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U-Haft für Blesa: Ex-Caja-Madrid-Chef muss Millionen-Kaution zahlen

2,5 Millionen Euro für die vorläufige Freiheit: So viel musste Miguel Blesa zahlen, um der Untersuchungshaft zu entkommen. Dem Ex-Chef der Caja Madrid wird vorgeworfen, die Bank in den Ruin getrieben zu haben.

Miguel Blesa musste eine Nacht im Gefängnis verbringen. Ihm wird vorgeworfen, die Bank Caja Madrid in den Ruin getrieben zu haben. Quelle: dpa
Miguel Blesa musste eine Nacht im Gefängnis verbringen. Ihm wird vorgeworfen, die Bank Caja Madrid in den Ruin getrieben zu haben. Quelle: dpa

MadridVon der Großbank auf dem Weg zur Anklagebank: Erstmals seit dem Ausbruch der Banken- und Finanzkrise in Spanien wurde ein Haftbefehl gegen den Ex-Chef eines führenden Geldinstituts erlassen. Miguel Blesa, der 13 Jahre an der Spitze der Sparkassenkette Caja Madrid gestanden hatte, musste eine Nacht im Gefängnis Soto del Real in Untersuchungshaft verbringen. Am Freitag hinterlegten seine Anwälte die festgesetzte Kaution von 2,5 Millionen Euro. Blesa durfte die Haftanstalt gegen Auflagen verlassen.

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Der Richter Elpidio José Silva legt dem 65-jährigen Bankier zur Last, das viertgrößte Geldinstitut des Landes in den Ruin getrieben zu haben. Konkret geht es um die Übernahme der amerikanischen City National Bank of Florida. Dafür zahlte Caja Madrid mitten in der Bankenkrise in den USA etwa das doppelte des wirklichen Werts. Der spanischen Sparkasse soll dabei ein Verlust von schätzungsweise 500 Millionen Euro entstanden sein.

Der Ermittlungsrichter hielt Blesa vor, bei der Verwendung der Mittel des Geldinstituts nicht die geringste Sorgfalt an den Tag gelegt zu haben. Der Bankier hatte den Deal kürzlich vor dem Parlament so gerechtfertigt: „Wenn man etwas kaufen will, muss man das zahlen, was verlangt wird.“ Zudem wies er darauf hin, dass die Bank in den USA mittlerweile Gewinne abwerfe.

Die Caja Madrid war ein Musterbeispiel für all die spanischen Sparkassenketten, die während des Baubooms einen fulminanten Aufstieg erlebten, nach dem Platzen der Immobilienblase vor dem Ruin standen und nun von der Bildfläche fast verschwunden sind. Die Geschicke dieser Geldhäuser hatte zumeist in den Händen politischer Führer gelegen. Dies galt auch für Caja Madrid. Blesa wurde 1996 zu deren Präsident ernannt, weil er ein guter Freund des konservativen Ministerpräsidenten José María Aznar (1996-2004) war.

Mit Blesa schien das Geld bei Caja Madrid zunächst vom Himmel zu fallen: Die Sparkasse öffnete in ganz Spanien immer neue Zweigstellen, verdiente Riesensummen mit Immobilienkrediten und erwarb Aktienpakete von Unternehmen wie Telefónica, Iberia oder Endesa. „Der Tsunami der Finanzkrise war nicht vorherzusehen gewesen“, rechtfertigte sich Blesa einmal.

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Er wurde 2010 als Chef von Caja Madrid abgelöst, allerdings nicht weil das Unternehmen auf eine drohende Pleite zuging. Der Auslöser war vielmehr ein Machtkampf innerhalb der konservativen Volkspartei (PP) zwischen dem damaligen Madrider Bürgermeister Alberto Ruiz Gallardón und der Chefin der Regionalregierung, Esperanza Aguirre.

Die Caja Madrid ging – zusammen mit einer Reihe kleinerer Sparkassen – in der Großbank Bankia auf, die wenig später für die größte Pleite in der jüngeren spanischen Wirtschaftsgeschichte sorgte: Der Staat musste Steuergelder von über 20 Milliarden Euro aufbringen, um Bankia zu retten und das spanische Finanzsystem vor einem Zusammenbruch zu bewahren.

Gegen Blesa ermittelt die Justiz nicht nur wegen der Bankübernahme in den USA, sondern auch wegen eines fragwürdigen Darlehens von 26,6 Millionen Euro an den damaligen spanischen Arbeitgeberpräsidenten Gerardo Díaz Ferrán. Dieser sitzt seit fünf Monaten in Untersuchungshaft wegen des Verdachts, den Tourismuskonzern Marsans in betrügerischer Manier in den Bankrott getrieben zu haben.

Die Haftzelle des früheren Arbeitgeberchefs befindet sich in demselben Gefängnis von Soto del Real, in dem der frühere Großbankier Blesa eine Nacht verbringen musste. „Die alten Geschäftspartner sind Zellennachbarn“, witzelte die Zeitung „El Mundo“.

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