verständlichkeitsgrad von Radionachrichten entspricht. Diese „A-Note“ bewertet sozusagen wie im Tanzsport die „Pflicht“. Außerdem hat Brettschneider eine Checkliste entwickelt, mit der sich der Stil eines Redners bewerten lässt. In Sachen „Kür“ können die Redner in zwei Teilbereichen „Relevanz und Aufbau“ sowie „Präsentationsform“ insgesamt 100 Punkte für ihre B-Note holen.

Rhetorik-Check 2013 Welche Dax-Manager die besten Reden halten

Die Hälfte der Dax-30-Chefs sind in dieser Saison auf der Hauptversammlung ihrer Aktionäre aufgetreten. Unser Rhetorik-Ranking zur Halbzeit präsentiert einen „Herbstmeister“, der den Vorjahressieger hinter sich lässt.

Rhetorik-Check 2013: Welche Dax-Manager die besten Reden halten

Bock schaffte 7,4 von 10 Punkten in der A-Note (nach nur 3,2 Punkten in 2012) und gute 80 von 100 Punkten für seinen Vortragsstil. 2012 reichte es gerade mal für 59 Punkte, was ihm damals mit Ach und Krach die Bewertung „der Stil genügt durchschnittlichen Anforderungen“ einbrachte. Zum Vergleich: René Obermann, der bekannt dafür ist, sehr persönlich, mitunter witzig, vor allem aber stets verständlich und anschaulich zu präsentieren, holte 2012 in der Pflichtübung „Verständlichkeit“ 7,2 und in der Kür 85 Punkte.

Doch das Halbzeit-Ranking der aktuellen Hauptversammlungssaison hält noch mehr Überraschungen bereit. Nachdem die ersten 15 Chefs der 30 größten deutschen Unternehmen ihren Auftritt vor den Aktionären hatten, lautet das Fazit von Wissenschaftler Frank Brettschneider: „Im Schnitt haben wir insgesamt bessere Reden als im Vorjahr erlebt.“ Der Verständlichkeitsgrad insgesamt steigerte sich von 3,8 Punkten auf 5,1 und somit auf ein mittleres Niveau.

Dazu trug unter anderem Peter Terium bei. Auf Anhieb gelang es dem neuen RWE-Chef, sich in Sachen Verständlichkeit hinter Bock auf Platz zwei zu etablieren. Mit seinen 6,9 Punkten in der A-Note ließ Terium auch seinen Vorgänger, den poltrigen Atom-Dino Jürgen Großmann, deutlich hinter sich.

Großmann erzielte 2012 mit seiner Abschiedsrede 5,7 Punkte. Gewandt legte der Niederländer, der akzentfrei Deutsch spricht, vor den Anteilseignern in der Essener Gruga-Halle Rechenschaft über Sparmaßnahmen in Milliardenhöhe und Stellenabbau ab. Zudem reagierte Terium souverän auf einen Störversuch von Umweltaktivisten. Er ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen, blieb höflich und verwies die Demonstranten auf die spätere Aussprache.

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Vergütungsvergleich Die Gehaltsrangliste der Dax-Chefs

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Mit diesem Auftritt platzierte sich Terium vor Daimler-Spitzenmanager Dieter Zetsche, der sich von Platz vier in 2012 mit diesmal insgesamt 6,6 Punkten in der A-Note auf Rang drei vorarbeitete. Auch wenn eines der vier längsten Worte der ersten Halbzeit – „Brennstoffzellen-Antrieb-Strang“ – von ihm stammt: Zetsches Vortrag enthielt insgesamt deutlich weniger Worthülsen, Monster-Sätze oder Fach-Chinesisch als im Jahr zuvor, als er 5,8 Punkte erreichte. Zusammen mit unveränderten 65 Punkten für seinen Vortragsstil könnte es für den Chef des Stuttgarter Automobilkonzerns trotzdem noch eng werden, seinen bisherigen dritten Platz zu verteidigen. Denn in der zweiten Halbzeit treten noch ernstzunehmende Gegner wie Norbert Reithofer von BMW - die Vorjahres Nummer zwei im Gesamtklassement – an.

