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Wechsel in Walldorf: SAP baut den Vorstand um

Beim größten deutschen Software-Konzerns wechselt die Führung. Gleich zwei Spitzenmanager müssen das Unternehmen verlassen. Ein Zukunftsgeschäft soll nun neu ausgerichtet werden.

Wachwechsel in Walldorf: Bei SAP müssen zwei Spitzenmanager gehen. Quelle: dpa
Wachwechsel in Walldorf: Bei SAP müssen zwei Spitzenmanager gehen. Quelle: dpa

WalldorfDer Softwarehersteller SAP baut seinen Vorstand massiv um. Der für das Cloud-Geschäft zuständige Lars Dalgaard und Personalchefin Luisa Delgado verlassen das Unternehmen, wie SAP am Freitag mitteilte. Technikchef Vishal Sikka übernimmt Dalgaards Aufgaben. Finanzvorstand Werner Brandt springt für Delgado ein.

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Sikka leite vom 1. Juni sämtliche Innovationsbereiche, zu denen bei SAP neben dem Cloud-Computing auch die schnelle Datenbanktechnologie Hana gehört. SAP hatte Dalgaards Firma Successfactors 2012 für 3,4 Milliarden Dollar gekauft, um sein Geschäft mit Mietsoftware auszubauen. Der Softwarehersteller, der bislang noch das meiste Geld mit fest installierten Programmen verdient, will seinen Umsatz mit Mietsoftware in diesem Jahr auf 1 Milliarde Euro steigern. Dalgaard wolle Investor werden, hieß es in der Pressemitteilung.

Die Stärken von SAP

  • Hoher Börsenwert

    Hohe Schulden, wenig Innovationen, kritische Kunden: SAP stand 2009 gehörig unter Druck. Der niedrige Aktienkurs befeuerte Übernahmegerüchte. Heute brummt das Geschäft wieder, an der Börse ist der Software-Konzern deswegen deutlich mehr wert. Ein Garant für die Eigenständigkeit: „Ich glaube, wir sind klar aus der Spekulationszone heraus", sagte Mitgründer und Aufsichtsratschef Hasso Plattner im Januar.

  • Lukratives Wartungsgeschäft

    SAP ist ein Software-Konzern, macht aber inzwischen mehr Umsatz mit der Wartungsverträgen als mit Lizenzen. Das beschert dem Unternehmen langfristig planbare Einnahmen. Das gilt auch für Cloud-Dienste, die bislang noch relativ wenig zum Umsatz beitragen, aber stark wachsen und daher als Geschäft der Zukunft gelten.

  • Zukunftstechnologie Hana

    Mit der superschnellen Datenbank-Technologie Hana hat SAP ein Ass im Ärmel: Weil sie Daten im schnellen Hauptspeicher vorhält und nicht erst von einem langsameren Datenträger holen muss, kann sie laut SAP hunderte Milliarden Datensätze in Echtzeit auswerten. Damit beschleunigt der Software-Hersteller seine betriebswirtschaftlichen Anwendungen – eine Kampfansage an den Rivalen Oracle. SAP will die Technologie aber auch außerhalb des Kerngeschäfts vermarkten, etwa für die medizinische Analytik oder der Steuerung von Stromnetzen. Der Umsatz damit ist noch gering, aber die Chancen sind immens.

Deldago, die das Unternehmen Ende Juni verlässt, war erst im vergangenen Jahr zu SAP gestoßen. Sie übernehme die Führung einer anderen Firma, sagte ein Sprecher. Finanzvorstand Werner Brandt werde zusätzlich zu seinen Aufgaben den Posten des Arbeitsdirektors übernehmen. Brandt war an der Stelle bereits mehrfach eingesprungen. Die Position des Personalchefs war bei SAP fast ein Jahr lang nicht besetzt, nachdem Delgados Vorgängerin Angelika Dammann - die erste Frau im SAP-Vorstand - den Posten 2011 aus persönlichen Gründen nach einer Affäre um Freiflüge aufgegeben hatte.

Das neue Prestigeprojekt Hana gibt SAP in die Hände seines langjährigen Vorstands Gerhard Oswald. SAP hatte jüngst angekündigt, die Datenbanktechnologie Hana auch als Plattform zur Miete auf eigenen Servern anzubieten. Bislang verantwortete Oswald unter anderem die Anwendungsentwicklung und den Service bei den Kunden.

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