Vorstandsgehälter
Zum Teufel mit den Millionen-Boni!

Die Millionengehälter von Top-Managern geraten immer heftiger in die Kritik. Deutsche Politiker fordern jetzt eine Obergrenze für die Vergütung. Doch solche Limits gibt es längst - sie funktionieren nur nicht.
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Die Gremien des britischen Versicherers Aviva waren sich einig. Konzernchef Andrew Moss sollte für das Jahr 2011 ein Gehalt von 3,1 Millionen Euro bekommen - 6,5 Prozent mehr als im Vorjahr - und zusätzlich ein millionenschweres „Anreizprogramm“. Der Gewinn von Aviva war 2011 allerdings um 83 Prozent eingebrochen.

Doch Moss und das Aufsichtsgremium hatten die Rechnung ohne die Aktionäre gemacht. Die stimmten Anfang Mai auf der Hauptversammlung gegen die Gehaltserhöhung. Nur fünf Tage später räumte Moss seinen Posten.

So wie ihm erging es jüngst zwei weiteren britischen Spitzenmanagern - dem Vorstandsvorsitzenden des Pharmakonzerns Astra-Zeneca, David Brennan, und Syl Bailey, Chefin der Mediengruppe Trinity Mirror.

In Deutschland geraten die Millionengehälter der Vorstände jetzt ebenfalls in die Kritik. „Die Spitzen der Unternehmen sollten sich nicht noch weiter aus der Mitte der Gesellschaft entfernen“, sagte der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Volker Kauder, dem Handelsblatt. Und fügte hinzu: Schon Ludwig Erhard habe „den Deutschen empfohlen, Maß zu halten“. Dies sollte „insbesondere auch bei der Bemessung der Vorstandsgehälter bedacht werden“. Auch FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle warnt: „Die Akzeptanz der Sozialen Marktwirtschaft schwindet, wenn die Menschen das Prinzip der Leistungsgerechtigkeit durch übermäßige Gehälter verletzt sehen.“

Kauder und Brüderle setzen sich nur an die Spitze einer Bewegung, die seit Monaten Front macht gegen Jahresgehälter wie von Volkswagen-Chef Martin Winterkorn (16,5 Millionen Euro), Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann (9,4 Millionen) und Siemens-Chef Peter Löscher (8,7 Millionen).

Mittlerweile ist der Protest im Zentrum der deutschen Wirtschaft angekommen. Werner Wenning, Aufsichtsratschef von Eon, räumt ein: „Vergütungssysteme für Vorstände müssen in das Gesamtvergütungssystem des Unternehmens passen und darüber hinaus in angemessenem Bezug zu den Aktionärsinteressen stehen.“

Deutlicher wird Manfred Schneider, Chefkontrolleur von Bayer, Linde und RWE. Er sagte mit Blick auf die zunehmende Kritik: „Das sollten wir selbst lösen. Das ginge ganz einfach durch Einziehen von Grenzen.“ Aus Sicht des ehemaligen BMW-Vorstands Eberhard von Koerber sind „zweistellige Millionengehälter schlicht eine Provokation“.

Ende März hatten Commerzbank-Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller und Ex-Daimler-Vorstand Manfred Gentz in einem Brief an die 30 Dax-Aufsichtsratschefs für „Obergrenzen“ von Vorstandsgehältern geworben. Offenbar mit Erfolg: Wie das Fachblatt „Der Aufsichtsrat“ gestern meldete, gehört die Festlegung der Vergütung von Vorständen inzwischen „zu den meistdiskutierten Fragen im Aufsichtsrat“.

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Dax-Konzerne begrenzen Gehälter nur auf dem Papier

Kommentare zu "Zum Teufel mit den Millionen-Boni!"

Alle Kommentare
  • Das richtige Parteibuch u. Vitamin B ,dann gehen alle

    Wünsche in Erfüllung .

  • Tja, nun werden auch die Gehälter der letzten Angestellten gesenkt...

    Hauptsache es wird genug an nicht-arbeitende Geldbesitzer ausgeschüttet... Schmarotzer! Als ob irgendwer davon was hat, außer halt die "Eigentümer".

  • Typischer Neidartikel !

    Wie sieht es eigentlich mit den Millionenen von kickenden Fußball-Deppen und kreisfahrenden F1-Pilotclowns aus ? Jeder Kopf hat in der Marktwirtschaft halt seinen Preis. So einfach ist das !

  • Die von Ihnen gennnten Sport Deppen müssen keine Katastrophen in Volkwirtschaften und keine Hungersnöte in anderen Ländern verantworten! Deshalb ist der Vergleich schlecht. Die werden nach Rarität bezahlt.

    Die Manager sind die Spitze der Kriminalität, weil sie sich nicht nur gegenseitig die Gehälter hochschaukeln, sondern straflos nach ihren Vergehen davon kommen.
    Zunächst müssen ihre Taten und die Folgen tausendfach ins Bewusstsein der Leute gebracht werden - durch die Medien! Erst dann wird es Politiker geben, die auf Druck die Manager zur Verantwortung ziehen können und den Spiess umdrehen: bei roten Zahlen wird Winterkorn sein Vorjahres Gehalt zurück geben müssen. Bei Bank Managern wird eine Beteiligung zur Kompensation des Schadens verlangt.

