Konflikt mit der Telekom
Feilschen auf Schwäbisch

Die Verhandlungsführer im Konflikt um die Auslagerung von 50 000 Telekom-Servicemitarbeitern haben etwas gemeinsam: Sowohl Verdi-Verhandlungsführer Lothar Schröder als auch der kommissarische Telekom-Personalvorstand Karl-Gerhard Eick und sein Nachfolger Thomas Sattelberger sind Schwaben. So etwas verbindet.

DÜSSELDORF. Wer Lothar Schröder treffen will, setzt sich am besten in einen ICE. Dort verbringt der Verdi-Bundesvorstand einen Großteil seiner Zeit, wenn er zwischen seinem Wohnort Bremen, der Verdi-Zentrale in Berlin und der Deutschen Telekom in Bonn pendelt. Das ist in letzter Zeit immer häufiger der Fall, seitdem Verdi die Telekom-Mitarbeiter vor knapp fünf Wochen zum Streik aufgerufen hat.

Offizielle Verhandlungen über die geplante Auslagerung von 50 000 Servicemitarbeitern haben zwar erst am Mittwoch wieder begonnen. Hinter den Kulissen hielten die Verhandlungsführer aber stets Kontakt. Dabei war Schröder unter Landsleuten: Sowohl der kommissarische Telekom-Personalvorstand Karl-Gerhard Eick als auch sein Nachfolger Thomas Sattelberger sind Schwaben. So etwas verbindet. „Die reden schon mal gerne in ihrem Slang“, heißt es aus Verhandlungskreisen.

In die Gespräche selbst gehe Schröder immer bestens vorbereitet. In den Augen mancher Kollegen ist er sogar zu umsichtig: „Er ist sehr detailverliebt“, sagt Verdi-Streikleiter Ado Wilhelm. „Manchmal nervt das etwas.“ Auf der anderen Seite könne Schröder hoch komplexe Sachverhalte sehr gut analysieren und schnell Entscheidungen treffen.

Der Druck, der auf ihm lastet, ist groß: Für Verdi ist der Konflikt mit der Deutschen Telekom auch ein Symbol für die Macht der eigenen Organisation. Einige Stimmen sagen, der passionierte Segler gebe dem Druck mitunter nach und richte sein Fähnlein schon mal nach dem Wind.

Schröder muss zudem eine schwierige Doppelrolle ausfüllen: Er ist nicht nur Verhandlungsführer von Verdi, sondern seit knapp einem Jahr auch stellvertretender Chef des Telekom-Aufsichtsrates. Als solcher kennt er genau die wirtschaftlichen Schwierigkeiten des Konzerns und muss sich für das Wohl des Unternehmens einsetzen. Als Verdi-Funktionär aber kämpft er für die Belange der Mitarbeiter.

Rein optisch passt Schröder in beide Lager: Meist trägt er Anzug mit Krawatte, gelt sich die kurzen Haare und könnte so auch locker als Arbeitgeber-Vertreter durchgehen. Dabei wirkt der 47-Jährige schon seit 15 Jahren für die Gewerkschaft – zunächst als Leiter der Technologiepolitik bei der Deutschen Postgewerkschaft und später im Bundesvorstand von Verdi als Leiter für den Bereich Telekommunikation und IT.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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