
FRANKFURT. Die Botschaft an die versammelten Anteilseigner im Berliner Kongresszentrum war klar und eindeutig. "Es ist und bleibt unser Ziel, 2010 mit einem positiven operativen Ergebnis über dem Vorjahresniveau abzuschließen", rief Wolfgang Mayrhuber, Vorstandschef der Lufthansa, seinen Aktionären am vergangenen Donnerstag zu. Zu diesem Zeitpunkt dürfte er bereits geahnt haben, wie schwer es werden wird, dieses Versprechen zu halten.
Auf 330 Mio. Euro beläuft sich der Verlust der nach Passagierzahlen größten europäischen Fluggesellschaft im ersten Quartal, bei einem Umsatz von 5,8 Mrd. Euro. Das teilte der Konzern gestern Abend mit. Zwar sind rote Zahlen im chronisch schwachen ersten Quartal in der Luftfahrt keine Seltenheit. Dennoch ist die Höhe eindrucksvoll. Vor einem Jahr hatte der Kranich in den ersten drei Monaten noch einen Verlust von nur 44 Mio. Euro eingeflogen. Das Konzernergebnis hatte damals minus 267 Mio. Euro betragen, nun sind es bereits minus 298 Millionen Euro.
Für den eloquenten und zuweilen mit beißendem Humor ausgestatteten Lufthansa-Chef bedeutet das noch einmal mächtig viel Arbeit. Eigentlich läuft sein Vertrag zum Jahresende aus. Doch schon seit längerem wird über eine Verlängerung spekuliert. Nicht zuletzt aus der Passage (Passagiergeschäft) wird der Ruf nach einer Vertragsverlängerung lauter. Vize-Chef Christoph Franz, inoffiziell längst als Kronprinz gesetzt, müsste sich dann noch etwas gedulden.
Die nun publizierten Zahlen dürften den Druck auf Mayrhuber noch mal erhöhen. Zeigen sie doch, dass das Kranich-Nest alles andere als gut bestellt ist für eine Übergabe. Schuld daran sind viele. Beim Quartalsverlust ist es zuallererst der lange und strenge Winter, der zu zahlreichen Flugausfällen führte. Hinzu kommt der eintägige Streik der Piloten, der immerhin 48 Mio. Euro gekostet hat.
Zwar ist der Winter vorbei, auch der Streik ist wahrscheinlich Vergangenheit. Dafür wird der isländische Vulkan mit seiner fluggefährdenden Aschewolke auch das Zahlenwerk im zweiten Quartal erheblich belasten. Immerhin fehlt der Umsatz einer kompletten Woche, und das bei gleichzeitig höheren Kosten etwa für die Passagierbetreuung und-unterbringung. Auf einen Schaden von rund 200 Mio. Euro bezifferte Mayrhuber das Spektakel gegenüber den Aktionären.