Gespannt ist das Hauptversammlungspublikum natürlich auch, ob vielleicht noch ein weiterer der insgesamt acht neuen Vorstandsvorsitzenden im Dax sich als Rednertalent erweist und frischen Schwung in die oft zähen Veranstaltungen bringt. In der zweiten Hälfte der Hauptversammlungssaison haben dazu noch die Chance: Elmar Degenhart, der den niedersächsischen Reifenhersteller Continental in den Dax gehievt hat. Axel Heitmann, CEO des kürzlich in den Dax aufgestiegenen Spezialchemiekonzerns Lanxess, und Rice Powell, der beim Medizintechnik-Konzern Fresenius Medical Care in die Fußstapfen seines Landsmanns, des Amerikaners Ben J. Lipps, tritt. Erstmals wird zudem das zweite Chef-Duo des Dax, Jürgen Fitschen und Anshu Jain, gemeinsam ein Aktionärstreffen der Deutschen Bank bestreiten. Ob und wie sich der Deutsche und der gebürtige Inder mit dem britischen Pass die Präsentation am 23. Mai in Frankfurt teilen, wird mit Spannung erwartet.

Großer Test 2012 Chefs im Rhetorik-Check: Von Klartext weit entfernt

Alle DAX-30-Chefs zeigten sich auf den Hauptversammlung 2012. Doch wer hat die beste Rede an die Aktionäre geliefert? Handelsblatt und die Uni Hohenheim machen den Rhetorik-Check - mit überraschendem Ergebnis.

Großer Test 2012: Chefs im Rhetorik-Check: Von Klartext weit entfernt

Ein Newcomer, der eindeutig einen Fehlstart hingelegt hat, ist Stefan Heidenreich. Am gleichen Tag wie Shooting-Star Peter Terium feierte er Premiere auf dem Beiersdorf-Aktionärstreffen im Hamburger Congress Centrum. Auch er überraschte sein Publikum – allerdings negativ: Mit einem Vortrag von nur 14 Minuten hielt er die kürzeste Hauptversammlungsrede aller Zeiten. Üblicherweise sprechen Vorstandsvorsitzende zwischen 45 und 60 Minuten.

„Die Aktionäre merkten zwar sofort, dass nach dem zögerlichen Thomas B. Quaas mit Heidenreich ein neuer Management-Stil an der Konzernspitze Einzug gehalten hat: Schnell und entschlossen will der neue Beiersdorf-Chef die angestaubte Kosmetikmarke global strategisch besser positionieren. Doch wie die einzelnen Maßnahmen dazu im Detail aussehen sollen, das ließ sich in gerade mal 1544 Worten nicht hinreichend klar und Überzeugend darlegen. „Mit einer Verständlichkeitsnote von 2,8 war Heidenreichs Rede schlecht“, urteilt Frank Brettschneider.

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Zum Träger der roten Laterne avancierte Neuling Heidenreich dennoch nicht. Schlusslicht des Rhetorik-Rankings ist noch immer Wolfgang Reitzle. Seine Zuhörer malträtierte der Linde-Chef mit langatmigen Schachtelsätzen, gespickt mit Fachvokabular. Dafür gab es 2012 gerade mal einen einzigen Punkt. Und auch stilistisch reichte es gerade eben für ein „befriedigend“. Nur noch eine Nuance langatmiger und unfokussierter, dann hätte es geheißen „der Stil weist deutliche Mängel auf“. Man darf gespannt sein, ob der Diplom-Ingenieur sich vor seinem Abschied von der Unternehmensleitung in diesem Jahr noch verbessern kann. Versierte Nachhilfe könnte er ja durchaus einfach bekommen – von seiner Ehefrau, der Fernsehmoderatorin Nina Ruge.

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