Konzernchef Bruno Sidler verlässt den Konzern: Panalpina-Chef nimmt nach Bilanzskandal seinen Hut

Konzernchef Bruno Sidler verlässt den Konzern
Panalpina-Chef nimmt nach Bilanzskandal seinen Hut

Seit Mittwoch klingt es wie Spott: „Die besten Köpfe für die überzeugendsten Ideen.“ Dieses Motto hat der Schweizer Logistikkonzern Panalpina an den Beginn seines Geschäftsberichts geschrieben.

ZÜRICH. Nur hat das Basler Unternehmen nun zwei Köpfe weniger, von denen einer zu den wichtigsten im Unternehmen zählte: Konzernchef Bruno Sidler verlässt den Konzern. Grund für den Abschied ist eine Affaire: ein führender Mitarbeiter, der die Bilanz der Luftfrachttochter von Panalpina so retuschiert hat, dass ein Verlust von umgerechnet 22 Millionen Euro nicht sichtbar wurde. Auch dieser Angestellte muss gehen.

Der Rücktritt des 48-jährigen Sidler, der mit seinem stets pomadig zurückgekämmten Haar, der hohen Stirn und dem selbstbewussten Lächeln dem Aussehen eines Topmanagers perfekt entsprach, ist die eigentliche Nachricht. Sie hat den Kurs des Logistikers an der Börse in Zürich zeitweise um die neun Prozent absacken lassen.

„Auch wenn dies nur ein einmaliger Unfall ist, erschüttert er das Vertrauen der Investoren in Panalpina“, kommentiert Chris Burger vom Schweizer Analystenhaus Helvea. Und Damien Weyermann von der Genfer Privatbank Lombard Odier Darier Hentsch meint, der Abgang von Sidler sei im Vergleich zum finanziellen Debakel der größere Verlust: „Es wird schwierig sein, ihn zu ersetzen.“

Sidler war ein Vierteljahrhundert für Panalpina durch die Welt gereist, in Johannesburg, in Nigeria, in Singapur. Er kennt die Branche aus dem Effeff und war stets dabei, wenn das Unternehmen einen neuen Großauftrag an Land zog. Adidas, der Otto-Versand, BMW, Porsche und Hyundai heißen die jüngsten Großkunden der Schweizer. Auch Hard-Rock-International wählte Panalpina aus, um wertvolle Gitarren zur Dekoration der Hard Rock Cafés durch die Welt zu fliegen.

Innerhalb des Unternehmens herrscht nach dem Abgang Sidlers Ratlosigkeit. „Damit hat hier niemand gerechnet“, stöhnt ein Mitarbeiter. Für eine Übergangszeit übernimmt Verwaltungsratspräsident Gerhard Fischer Sidlers Aufgabe. Er nahm bereits bis 1998 diese Doppelfunktion wahr. Im übernächsten Jahr will sich der 72-Jährige jedoch endgültig in den Ruhestand verabschieden – bis dahin hat er nun einiges zu tun.

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