Kontakte knüpfen im Internet wird für Manager immer interessanter
Vitamin B per Online-Club

"Sie wurden als Kontakt hinzugefügt“, signalisierte die E-Mail. Björn Bedey, Geschäftsführer der Diplomarbeiten-Agentur Diplomica , wundert sich, dass ihm ein Unbekannter eine E-Mail schickte. Doch schon wenige Wochen später ging der 36-Jährige mit dem neuen Kontakt, Jakob Freund, eine Kooperation ein: Die Diplomarbeiten, die er verkauft, werden künftig auch auf der Webseite für Prozessmanagement BPM-Guide.de vorgestellt und vertrieben.

Bis heute kennen sich die Geschäftspartner nicht persönlich, sondern ausschließlich aus den E-Mails, die sie auf einer Online-Kontaktbörse für Geschäftsleute wechseln. Über diese Plattform hatte Freund auch Bedey gefunden.

Immer mehr Manager profitieren inzwischen von Online-Netzwerken. Virtuelle Business-Clubs erleben einen Boom. Experten sprechen schon von einem Schneeball- Effekt. Nachdem sich Kontakt-Portale für die Partnerschaftssuche oder zur gemeinsamen Freizeitgestaltung etabliert haben und längst gesellschaftsfähig sind, pflegen auch Unternehmer zunehmend ihre Kontakte online im Netz.

Mehr als zwei Millionen Menschen etwa haben sich beim US-amerikanischen Portal Linked-In registriert. Auf der deutschen Online-Plattform OpenBC tummeln sich knapp 500 000 Nutzer. Tendenz wachsend: Vor rund zwei Monaten waren es noch 400 000. Der Kölner Personalvermittler Access will Mitte des Monats mit einem neuen Netzwerk online gehen: dem Performers-Circle. Das Führungskräfte- Netzwerk Cap-Up, dass sich sich neben seinem Portal vor allem auf Abendveranstaltungen konzentriert, zählt rund 10 000 Mitglieder.

Die digitale Visitenkarte öffentlich im Netz

Die präsentieren sich auf den Webseiten mit Foto, Arbeitgeber, Lebenslauf, ihren Interessen und vor allem dem, wofür sie sich im Netz registriert haben – ihren Kontakten. Auf diese Weise lassen sich bequem weitere Verbindungen knüpfen. Mit dem Slogan „Jeder kennt jeden über sechs Ecken“ wirbt OpenBC auf seiner Webseite. „Viele nutzen die Netzwerke, um sich mit ihrer digitalen Visitenkarte im Internet zu präsentieren“, meint Thomas Burg, Leiter des Zentrums für Neue Medien an der Donau-Universität Krems. Vor allem Manager, die sich noch im Aufbau ihres Verbindungsgeflechts befänden, sind in den Portalen aktiv.

Aber auch im Netz gilt wie bei realen Beziehungsgeflechten: Wer in einem Business-Club erfolgreich agieren will, sollte einige Regeln einhalten. So führen Kontaktanfragen, die sich als Spam-Mail oder plumpe Verkaufe entpuppen, schnell dazu, dass sich andere Mitglieder über den Nutzer beschweren. Bei OpenBC beispielsweise entscheiden die Mitglieder von Fall zu Fall, welche persönlichen Daten sie freigeben wollen. Auch die Liste der persönlichen Kontakte lässt sich verbergen, wenn die Anfragen überhand nehmen. Gerade Manager der höheren Hierarchie-Ebene schirmen sich auch im Netz ab und lassen nur Anfragen von Mitgliedern zu, die sie persönlich kennen oder die einem ihrer Kontakte bekannt sind. Auf diese Weise entstehen innerhalb der Netzwerke Clubs im Club.

Während sich auf dem US-Markt kostenlose Portale wie Linked-In, Tribe.com oder Ryze.com durchsetzen, gehen deutsche Anbieter den Weg über eine kostenpflichtige Mitgliedschaft. OpenBC berechnet Premium-Nutzern rund 72 Euro im Jahr. Cap-Up verlangt 180 Euro.

Wie Sie alte Bekannte wiederfinden

Und OpenBC will nicht nur mit dem originären Business-Club Geld verdienen, sondern vertreibt seine Software für spezialisierte Clubs auch in Lizenz und will künftig auch firmenintern Kontakt-Intranets anbieten. „Wir konzentrieren uns dabei im Wesentlichen auf den europäischen und asiatischen Markt“, berichtet Sarik Weber, Geschäftsführer bei OpenBC. Auch das Handelsblatt hat jüngst ein Online-Netzwerk für Entscheidungsträger aus der Wirtschafts- und Finanzwelt gestartet: » Handelsblatt.net. Das Mitmachen ist kostenfrei, Premium-Mitglieder haben weitere, besondere Funktionen und zahlen 7,95 Euro im Monat.

Die Mitgliedschaft in einem Business-Netzwerk hat neben angebahnten Geschäften und neuem Vitamin B häufig auch einen Nebeneffekt: Oft geschieht es, dass sich ehemalige Studienkollegen, die sich nach der Universität aus den Augen verloren hatten, online wiedertreffen.

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