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Spitznamen: Frag Mutti, Major Tom - oder Dr. Z

Unternehmenschefs werden gern mit Spitznamen bedacht. Beispiele wie „Bulldozer“, „Zornröschen“ oder „Eiserner Ekki“ sagen aber nicht nur etwas über den Charakter ihres Trägers aus - sie nützen auch der Belegschaft.

Dieter Zetsche, alias „Dr. Z“, ist nicht nur Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler AG. Ihn umgibt zudem eine fast magische Aura. Quelle: dpa
Dieter Zetsche, alias „Dr. Z“, ist nicht nur Vorstandsvorsitzender des Stuttgarter Automobilkonzerns Daimler AG. Ihn umgibt zudem eine fast magische Aura. Quelle: dpa

DüsseldorfAngela Merkel dürfte wenig erfreut gewesen sein. „Oder Du fragst Mutti, ob Sie Dir das arrangieren kann“, mailte Investmentbanker und CDU-Mitglied Dirk Notheis, Chef von Morgan Stanley Deutschland, an seinen Spezi Stefan Mappus, damals Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Die Mails des EnBW-Deals wurden nun publik. Und mit „Mutti“ war keine Geringere gemeint als die Kanzlerin. Immerhin avancierte Merkel von Kohls „Mädchen“ zur „Mutter der Nation“, wenn auch mit despektierlichem Unterton.

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Seit jeher erfinden Menschen Spitz-, Neck- oder Spottnamen für die Oberen. Wie eine Karikatur überspitzen diese ein typisches Wesensmerkmal, spießen Schwächen oder Stärken auf. Beinamen wie Iwan der Schreckliche, Richard Löwenherz oder Heinrich der Ohnmächtige sprechen für sich. „Der Spitzname bringt auf den Punkt, was man von einer Person erwarten kann, wie man auf sie reagieren muss“, sagt der Wiener Psychoanalytiker und Humorforscher Alfred Kirchmayr.

Auch Unternehmensfürsten, oft mächtiger als Staatsobere, werden mit vielsagenden Neck- und Spottnamen bedacht. „Zornröschen“ ist zwar eine cholerische Chefin, aber keine, die zu fürchten wäre. Der „Generaldirektor“ delegiert gerne großspurig. „Für die Psychohygiene in Unternehmen sind Spitznamen extrem wichtig“, betont Kirchmayr. Denn sie sind ein wichtiges Ventil für Ärger, Aggression und Neid. Die meisten Chefs ahnen gar nicht, wie sie in den Kaffeeküchen firmieren. „Dabei könnten sie viel über sich und ihre Schwächen erfahren und sich ändern“, sagt der Humorforscher.

Die Fallstricke der Spitznamen

  • Beispiel

    Selbst wenn die Spitznamen der Bosse auf den Fluren in aller Munde sind - Mitarbeiter sollten auf der Hut sein. Als einem Chef zugetragen wurde, dass ein unliebsamer Angestellter ihn „Quasimodo“ und seine Frau „Miss Piggy“ nannte, erhielt dieser eine fristlose Kündigung.

  • Rechtliche Lage

    Laut Bundesarbeitsgericht kann eine grobe Beleidigung des Arbeitgebers eine außerordentliche Kündigung rechtfertigen. „Das gilt auch, wenn der Spitzname im Betrieb gebräuchlich war und dem Betroffenen nur indirekt zu Ohren kam“, sagt Arbeitsrechtler Christian Hoefs, Partner der Kanzlei Hengeler Mueller. Genauso heikel ist es, auf einer privaten Party vor Kollegen beleidigende Namen für den Chef zu äußern. Auch vor dem Gebrauch von Spitznamen in Mails kann Anwalt Hoefs nur warnen. Und wer in sein Outlook-Adressverzeichnis Spitznamen eingibt, sollte wissen: Sie werden dem Empfänger genauso angezeigt.

  • Ausnahme

    Ein Einzelhandelskaufmann aus Rheinland-Pfalz titulierte seinen Vorgesetzten als „Wichser“ - und erhielt dafür die Kündigung. Trotzdem ging der Ausfall für den Angestellten glimpflich aus. Denn das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz in Mainz erklärte die Kündigung für nicht rechtens (Az: 2 Sa 232/11). Nach Meinung des Gerichts ist auch bei grober Beleidigung eines Vorgesetzten eine Abmahnung sinnvoll, wenn zu erwarten sei, dass sie ihre Wirkung auf den Mitarbeiter nicht verfehle und sich daher der Vorfall nicht wiederholen werde. Doch das Urteil wird wohl ein Einzelfall bleiben.

Als unbelehrbar erwies sich der „Gorilla“ - so hieß Richard Fuld, der als Chef von Lehman Brothers die halbe Welt in die Krise stürzte, wegen seiner dominant aggressiven Art. Das Alphatier kehrte den Spieß um: Er soll sich demonstrativ einen ausgestopften Gorilla ins Büro gestellt haben.

Der neue EADS-Chef Tom Enders steht zu seinem Spitznamen „Major Tom“. 15 Jahre lang war der schneidige Deutsche aktiver Reserveoffizier. „Ich habe viel an Führungsrüstzeug mitbekommen beim Bund“, sagte Enders der „Zeit“, angesprochen auf seinen Spitznamen. Viele Chef-Spitznamen werden Kult. Stahlmanager Ekkehard Schulz etwa, Ex-Chef von Thyssen-Krupp, hieß in der Branche nur „Eiserner Ekki“.

Auch Äußerlichkeiten können einen Spitznamen prägen: Bei BMW hieß der heutige Linde-Chef Wolfgang Reitzle wegen seines gezwirbelten Oberlippenbarts „Errol Flynn“.

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