Konzernchefin Güler Sarabaci
Die Reifenkönigin

Beim türkischen Autozulieferer Sabanci vereint Konzernlenkerin Güler Sabanci Geschäft und Sozialengagement. Die mächtigste Frau der Türkei gilt als knallhart. Jetzt will sie den Französischen Präsidenten und Türkei-Skeptiker Sarkozy mit Wein aus eigenem Anbau überzeugen.

ISTANBUL. Der Regen peitscht an die Scheiben im 25. Stock des Sabanci Towers. Die Bürotürme im Istanbuler Geschäftsviertel Levent verschwimmen in den Wolken. Aber man braucht keinen Ausblick, um zu wissen: Hier ist man ganz oben.

„Welcome“, ruft Güler Sabanci schon von weitem, als sie aus der weiträumigen Zimmerflucht der Chefetage ihr Büro ansteuert, und streckt dem Besucher die Hand zur Begrüßung entgegen. Sie hat eine sonore, rauchige Stimme. Man spürt sofort: Diese Frau dominiert.

Güler Sabanci – elegant, aber unprätentiös im schwarzen Hosenanzug – ist in einer Männerwelt aufgewachsen. „Ich war das erste Mädchen in der Familie“, erinnert sie sich. „Mein Vater hatte fünf Brüder, und für meinen Großvater, Haci Ömer Sabanci, war ich die erste Enkelin, ein unbekanntes Wesen – das hat mir Vorteile gebracht“, glaubt sie. Schon als sie drei ist, nimmt sie der Firmengründer Haci Ömer an der Hand und zeigt ihr seine Werkshallen. „Vielleicht mag ich deshalb Fabriken so gern“, sagt sie.

Nun ist die Enkelin ganz oben angekommen. Güler Sabanci ist heute die erfolgreichste Frau in der türkischen Wirtschaft. Das Wirtschaftsmagazin „Fortune“ führt sie auf Platz acht der weltweit mächtigsten Frauen. Sie steuert den zweitgrößten Konzern der Türkei nach der Koc-Gruppe. Und sie kontrolliert fast 70 Einzelunternehmen aus den Branchen Finanzdienstleistungen, Kraftfahrzeuge, Energie, Textil, Lebensmittel, Einzelhandel und Chemie.

Den Großvater verehrt sie noch immer. Sein Bild hängt an der Wand ihres Büros. Gerne erzählt sie lebhaft die Geschichte, wie alles angefangen hat: wie Haci Ömer 1921 als 14-Jähriger aus dem zentralanatolischen Kayseri zu Fuß ins 450 Kilometer entfernte Adana wandert, sich dort als Baumwollträger verdingt, seinen Verdienst in Land investiert und mit Anfang 20 als Partner in ein Baumwoll-Handelsunternehmen einsteigt.

„Er war ein kluger Mann und ein harter Arbeiter“, sagt Güler Sabanci. „Er hatte die Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und zu motivieren.“ Der Firmengründer starb 1966. Sein Sohn Sakip Sabanci folgte und baute die Unternehmensgruppe zum Weltkonzern aus. Kurz vor seinem Tod im Jahr 2004 bestimmte er seine Nichte Güler zur Nachfolgerin. Warum sie? Weil sie sehr eng mit ihrem Onkel zusammenarbeitete.

Dennoch war es eine kleine Sensation, dass die Wahl auf die damals 49-Jährige fiel. „Sakip hatte zwei Brüder“, sagt sie, „deshalb habe ich eigentlich nicht daran geglaubt, dass ich an die Reihe kommen würde.“

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