Kontovollmacht
Eiliger Neffe muss sich bescheiden

Er hatte es sehr eilig: Der Neffe einer Verstorbenen wollte kurz nach ihrem Tod aufgrund einer Vollmacht Geld transferieren. Das Nein der Bank quittierte er mit einer Klage auf Schadensersatz. Ohne Erfolg.

Drei Tage nach dem Tod seiner Tante ging ein Mann zur Bank. Er legte eine von ihr ausgestellte Vollmacht vor und wollte 60 000 Euro vom Konto der Verstorbenen auf seines transferieren, weitere 10 000 Euro sollte seine Oma bekommen. Die Bankmitarbeiterin ließ den Vorgang von der Rechtsabteilung prüfen. Die Juristen hatten jedoch erhebliche Zweifel, ob alles mit rechten Dingen zuging: Der Neffe habe es nach dem Tod der Frau verdächtig eilig gehabt. Seine Behauptung, die Schwerkranke habe ihm und seiner Oma kurz vor dem Tod das Geld versprochen und deshalb die Vollmacht unterzeichnet, überzeugte die Bankjuristen nicht - die Kollegin weigerte sich, die Überweisung auszuführen.

Wenig später widerrief die Erbin der Verstorbenen die Vollmacht, Neffe und Oma gingen leer aus. Der Zurückgewiesene verklagte die Bank auf Schadensersatz: Sie hätte das Geld transferieren müssen. Nein, sagte das Oberlandesgericht Karlsruhe (17 U 19/06). Wegen des hohen Betrages und der zeitlichen Nähe zum Tod seien Zweifel an der Vollmacht berechtigt gewesen. Die Bank war im Gegenteil sogar verpflichtet, den Transfer abzulehnen.

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