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Star-Ökonom fordert: Neuorientierung der Wirtschaftswissenschaften

exklusiv Die Volkswirtschaftslehre offenbart in der Krise schwere Defizite, sagt Star-Ökonom Kenneth Rogoff . Der Ex-IWF-Volkswirt fordert mehr staatliche Investitionen - und eine Abkehr vom Glauben an den Privatkonsum..

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Düsseldorf
Der Star-Ökonom Kenneth Rogoff. Quelle: AP
Der Star-Ökonom Kenneth Rogoff. Quelle: AP

Die sehr eleganten ökonomischen Modelle, die die  akademische Welt seit Jahrzehnten dominierten, seien in der Praxis "sehr, sehr erfolglos" gewesen. "Sie schienen anständig zu funktionieren, solange die Welt ziemlich ruhig war", sagte der Harvard-Professor und ehemalige Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds im Gespräch mit dem Handelsblatt (Montagsausgabe). "Doch als der große Schock kam, erwiesen sie sich als wertlos."

Das liegt nach Auffassung Rogoffs an den falschen Annahmen. "Die Grundüberzeugung hinter diesen Modellen, dass Märkte perfekt funktionieren und staatliche Eingriffe nur zu schlechteren Ergebnissen führen können, ist widerlegt", sagt er. Den USA empfiehlt er zum Beispiel, die extreme Konzentration auf den privaten Konsum zurückzufahren und den Staat wieder mehr investieren zu lassen, etwa in Bildung und Gesundheit.

Streitbare Querköpfe „Unkalkulierbare Risiken für die ganze Gesellschaft“

  • Streitbare Querköpfe: „Unkalkulierbare Risiken für die ganze Gesellschaft“
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Rogoff fordert in dem Interview eine Neuorientierung der Wirtschaftswissenschaften. "Nun ist die Zeit für mehr Experimente gekommen, für die Erforschung der Unvollkommenheit von Märkten", sagt er. Doch der Ökonom, der mit dem Buch "Dieses Mal ist alles anders" einen Bestseller gelandet hat, dämpft die Erwartungen. "Es wird viel leichter sein, das bestehende System zu attackieren, als ein solides, neues System aufzubauen", sagt er voraus. Nach der Weltwirtschaftskrise der 1930er Jahre sei der Keynesianismus als neue Idee entstanden, doch er habe bis heute kein solides wissenschaftliches Fundament.

Rogoff ist einer der Hauptredner auf der am Montag in Frankfurt beginnenden Konferenz "Ökonomie neu denken", die das Handelsblatt zusammen mit dem Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft veranstaltet. Der Kongress ist die erste wissenschaftliche Tagung zur Krise der Volkswirtschaftslehre im deutschsprachigen Raum. Sie ist mit mehr als 250 Teilnehmern aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft seit Monaten ausgebucht.

  • 24.01.2012, 22:42 UhrAnonymer Benutzer: Rossi

    Wieso erwähnt der nette Herr Rogoff - welcher hier als Starökonom bezeichnet wird - nicht, dass diese ganzen Modelle nur unter einer Klausel funktionieren? Die Klausel lautet ceteris paribus! Lernt doch jeder BWL/VWL-Student im 1. Semester.

  • 24.01.2012, 11:25 Uhrjugen

    weil ihre Grundannahmen nicht Naturgesetzen folgen - also vom Mensch gemachte, irgendwelchen Theorien folgende, Annahmen sind die, siehe M. Friedman, nur einer bestimmten Bevölkerungsgruppe dienen sollen.
    Der große Rest zahlt die Rechnung, wie man sieht.

  • 23.01.2012, 17:51 UhrAnonymer Benutzer: HeHo

    Würde ich auch sehr begrüßen!

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