Kommentar zum Kefer-Abgang
Hybris im Bahntower

Der Abgang des Vorstandsvizes Volker Kefer war nicht mehr aufzuhalten, kommt für Konzernchef Grube aber zur Unzeit. Der Bahnchef wird sich nun wohl allein um das Zukunftsprogramm der Bahn kümmern müssen. Ein Kommentar.

BerlinVolker Kefer ist, genauer gesagt er war, der wichtigste Mann bei der Deutschen Bahn. Kefer verantwortet seit zehn Jahren den Zustand von Technik und Schienennetz, seit einem Jahr auch das Milliarden schwere Sanierungsprogramm. Trotzdem kennt ihn kaum jemand. Gibt es Ärger mit der Bahn, bekommt den Vorstandschef Rüdiger Grube auf den Tisch. Grube steht für Öffentlichkeit und auch für die Politik in der Pflicht. Die Deutsche Bahn ist Grubes Bahn.

Jetzt erst recht. Kefer, der wegen massiver Zugverspätungen durch schlechtes Baustellenmanagement und neuer Probleme beim umstrittenen Grußprojekt Stuttgart 21 unter Druck geraten war, tritt ab. Dem Manager war wohl klar geworden, dass er keine Chance auf eine Vertragsverlängerung mehr hat. Denn bahnintern war schon immer klar, wer die Verantwortung für viele ungelöste Probleme maßgeblich mitträgt, Volker Kefer. Zum Verhängnis wurde ihm vordergründig natürlich der Offenbarungseid bei Stuttgart 21. Die Finanzreserve ist plötzlich aufgebraucht. Vor drei Monaten war angeblich noch alles im Lot.

Tatsächlich aber dürfte Kefer über die Illoyalität zu Konzernchef Grube gestolpert sein. Der hatte ihm das brisante Stuttgarter Projekt anvertraut in der Hoffnung, dass Kefer die Probleme abräumt. Und Grube war es auch, der Kefer vor einem Jahr zu seinem Stellvertreter machte. Kefer war damit eine Art Supermanager der Bahn geworden, verantwortlich für das Schienennetz, verantwortlich für das Modernisierungsprogramm.

Zu viel für einen Manager, möchte man meinen. Kefer sah das ganz anders – und scheiterte nun an seiner Hybris. Für Grube kommt die Abgang zur Unzeit. Der Bahnchef wird sich wohl nun allein um das Zukunftsprogramm der Bahn kümmern und für das Netz schnellstmöglich einen neuen Man suchen müssen. Das Personalproblem hätte er sich gern erspart. Denn im Herbst steht Grubes eigene Vertragsverlängerung an. Uns bis dahin müssen vorzeigbare Lösungen her. Sonst wird daraus nichts.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent
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