Kommunikation
Sagt es einfach!

Wie lange wollen es die deutschen Unternehmen noch so treiben? Eine Abteilung versteht die andere nicht, ein Experte nicht den Kollegen, dem Kunden bleibt ohnehin alles nebulös. Der Braunschweiger Linguist Günther Zimmermann beschreibt, was eine gute Kommunikation ausmacht. Und warum sie so wichtig ist.

DÜSSELDORF. Wie lange wollen es die deutschen Unternehmen noch so treiben? Die Terminologie ist ein Wirrwarr, die Sitzungsprotokolle sind nicht nachzuvollziehen, Geschäftsberichte kann kein Anleger deuten, Bedienungsanleitungen sind kryptisch und Werbebotschaften sinnlos englisch („Come in and find out“).

Die „verquaste Sprache der Wirtschaft“, die Ferdinand Knauss am 7. November an dieser Stelle im Handelsblatt diagnostizierte, ist tatsächlich bitterer Alltag. Er hat das Problem auch nicht als Einziger erkannt, wie einige Schlagzeilen anderer Blätter zeigen: „In der Sackgasse des Verständnisses“ (Die Zeit), „Kauderwelsch statt Anleitung“ (Computerbild), „Alptraum im Alltag“ (Der Spiegel), „Klarheit unerwünscht“ (Finanztest), „Schlechte Noten für Kontoauszüge“ (Braunschweiger Zeitung), „Beipackzettel sind tickende Zeitbomben!“ (Focus).

Da die Autoren in Unternehmen sicher nicht allesamt bösartig sind, müssen sie wohl ahnungslos sein. Wenn Sie einen der Missetäter auf das Thema ansprechen, wird er antworten: „Das Problem betrifft mich nicht!“ Warum nicht? Nun, er hält sich – wie wohl jeder von uns – für hinreichend intelligent, und er hat in der Schule Deutsch gelernt. In einer Befragung mit 70 Studierenden, die ich vor kurzem durchgeführt habe, äußerten 84 Prozent, sie schätzten ihre eigenen Texte als „sehr gut bzw. gut verständlich“ ein, nur 16 Prozent als „weniger verständlich“.

Diese Diagnose lässt sich mit vielen empirischen Untersuchungen belegen, die ich in Bildungs- und Wirtschaftskontexten durchgeführt habe. Und dabei waren die Autoren stets überrascht zu sehen, welche Schwierigkeiten die Versuchspersonen mit ihren Texten hatten. Aus meinen Untersuchungen ergibt sich als Fazit:

1. Kein Unternehmen sollte zu sicher sein, dass die interne Kommunikation oder der Dialog mit den Kunden so ankommt, wie sie gemeint waren. Die Nagelprobe ist allein der „User-Check“: Erst eine hinreichend große Zahl von Zielpersonen kann darüber entscheiden, ob ein Text verständlich war.

2. Schreiben kann jeder, texten muss man lernen. Und wenn man nicht außerordentlich begabt ist, dürfte es nützlich sein, sich gewisse didaktische Fähigkeiten anzueignen und die in den letzten 30 Jahren publizierten Erkenntnisse der Textverständlichkeits- und Textverstehensforschung zur Kenntnis zu nehmen.

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