Köpfe

_

Strellson-Boss Reiner Pichler schultert die Krise: Der Beständige vom Bodensee

Strellson-Boss Reiner Pichler schultert die Krise. Auf seine ganz spezielle Weise. An Bewährtem festhalten und Neues wagen, das gehört auch zu den Fünfjahresplänen des Modemanagers, der auf der CPD derzeit wieder Mode für „die Macher von morgen“ zeigt.

von Inge Hufschlag (Handelsblatt)

KREUZLINGEN. Im lichten Strellson-Bau in Kreuzlingen am Bodensee begegnet man überall Kunst von Freunden des Hauses. Ein modernes Gebäude, doch einen Computer sucht man beim Chef Reiner Pichler vergebens. „Was soll ich damit?“ fragt er und antwortet gleich selbst: „Wann immer es geht, sollte der Dialog mit Kunden, Designern, vor allem Mitarbeitern persönlich sein und nicht virtuell.“ Aber einen Laptop hat er schon: „Wenn ich mal nachts oder am Wochenende arbeite.“

Anzeige

Ob er gegen die Krise in der Modebranche arbeite? Pichler wehrt ab: „Eine Krise ist immer auch eine Chance. Wir wachsen gegen den Branchentrend“. Die Hälfte des Umsatzes bescheren ihm Kunden aus der Schweiz und Deutschland. Strellson exportiert in 29 Länder und macht damit 85 Prozent seines Geschäfts. Über dessen Größe schweigen die Schweizer wie Fische im Bodensee. Es wird auf rund 150 Millionen Franken (107 Millionen Euro) geschätzt.

Während der Modemesse CPD in Düsseldorf zeigt Strellson an diesem Wochenende wieder Mode für „die Macher von morgen“. Ob die nach dem Börsencrash nicht von Gestern sind? Pichler winkt ab: „Macher gibt es immer.“ Für ihn sind das Männer zwischen 25 und 40, die auch wissen, was sie anziehen wollen: das schmale Hemd, den taillierten Anzug. Pichler: „Die wissen, dass Braun eine gute Farbe ist.“

Manchmal bringt Reiner Pichler ein Musterstück mit: „Neulich war’s ein alter Nadelstreifen – mit einer besonderen Schulter. Die kommt jetzt wieder.“ So was wird dann im Team (Durchschnittsalter: 33 Jahre) diskutiert. Trends sind Teamarbeit – und umgekehrt. Reiner Pichler: „Ich bin stolz auf jeden, der da ist.“

Die Mitarbeiter sind gleichzeitig Zielgruppe: „Wir machen Kleidung für uns selbst. So können wir die Bedürfnisse der Konsumenten besser beurteilen.“ Pichlers Lieblingsstück ist ein Sakko in Fischgrät-Leinen, acht Jahre alt. Seine Frau wollte es schon wegwerfen. Er hat’s gerettet.

An Bewährtem festhalten und Neues wagen, das gehört auch zu den Fünfjahresplänen des Modemanagers. Ganz oben steht die weitere Internationalisierung der Marke Strellson. Dafür ist der Strellson-Boss 120 Tage im Jahr unterwegs. China ist für ihn ein Riesenzukunftsmarkt: „Wir haben Erfolge in Taiwan.“ Auch an Russland ist der 40-Jährige sehr interessiert. Den amerikanischen Markt will Strellson von Kanada aus erobern.

An den Bodensee holten Pichler die Boss-Gründer Uwe und Jochen Holy. Die hatten 1984 den Schweizer Mantelschneider Friedrich Straehl & Co. AG gekauft, ausgebaut und vor zehn Jahren das Label Strellson etabliert. Seit 1999 gehört auch die junge US-Marke Tommy Hilfiger zum Haus, und an der Marke Joop ist Strellson jetzt auch beteiligt.

Da muss man mit den Marken jung bleiben, denn vorbei sind die Zeiten, in denen zuerst die Mutter, dann die Freundin und später die Ehefrau dem Mann morgens die Klamotten herauslegte. Pichler: „Ich weiß das, bei mir war das noch so.“ Und heute? „Da lassen sich schon die Kleinsten nichts mehr sagen. Wenn meine kleine Tochter zu mir sagt: ,Du darfst ein Kleid mit mir aussuchen’, dann freue ich mich.“

  • Die aktuellen Top-Themen
Kirch-Prozess: Staatsanwaltschaft droht Deutscher Bank mit Millionen-Buße

Staatsanwaltschaft droht Deutscher Bank mit Millionen-Buße

Mit einer hohen Geldsumme hat die Deutsche Bank Anfang des Jahres versucht, einen Schlussstrich unter den Fall Kirch zu ziehen. Doch jetzt wirft die Staatsanwaltschaft den Topmanagern versuchten Prozessbetrug vor.

Online-Versandhändler: Rekordstreik bei Amazon geht weiter

Rekordstreik bei Amazon geht weiter

Vier Tage vor Heiligabend rollt die Streikwelle bei Amazon weiter: Die Beschäftigten legen an der Hälfte der Standorte ihre Arbeit nieder – bis Weihnachten. Pünktlich liefern will der Online-Riese trotzdem.

Krisenlogistik: Trittbrettfahrer im Katastrophengebiet

Trittbrettfahrer im Katastrophengebiet

Schwere Naturkatastrophen nehmen weltweit zu und mit ihnen die Herausforderungen für Rettungsteams und Logistiker. Wie gut sie Menschen in Krisengebieten helfen können, ist eine Frage von Stunden – und von Coca Cola.

  • Business-Lounge
Business-Lounge: Die großen Auftritte der Entscheider

Die großen Auftritte der Entscheider

Premieren, Feste, Symposien oder Jubiläumsfestivitäten – es gibt viele Anlässe, bei denen die Größen aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Mittelpunkt stehen. Verfolgen Sie die Auftritte in Bildern.

Deutsche Unternehmerbörse - www.dub.de
DEUTSCHLANDS ANZEIGENPORTAL FÜR UNTERNEHMENS-VERKAUF UND UNTERNEHMENSNACHFOLGE
– Provisionsfrei, unabhängig, neutral –
Verkaufsangebote Verkaufsgesuche




 

.