
ZÜRICH. Die Schweiz ist um eine Unternehmerpersönlichkeit ärmer. Völlig überraschend starb gestern der Swatch-Erfinder Nicolas Hayek im Alter von 82 Jahren. Während der Arbeit in der Konzernzentrale in Biel versagte sein Herz. Hayek hat nicht nur die Schweizer Uhrenindustrie in den 80er-Jahren vor dem Niedergang bewahrt. Er war Visionär, Marketing-Genie, politischer Querkopf und Lebemann in einer Person.
Als Hayek Mitte der 80er-Jahre aus den beiden Uhrenherstellern SSIH und Asuag die „Gesellschaft für Mikroelektronik und Uhrenindustrie“ (SMH) schmiedete, legte er damit den Grundstein für die Weltmarke Swatch. Damals erlöste das Unternehmen knapp zwei Mrd. Franken. Heute erwirtschaftet die Swatch-Gruppe einen Umsatz von weit mehr als fünf Mrd. Franken. Sein Erfolgsgeheimnis war die elektronische Qualitätsuhr. Hayek gelang es, die Komponenten einer Uhr um zwei Drittel zu verringern. Bis zuletzt war er der Verwaltungsratspräsident seines Unternehmens. Die operative Führung hatte Hayek 2003 an seinen Sohn Nick übergeben. Mit dem Enkel Marc Alexander arbeitet bereits die dritte Generation im Konzern.
Geboren in Beirut, wuchs Hayek in der Obhut seiner libanesischen Mutter auf. Seit Vater war Zahnchirurg. Während des Zweiten Weltkriegs emigrierte die Familie nach Frankreich und kam wenig später in die Schweiz. Dort machte Hayek sich schnell als unternehmerischer Tausendsassa einen Namen. Sein Rat als Sanierer war nicht nur in der Schweiz bis zuletzt gefragt. Aber Hayek war weit mehr als ein Unternehmer. Er verstand es in genialer Weise, sich selbst und sein Lebenswerk zu vermarkten. Mit mehreren Uhren an den Handgelenken, einer Zigarre im Mund, umgeben von hübschen Mannequins und Filmstars, schmückte er immer wieder die Titelseiten.
Hayek mischte sich auch in das öffentliche Leben ein. Immer wieder kritisierte er die Schweizer Notenbank für den aus seiner Sicht zu starken Franken. Nach der Finanzkrise forderte er eine Schrumpfkur für die Schweizer Großbanken, da ihm das Klumpenrisiko zu groß erschien. Unternehmertum war für Hayek auch eine soziale Verpflichtung für die Mitarbeiter und ihre Arbeitsplätze.
Zu den Visionen des Vollblutunternehmers zählte unter anderem das Swatch-Mobil. Das umweltfreundliche Mini-Auto blieb für Hayek zwar ein Traum, bildete aber die Grundidee für den Kleinwagen Smart des Daimler-Konzerns in Stuttgart. Die faszinierende Idee umweltschonender Fahrzeuge hat den Schweizer nicht mehr losgelassen. Vor zwei Jahren gründete Hayek mit dem Paul-Scherrer-Institut ein Gemeinschaftsunternehmen zur Entwicklung eines Brennstoffzellen-Fahrzeugs.
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