  • Vor mir aus könnten die so viel verdienen wie sie absaugen können - wenn sie gleichzeitig mit der Kohle auch haften würden, wenn der Karren vor die Wand fährt.
    Aber dann siend sie plötzlich alle nur noch haftungsfreie Arbeitnehmer - merkwürdig eigentlich.

  • Für den mickrigen Stauch den wir gestern im TV angeschaut haben, bekommen Kicker Millionengehälter. Fangen wir mal da an. PayTV zahlt über 400 Millionen an die Liga? Das ist unser Geld! Kostet der Fußball nur 40 MIllionen und ein guter Kicker verdient nur 200.000,- Euro pro Jahr, was verdammt viel Geld ist, würde uns ein Abo bei Sky oder Entertain nur 5,. Euro im Monat kosten. Wir bezahlen doch das Ganze! Ob ander Tankstelle, im Stadion oder beim normalen Einkauf im Supermarkt mit 19% Mehrwertsteuer.
    Und bei Managern ist doch ein Million Jahresgehalt schon die Obergrenze. 500.000,- gleich und 500.000,- nach zehn Jahren, wenn er nachhaltig gearbeitet hat.
    Dann zu den Abgeordneten Diäten. Wer sein Gewerkschaftsgehalt aufbessert, oder wie Lafontaine und Wagenknecht mit Staatsknete ein Luxusleben in Irland führt, ist kein Repräsentant des Volkes!

  • psteck
    Bei Geschäftsführern bzw. geschäftsführenden Gesellschaftern dürfen die variablen Gehaltsbestandteile (Tantiemen) maximal 25% der Gesamtvergütung ausmachen. Alles darüber erkennt das Finanzamt nicht an und veranlagt eine verdeckte Gewinnausschüttung (also keine Steuermindernde Betriebsausgabe). Warum ist das bei Vorständen anders?

  • Das Zauberwort heißt "Haftung"! Ohne Haftung kein Risiko - ohne Risiko kein Verantwortung - ohne Verantwortung keine hohe Entlohnung. So einfach ist das!!!!

  • Man muß sich ja nur mal das Bild anschauen wo Winterkorn lässig lehnt. Der lacht doch über uns.
    Gehälter in 2stelliger Mio-Höhe gehören verboten. Für mich ist das Veruntreuung von Firmenvermögen. Für Investitionen ist kein Geld da, da ruft man nach Subventionen.
    Hier müssen Gesetze her und nicht nur dummes Gelaber unserer Politiker. Was halbherzig ist, denn sie selbst ghen ja vom Budnestag in die Wirtschaft, also werden sie die Wirtschaft auch nicht gängeln
    Außerdem muß das Aktionärsrecht der Klein-Aktionäre gestärkt werden, damit diese ihr Veto einlegen können
    Eine Mill. ist Gehalt genug, mehr ist niemand wert. Und Boni braucht auch keienr. Läuft es gut, bekommt der Manager ein Weihnachtsgeld wie die Mitarbeiter auch. Mehr nicht
    Dann muß auch den Firmen vorgeschrieben werden, dass sie Eigenkapital zu bevorraten haben für Investitonen etc.
    In der Wirtschaft muß wieder nach guten alten kaufm. Grundsätzen gearbeitet werden.
    Es kann ja nciht sein, dass Unternehmen heue zu Selbstbedienungsläden für die Manager verkotmmen
    Hilft das nicht, müssen alle Manager und Banker mal für 8 Tage unter Hausarrest gesetzt werden um gründlich nachzudenken, über ihr Lodderleben, was dem Bürger und letztendlich dem Land schadet.
    Die Manager müssen wieder begreifen, dass die Wirtschaft fürs Land und die Menschen da ist und nicht umgekeht.
    "Zur sozialen Marktwirtschaft gehört auch das Maßhalten" - Ludwig Erhard.
    Das Maßhalten haben die Gier-Manager der letzen 20 Jahre verlernt, also bringen wir es ihnen wieder bei
    Und zum Begreifen was Ar beit ist, gehen die Herren mal alle für 3 Monate in die Produktion

  • Wenn die Deppen nicht mehr kicken, gibt es keine Mäuse,
    sehr einfach. Wenn die Deppen in den Konzernzentralen Geld verbrennen, werden sie oftmals von ihren Mentoren
    weiter gestützt. Krassestes Beispiel:Schremp hat erst die Fokkerwerke in den Sand gesetzt und wurde zur Belohnung Daimlerchef. Dort hat er eine Steigerung seiner Bezüge durchgesetzt, die beispiellos ist, obwohl er an die 100 Mrd E verbrannt hat. (Sein Mentor:
    Dt-Bank Chef).Er hat damit seinen Vorgänger Reuter als Verbrenner um etliches übertroffen. So wurde Daimler von einer Bank mit angeschlossener Autofabrik zum notleidenden Kapitalsucher. Winterkorn im Gegensatz hat VW von einer seit den 60er Jahren mager bis wenig verdienenden Autofabrik zur Nr.1 Cashcow der Branche gemacht. Seine Vorgänger-Pfeife (der Selbst-darsteller "Patriarch") war schon mit einer schwarzen Null zufrieden. Ich schlage vor, Herrn Winterkorn das Gehalt zu verdoppeln, der hat's verdient. Wir sollten
    differenzieren!

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