Köpfe

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Vorstandsgehälter: Zum Teufel mit den Millionen-Boni!

Die Millionengehälter von Top-Managern geraten immer heftiger in die Kritik. Deutsche Politiker fordern jetzt eine Obergrenze für die Vergütung. Doch solche Limits gibt es längst - sie funktionieren nur nicht.

Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, ist mit 17 Millionen Euro der Spitzenverdiener unter den Spitzenverdienern. Jetzt sollen solche Millionengehälter gedeckelt werden, fordert die Politik. Quelle: dpa
Martin Winterkorn, Vorstandsvorsitzender des VW-Konzerns, ist mit 17 Millionen Euro der Spitzenverdiener unter den Spitzenverdienern. Jetzt sollen solche Millionengehälter gedeckelt werden, fordert die Politik. Quelle: dpa

Die Gremien des britischen Versicherers Aviva waren sich einig. Konzernchef Andrew Moss sollte für das Jahr 2011 ein Gehalt von 3,1 Millionen Euro bekommen - 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr - und zusätzlich ein millionenschweres „Anreizprogramm“. Der Gewinn von Aviva war 2011 allerdings um 83 Prozent eingebrochen.

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Doch Moss und das Aufsichtsgremium hatten die Rechnung ohne die Aktionäre gemacht. Die stimmten Anfang Mai auf der Hauptversammlung gegen die Gehaltserhöhung. Nur fünf Tage später räumte Moss seinen Posten.

So wie ihm erging es jüngst zwei weiteren britischen Spitzenmanagern - dem Vorstandsvorsitzenden des Pharmakonzerns Astra-Zeneca, David Brennan, und Syl Bailey, Chefin der Mediengruppe Trinity Mirror.

Der Widerstand formiert sich

  • Die Zeit des Abnickens ist vorbei

    Die Aktionäre in Europa und den USA wehren sich gegen zu hohe Gehälter. Frankreichs neuer Präsident Hollande will Gehälter in Staatsfirmen deckeln. Und auch Großbritannien bereitet ein Gesetz vor, das Aktionären auf Hauptversammlungen ein Vetorecht einräumt.

  • Frankreich: Hollande will handeln

    Die Zahl kam François Hollande wie gerufen: Um satte 34 Prozent hatten Frankreichs größte Unternehmen die Gehälter ihrer Vorstände binnen eines Jahres erhöht. Der sozialistische Präsidentschaftsbewerber nutzte die Vorlage im Wahlkampf dankbar für die spektakuläre Ankündigung, künftig alle Gehaltsbestandteile über eine Million Euro jährlich mit 75 Prozent zu besteuern.

  • Frankreich: Grenze geplant

    Vom Staat kontrollierte Unternehmen sollen nach dem Willen des neuen Staatspräsidenten die Gehälter ihrer Chefs deckeln. Hollande schwebt als Obergrenze das Zwanzigfache des niedrigsten Einkommens im jeweiligen Betrieb vor.

  • Frankreich: Welche Manager besonders betroffen sind

    Besonders betroffen davon wären etwa der Chef des Stromriesen EDF, Henri Proglio, der fast 70 Prozent seines Einkommens einbüßen würde. Luc Oursel, Boss des Atomkonzerns Areva, droht der Verlust von mehr als der Hälfte seines Gehalts, Post-Chef Jean-Paul Bailly müsste auf immerhin 40 Prozent verzichten. Offen ist noch, ab wann genau die strikte Formel gelten soll.

  • Frankreich: „Völlig unpassend“

    Die von Hollande ausgeschlachtete Gehaltserhöhung fand bereits im Jahr 2010 statt und wurde auch von Aktionärsschützern als in Krisenzeiten völlig unpassend kritisiert. Zugleich sprachen sie von einem Angriff auf die Taschen der Anteilseigner. Im vergangenen Jahr stabilisierten sich die Bezüge im Durchschnitt der großen Konzerne bei etwas unter einer Million Euro. Die Mehrzahl der Vorstandschefs konnte also weiter von Zuwächsen profitieren.

  • Großbritannien: Köpfe rollen

    Am Ende wurde der Druck auf Andrew Moss zu groß. Wenige Tage nach einer turbulenten Hauptversammlung musste der glücklose Chef des zweitgrößten britischen Versicherers Aviva seinen Posten aufgeben. Über die Hälfte der Aktionäre hatte dem Gehaltspaket für den Vorstandsvorsitzenden die Zustimmung verweigert.

