Konzernkontrolle
Keine Erfolgsvergütung mehr für Aufsichtsräte

Die Debatte um die Vergütung von Topmanagern geht auch an den Firmenkontrolleuren nicht vorbei. Nicht mehr alle Dax-Konzerne zahlen ihren Aufsehern Tantiemen. Mit neuer Bescheidenheit hat das allerdings nichts zu tun.
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DüsseldorfDie Vergütung der Topmanager ist inzwischen ein strittiges Topthema unter Managern. Jahrelang bestand Einigkeit, dass die Bezahlung von Vorständen und Aufsichtsräten auf internationales Niveau angehoben werden muss, um im Kampf um die besten Köpfe wettbewerbsfähig zu sein. Jetzt aber plädieren führende Aufsichtsräte wie Klaus-Peter Müller (Commerzbank), Ex-Daimler-Finanzchef Manfred Gentz und Multiaufseher Manfred Schneider (Bayer, Linde, RWE) für eine freiwillige Begrenzung von Vorstandsgehältern. Und sie stellen sich damit gegen viele Kollegen.

Auch über die eigene Bezahlung gibt es keinen Konsens mehr. Sollen Firmenkontrolleure auch erfolgsorientiert bezahlt werden? Müller empfahl vor genau zwei Jahren im Handelsblatt, Aufsichtsräte im Idealfall zu 40 Prozent fest und zu 60 Prozent erfolgsbezogen zu vergüten. Müllers Wort hat Gewicht, denn er ist Vorsitzender der Corporate-Governance-Kommission und damit im Auftrag der Regierung unterwegs, Regeln für gute Unternehmensführung durchzusetzen.

Doch seine Kollegen in den anderen führenden Konzernen scheren sich nicht darum. Bayer, Henkel und Lufthansa stellen in diesem Jahr auf reine Fixvergütung um. Damit haben inzwischen acht der 30 Dax-Unternehmen ihren Räten die variable Bezahlung gestrichen.

Die vermeintliche neue Bescheidenheit entpuppt sich bei genauem Hinsehen meist als Versuch, die Vergütungen der Kontrolleure auf hohem Niveau zu stabilisieren. Vorreiter ist Gerhard Cromme, der für sein Siemens-Mandat 560000 Euro bekommt – zuzüglich Sitzungsgelder ergibt das über 600000 Euro im Jahr. Früher erreichte Cromme das nur in Spitzenjahren – und das nur knapp.
Seinem Beispiel folgen andere Konzernaufsichtsräte. Sowohl Bayer als auch Allianz steigen auf Fixvergütung um. Für die Chefs der Gremien, Manfred Schneider und Henning Schulte-Noelle, heißt das künftig jeweils 360000 Euro sichere Einnahmen pro Jahr.

Die Allianz kippt sogar eine Kappungsgrenze, die das Salär des Vorsitzenden bislang auf das Dreifache eines einfachen Mitglieds begrenzt. Im Krisenjahr 2008 beispielsweise wurden Schulte-Noelle deshalb 20000 Euro gestrichen.

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Im Sog der öffentlichen Debatte

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Sitzungen als Einnahmequelle

Kommentare zu " Konzernkontrolle : Keine Erfolgsvergütung mehr für Aufsichtsräte"

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  • Ich finde es gut, dass endlich die Chef-Gehälter Boni gedeckelt werden. Bei so vielen Fehlentscheidungen aus den oberen Rängen wie in den letzten 4 Jahren wurde das auch allerhöchste Zeit! Ich wünsche zumindest denen, die meinten alle Produktion nach China verlagern zu müssen einen schönen Lebensabend in China.

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