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T. Boone Pickens: Wundersame Wandlung eines Ölbarons

Der US-Ölbaron T. Boone Pickens setzt verstärkt auf Windenergie. Sein Name als genalier, aber skrupelloser Investor eilt ihm voraus. Auch wenn jetzt ein Großprojekt geplatzt ist - der Milliardär lässt nicht locker.

von Katja Ridderbusch
Geld in Sicht: der republikanische Ölbaron T. Boone Pickens ist auf dem Öko-Trip. Quelle: ap
Geld in Sicht: der republikanische Ölbaron T. Boone Pickens ist auf dem Öko-Trip. Quelle: ap

ATLANTA. Er hatte einen Plan, er hatte eine Armee, er hatte Geld. Dennoch platzte sein Traum, die größte Windfarm der Welt zu bauen, einen gigantischen Korridor aus Windrädern von Texas bis zur kanadischen Grenze.

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T. Boone Pickens, 81, der zum Streiter für Öko-Energie geläuterte Ölbaron, musste vor kurzem das vorläufige Aus für sein Projekt verkünden. Mit dem "Pickens Plan" hatte er 20 Prozent des US-Stromverbrauchs decken wollen. Doch es gab logistische Probleme, der Ölpreis brach ein, Investoren sprangen ab. 1,6 Millionen Anhänger hatte Pickens in den vergangenen zwölf Monaten online rekrutiert, die in Briefen an Kongressabgeordnete für den Plan werben sollten. "The Pickens Army" nannte er sie, die Pickens-Truppen.

Doch T. Boone Pickens gibt so schnell nicht auf, außerdem ist er vertraut mit strategischen Rückzügen. Geboren wurde er 1928 als Thomas Boone Pickens, Jr. in Oklahoma, Sohn eines Landvermessers auf den örtlichen Ölfeldern. In seiner Autobiografie beschreibt er, wie er als kleiner Junge auf der Straße eine Geldbörse fand mit der Adresse des Besitzers. Er brachte dem Mann sein Portemonnaie zurück und bekam dafür einen Dollar als Belohnung. Doch zu Hause musste er sich dafür schelten lassen und den Dollar zurückbringen. "Du wirst kein Geld dafür nehmen, ehrlich zu sein." Der Junge fügte sich. Das Geld sollte schon noch kommen, später.

Er studierte Geologie in Oklahoma und Texas, arbeitete für die Ölfirma Phillips Petroleum. 1956 gründete er sein eigenes Unternehmen, das in den 80er-Jahren unter dem Namen Mesa Petroleum und nach zahlreichen Zukäufen und Übernahmen zu einem der großen Spieler im US-Ölgeschäft wurde. T. Boone Pickens machte sich einen Namen als genialer, aber skrupelloser Investor, eine Heuschrecke des Ölgeschäfts. 1988 erwog er kurzzeitig eine Präsidentschaftskandidatur. In den 90er-Jahren gründete er den Hedge-Fonds BP Capital. Pickens? Privatvermögen wird auf drei Milliarden Dollar geschätzt.

Klotzen statt kleckern, so lautet auch privat seine Devise. Er lebt mit seiner vierten Frau Madeleine abwechselnd in seiner Stadtvilla in Dallas oder auf seiner Farm in Texas. Madeleine ist die Witwe von Allen Paulson, Gründer des Luxusjet-Herstellers Gulfstream Aerospace. Pickens hat fünf Kinder und zwölf Enkel.

T. Boone Pickens ist Mitglied der Republikanischen Partei, unterstützte die Wahlkämpfe seines texanischen Kollegen George W. Bush. Umso überraschender war es, als er sich ab 2007 alternativen Energien zuwandte. "Eine seltsame Rolle" habe sich Pickens da zugedacht, schrieb die "Washington Post" verwundert: "Der Milliarden-Spekulant wird zum Energie-Weisen, der Ölmagnat zum Champion für Windkraft, der eingeschworene Republikaner zum Freund der umweltbewussten Demokraten."

Pickens? neue Leidenschaft für alternative Energien ist allerdings weniger der Liebe zur Umwelt als vielmehr seinen patriotischen Gefühlen geschuldet: Ziel des Pickens-Plans war es, Amerikas Abhängigkeit von ausländischem Öl zu verringern. Pickens vermarktete seinen Plan mit einem Budget von knapp 60 Millionen Dollar - und trug dazu bei, dass alternative Energien auf die Agenda des Präsidentschaftswahlkampfs rückten. Kritiker bezeichneten den Pickens-Plan als utopisch.

T. Boone Pickens will dennoch weitermachen: fünf oder sechs kleinere Windfarmen bauen, irgendwo im Mittleren Westen, hat er jetzt verkündet. Schließlich hat er bereits für zwei Milliarden Dollar Windräder bei General Electric bestellt, die ab 2011 geliefert werden. "Ich habe keine so große Garage, in der ich die Dinger lagern könnte", sagte er lakonisch. "Also werde ich sie wohl aufstellen und nutzen müssen."

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