Konzernchef verfolgt einen knallharten Sparkurs
Ulrich Schumacher: Auf Normalmaß geschrumpft

Der sechstgrößte Chipkonzern der Wellt, Infineon, schreibt seit acht Quartalen rote Zahlen. Ulrich Schumacher hofft, mit einem harten Sparkurs bald wieder schwarze Zahlen schreiben zu können.

MÜNCHEN. Es ist eines der bekanntesten Fotos von Ulrich Schumacher: Der Chef des Münchener Chipkonzerns Infineon posiert in einem Rennfahreranzug neben einem silberfarbenen Porsche vor dem Eingang der Frankfurter Börse, auf dem Gesicht sein verschmitztes Bubenlächeln. Es ist der 13. März 2000: Die Infineon-Aktie feiert ein glänzendes Debüt am Kapitalmarkt. Das Bild wird hundertfach gedruckt. Zuletzt immer dann, wenn es um den brutalen Börsenabsturz der HighTech-Branche, um enttäuschte Hoffnungen und die Raffgier der Anleger geht.

Heute lässt sich der Infineon-Chef auf Fotos lieber ganz seriös ablichten: im dunklen Anzug mit Krawatte. Noch einmal wie im Jahr 2000 würde er seinen Auftritt nicht zelebrieren, räumt der Porsche-Fan ein, der heute die Quartalszahlen präsentiert. Es kling ein wenig desillusioniert.

Der 45-jährige promovierte Ingenieur hat in den vergangenen fünf Jahren viel durchgemacht. 1998 gelang ihm mit erst 39 Jahren der Sprung in den Konzernvorstand des Elektromultis Siemens. Im Auftrag von Siemens-Chef Heinrich von Pierer gliederte er das Halbleiter-Geschäft in eine Firma mit dem Kunstnamen Infineon aus. Nach dem Börsengang schoss die Aktie nach oben. Der telegene, dynamisch wirkende „Mister Chip“ wurde zur Ikone des Börsenbooms.

Doch der Absturz ließ nicht lange auf sich warten: Die Chipindustrie erlebte einen bisher nicht da gewesenen Einbruch. Auf die Milliardengewinne folgten noch höhere Verluste, die Aktie verlor 90 Prozent an Wert. „Mister zehn Prozent“, schimpften empörte Aktionäre die geschrumpfte Chipgröße. Noch heute kann es passieren, dass auf einem Abendempfang sich vornehme Damen bei Schumacher über den schlechten Börsenkurs beschweren. Auch wenn er sich dann cool gibt, lasse ihn die Kritik nicht unberührt, berichten Vertraute.

Acht Quartale in Folge schreibt Infineon nun schon rote Zahlen. Und wie es aussieht, werden auch die abgelaufenen drei Monate Verluste bringen. Der Infineon-Chef, der zwischenzeitlich als Telekom- oder Siemens-Chef im Gespräch war, ist unter Druck: Es müssen wieder Gewinne her. „So ein Unternehmen kann doch nicht ewig Verluste machen“, warnt etwa ein Londoner Analyst. Auch Siemens, noch immer mit knapp 40 Prozent am sechstgrößten Chipkonzern der Welt beteiligt, will schwarze Zahlen sehen. Schumacher verfolgte zuletzt einen knallharten Sparkurs, baute Tausende von Arbeitsplätzen ab. Wenn alles gut läuft und die Speicherchippreise weiter anziehen, könnte es der gebürtige Rheinländer tatsächlich bald schaffen.

Derweil arbeiten Schumachers Leute an seinem Image. Weg vom glamourösen Porschefahrer hin zum seriösen Unternehmenslenker, lautet die Devise. Doch so einfach ist das nicht. Denn Schumacher wäre nicht Schumacher, wenn er nicht aus der Reihe tanzen würde. So kochte Ende April die Diskussion um einen Umzug Infineons ins Ausland hoch, am besten ins Schweizer Steuerparadies Zug. Sätze wie: „Ich werde dafür bezahlt, das Unternehmen zu führen, und nicht dafür, das Land zu retten“, machten ihm nicht viele Freunde. Hinter vorgehaltener Hand stimmte ihm zwar mancher Kollege aus den Führungsetagen anderer Unternehmen zu, doch in der Öffentlichkeit hagelte es Kritik.

Auch innerhalb des Konzerns eckt der Workaholic, der nach eigenen Angaben mit wenigen Stunden Schlaf auskommt, immer wieder an. Nicht alle Arbeitnehmervertreter sind gut auf ihn zu sprechen. Der Umgangsstil sei ein wenig rüde, heißt es. Schumacher, von manchen als „Egozentriker“ beschimpft, will etwa die Leistung der rund 30000 Infineon-Mitarbeiter bewerten und die Schlechtesten aussortieren. Als nicht spannungsfrei gilt auch die Beziehung zu Siemens. Das Verhältnis zu Konzernchef von Pierer soll zwar intakt sein. Doch mit Finanzvorstand Heinz-Joachim Neubürger gibt es offenbar immer wieder Reibereien über die Strategie. Hauptkritik: Schumacher setze zu stark auf Speicherchips.



Seinen Job betreibt er wie sein Hobby Rennfahren: immer am Limit. Dass es dabei zu ernsthaften Verletzungen kommen kann, weiß Schumacher spätestens seit einem Jahr. Da brach er sich bei einem Autorennen eine Rippe.



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