  • Großbritannien: Die weiteren Opfer der Wut

    Moss ist bereits der dritte Konzernchef, den der Aufstand der britischen Aktionäre in diesem Frühjahr zu Fall brachte. Zuvor mussten Sly Bailey, Chefin der Mediengruppe Trinity Mirror, und David Brennan vom Pharmakonzern Astra-Zeneca zurücktreten, weil sie keine Lösung für die strategischen Probleme ihrer Konzerne fanden und bei den Gehältern dennoch nicht die gewünschte Bescheidenheit zeigten. Auf der Hauptversammlung der Großbank Barclays stimmte über ein Viertel der Aktionäre gegen die rund 17 Millionen Pfund, die Vorstandschef Bob Diamond für 2011 kassieren sollte.

  • Großbritannien: Bonuspolitik wird sich ändern

    Die Zeit, in der die Großaktionäre die Bonuspolitik der Konzerne klaglos schluckten, scheint vorbei. Die Verwerfungen der Finanzkrise haben den Blick auf das Verhältnis von Leistung und Belohnung geschärft. Zwischen 2000 und 2010 stiegen die jährlichen Bonuszahlungen der 350 größten börsennotierten britischen Gesellschaften um 187 Prozent, langfristige Anreizzahlungen kletterten um 253 Prozent, und die gesamten Gehaltspakete wuchsen um 108 Prozent. Gleichzeitig bescherten die Aktien dieser Unternehmen den Investoren im gleichen Zeitraum einen eher bescheidenen Gewinn von 5,4 Prozent.

  • Großbritannien: Vetorecht für Investoren

    Unterstützung bekommen die aufgebrachten Aktionäre aus der Politik. Der liberale Wirtschaftsminister Vince Cable bereitet ein Gesetz vor, das den Investoren ein Vetorecht einräumt, mit dem sie überzogene Managergehälter verhindern können. Bisher sind die Abstimmungen auf den britischen Hauptversammlungen nicht bindend für die Unternehmen.

  • Schweiz: Volksabstimmung naht

    Auch in der reichen Schweiz steigt das Unbehagen über die hohen Gehälter der Topmanager. Vermutlich nächstes Jahr werden sich die Schweizer dazu in einer Volksabstimmung äußern können, wenn die sogenannte Abzocker-Initiative zur Wahl ansteht. Darin fordern die Initiatoren, dass die Hauptversammlung jedes Jahr zwingend über die Bezahlung des Vorstands und des Verwaltungsrats abstimmen muss.

  • Schweiz: Der Gegenvorschlag

    Derzeit arbeiten Regierung und Parlament an einem Gegenvorschlag der Initiative. Sie präferieren, dass Konzerne Gehälter von mehr als drei Millionen Franken nicht mehr von der Steuer abziehen können.

  • Schweiz: Frust entlädt sich

    Bis zur Abstimmung der "Abzocker-Initiative" entlädt sich der Frust der Aktionäre auf den Hauptversammlungen. Bei der Großbank UBS zum Beispiel stimmten vergangene Woche fast 37 Prozent der Aktionäre gegen den Vergütungsbericht.

  • Schweiz: Axel Weber sorgt für Kritik

    Ein Anstoß der Kritik war das goldene Willkommenspaket für den neuen Verwaltungsratspräsidenten Axel Weber: Er bekam zum Antritt zwei Millionen Franken sowie 200 000 UBS-Aktien, die aber für den Verkauf blockiert sind. Gesamtwert des Pakets: rund vier Millionen Franken. Für die Anlegerstiftung Ethos sind solche Vorabzahlungen schlicht "inakzeptabel".

  • USA: Helle Aufregung

    Seit dem 17. April herrscht Aufregung in den Chefetagen der US-Banken. An diesem Tag verpassten die Aktionäre Citigroup-Chef Vikram Pandit eine schallende Ohrfeige: Die Anteilseigner stimmten auf der Hauptversammlung gegen seinen Bonus und sein Gehalt in Höhe von zusammen 15 Millionen Dollar.

