Konzern kündigt Wechsel an
Erstmals Ausländer an Sony-Spitze

Der unter Ertragsschwäche leidende japanische Elektronikriese Sony hat erstmals einen Nicht-Japaner an die Unternehmensspitze berufen.

HB TOKIO. Das Sony-Direktorium ernannte den bisherigen Chef des US-Geschäfts am Montag zum Nachfolger von Nobuyuki Idei. Der 67-jährige Idei übernahm mit seinem Rücktritt die Verantwortung für die Ertragsschwäche des Konzerns, die sich während seiner fünfjährigen Amtszeit ausgeweitet hat.

Der 63 Jahre alte Stringer werde Sony künftig als Vorstandschef und Chairman führen, teilte das Unternehmen nach einer außerordentlichen Direktoriumssitzung in Tokio mit. Demnach verliert auch Sony-Präsident Kunitake Ando sein Amt. Zu seinem Nachfolger wurde Ryoji Chubachi ernannt, bisher Vize-Vorstandsvorsitzender und unter anderem für das Geschäft mit Elektronikteilen zuständig.

Stringer, der neben der britischen auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, blickt auf eine 30-jährige Karriere als Journalist, Produzent und Manager bei dem zum Viacom-Konzern gehörenden US-Fernsehsender CBS zurück. Er kam 1997 zu Sony und war im Gesamtkonzern zuletzt auch als Vize-Chairman für die Unterhaltungssparte verantwortlich. Im vergangenen Jahr betreute der Waliser die Übernahme des US-Filmstudios Metro-Goldwyn-Mayer durch ein von Sony angeführtes Konsortium.

In seinem neuen Amt steht Stringer vor der schwierigen Aufgabe, Sony wieder zu alter Ertragsstärke zu verhelfen und dabei vor allem zu verhindern, dass die wichtige Elektroniksparte des Konzerns erneut in die roten Zahlen rutscht. Sony - einst Erfinder des legendären „Walkman“ - hat seine Vormachtstellung bei Musikabspielgeräten längst an den US-Computerkonzern Apple und dessen beliebten „iPod“ verloren. Auch auf dem stark wachsenden Markt für Fernsehgeräte mit Flachbildschirmen ist das Unternehmen von den Konkurrenten Sharp und Matsushita ausgestochen worden.

„Wir haben der Verbraucherelektronik durch die Schaffung großartiger Produkte angeführt, Sony hat ein unglaubliches Vermächtnis aufgebaut ..., wir müssen dieses Vermächtnis nehmen und es neu erfinden“, sagte Stringer. Nach Angaben Sonys sollen die Personalveränderungen an der Konzernspitze sofort umgesetzt werden, auch wenn sie erst am 22. Juni mit der Bestätigung durch die Hauptversammlung offiziell würden.

An den Finanzmärkten ließen Hoffnungen auf das neue Management die Sony-Aktie am Montag bis zum Handelsschluss in Tokio um 1,5 % auf 4070 Yen stiegen. „Es sieht so aus, als wenn die Regenwolken, die über Sony hängen, dem Sonnenschein weichen könnten“, sagte Fondsverwalter Kazunori Ohtomo von STB Asset Management.

Sony befindet sich derzeit auf etwa halber Strecke bei der Umsetzung eines Restrukturierungsplanes. So will das Unternehmen seine Fixkosten durch Rationalisierung der Produktion und Stellenstreichungen um umgerechnet 2,4 Mrd. € pro Jahr senken. Erst Ende Januar hatte Sony seine Ertragserwartung für das laufende Geschäftsjahr drastisch nach unten geschraubt und erklärt, nur noch mit einer operativen Gewinnmarge von 1,5 % zu rechnen.

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