Konzernjurist sagt aus
Tag 4: Rückschlag für Verteidigung im Mannesmann-Prozess

Im Mannesmann-Prozess um umstrittene Millionenprämien für frühere Unternehmensvorstände hat ein ehemaliger Konzernjurist der Argumentation der Verteidigung energisch widersprochen. Er bestätigte damit die Auffassung des Bundesgerichtshofs, der die Prämien als nutzlos für das Unternehmen bewertet hatte.

HB DÜSSELDORF. Beim Beschluss der Prämien im Zuge der Übernahme von Mannesmann durch den britischen Mobilfunker Vodafone im Jahr 2000 sei von einem künftigen Nutzen der Zahlungen für das Unternehmen keine Rede gewesen, berichtete der inzwischen pensionierte 66-jährige Jurist am Donnerstag bei der Neuauflage des Prozesses. Die Prämien seien ausschließlich als Anerkennung für geleistete Dienste gezahlt worden.

Die Verteidiger hatten betont, dass die Zahlung von Anerkennungsprämien bei Mannesmann üblich gewesen sei und damit eine Anreizwirkung für außerordentliche Leistungen erzielt werden sollte. Der ehemalige Mannesmann-Jurist sagte dagegen vor dem Düsseldorfer Landgericht, die 16 Millionen-Euro-Prämie für den damaligen Konzernchef Klaus Esser sei im Unternehmen "nicht zu vermitteln" und ausgesprochen unüblich gewesen, zumal die Zahlungen erstmals auf Vorschlag des chinesischen Großaktionärs Hutchison Whampoa und unmittelbar nach der verlorenen Abwehrschlacht erfolgten.

"Ich bin zwar von der Dankbarkeit des chinesischen Volkes überzeugt, aber die Sache hat mich eigentümlich berührt", sagte der Jurist lakonisch. Hutchison Whampoa hatte damals vom Kursanstieg der Mannesmann-Aktie während des dreimonatigen Übernahmekampfes profitiert und mehrere Milliarden Euro Gewinn erzielt.

Mannesmann sei als eigenständiges Unternehmen am Ende gewesen und "es war bekannt, dass Esser ohnehin großzügige Regelungen für sein Ausscheiden vereinbart hatte". Der gesamte Aufsichtsrat sei zunächst nicht über die Sonderzahlungen informiert gewesen. Seinem Vorschlag, den Aufsichtsrat unmittelbar zu Beginn der nächsten Sitzung am 17. Februar 2000 zu informieren, sei man nicht gefolgt. Stattdessen habe der spätere Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann Arbeitnehmer- und Aktionärsvertreter in einer Sitzungspause getrennt unterrichtet.

Die Stellungnahme, die Mannesmann später an die Staatsanwaltschaft übersandt habe, um die Prämien zu rechtfertigen, stamme "zu 80 bis 90 Prozent von Esser selbst", sagte der Jurist weiter. Die besonders umstrittenen Prämienbeschlussprotokolle vom 4. Februar 2000, bei denen sich der damalige Aufsichtsratschef Joachim Funk zunächst selbst begünstigt hatte, seien den Ermittlern dabei vorenthalten worden. Es sei klar gewesen, dass die Beschlüsse "Schönheitsfehler" enthielten. Die Staatsanwaltschaft hatte die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens auf Grundlage der Mannesmann-Stellungnahme zunächst abgelehnt.

Zu seiner Überraschung hätten dann die Wirtschaftsprüfer der KPMG erhebliche Bedenken geäußert und die Höhe und die fehlende Vertragsgrundlage der Prämien moniert. Sie hätten damit gedroht, das Testat für die Konzernbilanz zu verweigern.

Beim Mannesmann-Prozess verhandelt das Landgericht gegen Deutsche- Bank-Chef Josef Ackermann und fünf weitere Angeklagte wegen des Vorwurfs der schweren Untreue oder der Beihilfe dazu. Dabei geht es um die Ausschüttung von insgesamt 57 Millionen Euro Prämien. Das Landgericht hatte alle Angeklagten 2004 freigesprochen. Dieses Urteil war später vom Bundesgerichtshof aufgehoben und der Fall an das Landgericht zurückverwiesen worden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%