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Thomas Weber: Daimlers deutsch-französische Brigade

Der Entwicklungschef von Daimler muss die Kooperation mit Renault jetzt umsetzen. Dabei werden wie selten zuvor die Fähigkeiten des Maschinenbau-Ingenieurs gefragt sein. Besteht der Schwabe den persönlichen Lackmustest?

Thomas Weber: Der Daimler-Entwicklungsvorstand und sein ganzer Stolz, ein Modell des F-800 Style. Quelle: Andreas Labes für Handelsblatt
Thomas Weber: Der Daimler-Entwicklungsvorstand und sein ganzer Stolz, ein Modell des F-800 Style. Quelle: Andreas Labes für Handelsblatt

PARIS/STUTTGART/FRANKFURT. Der Stolz war Thomas Weber anzumerken. Strahlend lehnte sich der Daimler-Entwicklungsvorstand noch vor wenigen Tagen im dunklen Anzug mit weißem Hemd im Entwicklungszentrum im Werk Sindelfingen an das neue silberfarbene Forschungsfahrzeug F-800. Das futurische Cockpit, die unterschiedlichen Antriebskonzepte, die sowohl Hybrid- als auch Brennstoffzelle als Motor zulassen, sollten einen Ausblick in die grüne Zukunft der Oberklasse der Marke Mercedes werfen.

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Für kühne und stolze Zukunftsvisionen wird der 55-Jährige in den nächsten Monaten wohl nicht mehr viel Zeit haben. Das ganze Augenmerk des obersten schwäbischen Entwicklers und Forschers muss vorerst der strategischen Allianz mit dem französisch-japanischen Autokonzern Renault-Nissan gelten. Denn der Schwabe aus Scharnhausen nahe bei Stuttgart ist zusammen mit seinem Konterpart Philippe Klein von Renault einer der Schlüsselfiguren für das praktische Gelingen der vereinbarten Kooperation.

Ausgerechnet der bodenständige Weber, der in seinem Berufsleben bisher nur in Baden-Württemberg gearbeitet hat, muss nun über internationale Teams wachen, die aus unterschiedlichen Unternehmenskulturen kommen und aus verschiedenen Ländern stammen. Für den sportlichen und umgänglichen Manager, der seit mehr als 20 Jahren im Konzern arbeitet, wird Renault-Nissan damit zum persönlichen Lackmustest. Dabei weiß er durchaus, wovon er reden wird: Als junger Student schraubte Weber selbst am Renault-Kleinwagen R4 herum.

Weniger kleine Reparaturen als große Sanierungen sind die Spezialität von Webers französischem Konterpart Philippe Klein. Der 51-jährige Programmchef zählt zur Leibgarde von Renault-Chef Carlos Ghosn. Als dieser 1999 nach Japan ging, um Nissan vor dem Kollaps zu bewahren, folgte ihm der Ingenieur als Leiter von Ghosns persönlichem Mitarbeiterstab nach. In der französischen Managementkultur hatte damit Klein eine entscheidende Position an der Schnittstelle der Macht inne.

Den Aufbau der Allianz mit den Japanern hat Klein daher nicht nur miterlebt, sondern auch mitgestaltet. Bis heute sitzt der Ghosn-Vertraute im Board der Allianz mit Nissan, in dem alle wichtigen Entscheidungen getroffen werden. Wie man Ingenieurs-Teams aus unterschiedlichen Kulturkreisen zur Zusammenarbeit bringt, davon versteht Klein etwas. Der Öffentlichkeit dagegen ist der Manager mit dem grauen Seitenscheitel und der randlosen Brille so gut wie unbekannt; erst seit er Patrick Pelata, Renaults Nummer zwei, als Programmchef beerbte, gibt er hier und da ein Interview. In Sachen Öffentlichkeitsarbeit lässt er lieber seinen Chef Ghosn den Vortritt.

Ghosn selbst soll zusammen mit Daimler-Chef Dieter Zetsche das zwölfköpfige „Cooperation Comittee“ führen, das die neue Allianz steuern soll. Die ersten Erfahrungen der Stuttgarter mit den Franzosen sind gut. Längst arbeiten Teams beider Konzerne an der Entwicklung der geplanten Motoren und Basisarchitekturen. Intern pries Weber die Allianz schon als einen Befreiungsschlag.

Doch um das Projekt nun mit Leben zu erfüllen, werden wie selten zuvor die Fähigkeiten des Maschinenbau-Ingenieurs gefragt sein, der seit fast sieben Jahren an der Spitze der Daimler-Forscher und -Entwickler steht. Denn nur zu gut haben die Stuttgarter noch das Scheitern der Zusammenarbeit mit dem japanischen Autobauer Mitsubishi Motors beim eingestellten Smart Viersitzer Forfour vor Augen. Weber hält die symbolische Überkreuzbeteiligung von drei Prozent deshalb auch für ein wichtiges Zeichen nach innen. Es soll auch den Ingenieuren diesseits und jenseits des Rheins klarmachen, dass das Topmanagement beider Konzerne hinter der Allianz steht.

Insbesondere bei den deutschen Ingenieuren sind Vorbehalte gegen den neuen Schmusekurs mit den Franzosen noch groß. Doch Weber bleibt auch in dieser Herzensangelegenheit Kopfmensch: „Für uns gilt generell, dass wir dort, wo es Sinn macht, für Kooperationen offen sind“, lautet sein schlichtes Credo.

Vita

1954 Thomas Weber wird in Scharnhausen geboren. Nach einer technischen Ausbildung bei Daimler studiert er Maschinenbau an der Universität Stuttgart.

1987 Nach Diplom und Promotion kehrt er zu Daimler zurück.

1995 Er wird Leiter des Motorenwerks in Bad Cannstatt, drei Jahre später verantwortet er die Motorenproduktion in Stuttgart und führt schließlich das Werk in Rastatt. 2002 wird er zudem Sprecher der Geschäftsleitung der A-Klasse.

2003 Er wird Vorstandsmitglied der Daimler AG und ist in dieser Funktion seit Mai 2004 verantwortlich für Forschung und Entwicklung.

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2010 Er managt die Kooperation von Daimler und Renault.

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