  • USA: „Ein Meilenstein“

    "Das ist ein Meilenstein für Corporate America", sagte der einflussreiche Bankenanalyst Mike Mayo, der die Gehälter vor allem bei der Citigroup lautstark kritisiert hatte. Seither wird bei den übrigen Banken im Hintergrund fieberhaft daran gearbeitet, dass sich eine solche Abstimmungsniederlage bei den anstehenden Hauptversammlungen nicht wiederholt.

  • USA: Abstimmung ist nicht bindend

    Seit zwei Jahren wird auf den Aktionärstreffen in den USA über die Bezahlung des Topmanagements abgestimmt. Eingeführt wurde die Pflicht dazu durch das neue Regulierungsgesetz für die Wall Street, den "Dodd-Frank-Act", mit dem die Politik auf die Folgen der Finanzkrise reagierte. Die Abstimmung ist allerdings nicht bindend.

  • USA: Rolle der Beratungsfirmen

    Eine wichtige Rolle bei der Niederlage der Citigroup-Führung spielten die Aktionärsberatungsfirmen ISS und Glass Lewis & Co. Beide hatten empfohlen, gegen die Boni-Vorschläge der Bank zu stimmen. Die Dienstleister, an deren Vorschlägen sich viele Investoren orientieren, waren hart mit dem Institut ins Gericht gegangen. "Die Bank bekommt eine Sechs für die Bezahlung der Manager", heißt es in der Studie von Glass Lewis.

In Deutschland geraten die Millionengehälter der Vorstände jetzt ebenfalls in die Kritik. „Die Spitzen der Unternehmen sollten sich nicht noch weiter aus der Mitte der Gesellschaft entfernen“, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, dem Handelsblatt. Und fügte hinzu: Schon Ludwig Erhard habe „den Deutschen empfohlen, Maß zu halten“. Dies sollte „insbesondere auch bei der Bemessung der Vorstandsgehälter bedacht werden“. Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warnt: „Die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft schwindet, wenn die Menschen das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit durch übermäßige Gehälter verletzt sehen.“

Kauder und Brüderle setzen sich nur an die Spitze einer Bewegung, die seit Monaten Front macht gegen Jahresgehälter wie von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (16,5 Millionen Euro), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (9,4 Millionen) und Siemens-Chef Peter Löscher (8,7 Millionen).

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Mittlerweile ist der Protest im Zentrum der deutschen Wirtschaft angekommen. Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Eon, räumt ein: „Vergütungssysteme für Vorstände müssen in das Gesamtvergütungssystem des Unternehmens passen und darüber hinaus in angemessenem Bezug zu den Aktionärsinteressen stehen.“

Deutlicher wird Manfred Schneider, Chefkontrolleur von Bayer, Linde und RWE. Er sagte mit Blick auf die zunehmende Kritik: „Das sollten wir selbst lösen. Das ginge ganz einfach durch Einziehen von Grenzen.“ Aus Sicht des ehemaligen BMW-Vorstands Eberhard von Koerber sind „zweistellige Millionengehälter schlicht eine Provokation“.

Ende März hatten Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und Ex-Daimler-Vorstand Manfred Gentz in einem Brief an die 30 Dax-Aufsichtsratschefs für „Obergrenzen“ von Vorstandsgehältern geworben. Offenbar mit Erfolg: Wie das Fachblatt „Der Aufsichtsrat“ gestern meldete, gehört die Festlegung der Vergütung von Vorständen inzwischen „zu den meistdiskutierten Fragen im Aufsichtsrat“.

  • 11.05.2012, 13:05 UhrDer_Henker

    Das richtige Parteibuch u. Vitamin B ,dann gehen alle

    Wünsche in Erfüllung .

  • 11.05.2012, 13:16 UhrarbeitenderNichtGelddrucker

    Tja, nun werden auch die Gehälter der letzten Angestellten gesenkt...

    Hauptsache es wird genug an nicht-arbeitende Geldbesitzer ausgeschüttet... Schmarotzer! Als ob irgendwer davon was hat, außer halt die "Eigentümer".

  • 11.05.2012, 13:18 UhrFlashGordon

    Typischer Neidartikel !

    Wie sieht es eigentlich mit den Millionenen von kickenden Fußball-Deppen und kreisfahrenden F1-Pilotclowns aus ? Jeder Kopf hat in der Marktwirtschaft halt seinen Preis. So einfach ist das !

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